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Gesundheitspolitik 12. September 2006

Schulangst: Viele Ursachen, zu wenig Prävention

Verängstigten Schülern kann geholfen werden. Schulärzte hätten aber gerne mehr Möglichkeiten für umfassende Betreuung und effektive Prävention.

„Schulangst ist kein Symptom, das für sich alleine steht, sie hat vielfältige Komponenten und Hintergründe“, betont Dr. Maria Metzler, selbst Schulärztin und Arbeitsmedizinerin in Linz. So können Kinder und Jugendliche generell Angst vor den Leistungsanforderungen haben, aber auch punktuell vor einem Test oder einer Schularbeit. Oder sie besuchen eine für ihr Fortkommen „falsche“, weil über- oder unterfordernde Schule. Auch Orientierungslosigkeit in Bezug auf die weitere Schul- und Berufswahl kann Ängste verur-sachen. Manche Kinder und Jugendliche wiederum fürchten, in der Klassengemeinschaft nicht zu bestehen. Ebenso kann eine vermeintliche Blamage vor der Klasse schockierend wirken und posttraumatische Beschwerden verursachen.

Ursachen außerhalb der Schule

Psychosomatische Symptome gehen oft auf psychosoziale Probleme im familiären Umfeld zurück, etwa auf scheinbar banale Konflikte zwischen Geschwistern oder ständige Auseinandersetzungen mit den Eltern. Genauso kommen aber sensible Faktoren, wie ständige Vernachlässigung, Gewalt oder sexueller Missbrauch, in Frage. Schulangst bewirkt oft ein „auffälliges“ Verhalten. „Was von der Umgebung als Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom wahrgenommen wird, ist oft ein Hinweis auf dahinter liegende Probleme“, gibt Metzler zu bedenken. Hör- und Sehfehler, starker Stress, psychosoziale Krisensituationen oder Autismus seien zu bedenken. „Vor allem Schul- und Hausärzte haben die Chance zu prüfen, was hinter oberflächlich erkennbaren Symptomen steht“, betont die Allgemeinmedizinerin. Zwei Faktoren seien dabei von Belang: Die Ängste und Aussagen der Schüler ernst zu nehmen und ihnen Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken.

Auch Eltern brauchen Rat

Im Betreuungskonzept ist auch auf entsprechende Begleitung zu achten. „Leider greifen manche Eltern zu irgendwelchen Vitaminpräparaten oder Medikamenten“, bedauert Metzler. Eine medikamentöse Therapie könne durchaus über belastende Akutsituationen hinweghelfen, der Blick auf die dahinter liegenden Auslöser dürfe dabei aber nicht zu kurz kommen. Schul- und Hausärzte können Eltern auf unterstützende und beratende Einrichtungen hinweisen. Dazu zählen der schulpsychologische Dienst, aber auch Familienberatung sowie psychosoziale und therapeutische Angebote. „Der beste Ansatz zur Vermeidung von Schulangst ist die Prävention“, betont Metzler. Deren Stellenwert ließe allerdings nach wie vor zu wünschen übrig. Ein Mittel zum Zweck wäre ein Training des Selbstbewusstseins. „Laut internationalen Studien sind Kinder und Jugendliche, die den Schulalltag möglichst aktiv und selbstbestimmt mitgestalten, deutlich gesünder“, berichtet Metzler. Projekte, die offenes und soziales Lernen fördern, sowie Teamwork und fächerübergreifendes Arbeiten wären dafür sinnvoll. Schließlich schlagen Mankos in der schul­ärztlichen Versorgung zu Buche. Metzler fordert mehr Unterstützung für die Tätigkeit der Schulärzte sowie Planung und Umsetzung von Projekten zur Gesundheitsförderung, aber auch adäquate Modelle der Finanzierung.

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