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Gesundheitspolitik 12. September 2006

Auf schadstoffarme Nahrung achten

Die Arbeiterkammer Tirol hat in aktuellen Analysen besorgniserregende Trends erhärtet: Die Zahl der verschiedenen Pestizide, die in Proben von Obst und Gemüse gefunden werden, steigt kontinuierlich.

Im Jahr 2003 wurden in vorgenommenen Proben noch ein bis zwei verschiedene Pestizide festgestellt, 2006 waren es bereits bis zu 13 verschiedene Spritzmittel. „Nur die Überschreitung jedes einzelnen Grenzwertes wird gewertet, die Kombinationswirkung bleibt unberücksichtigt“, kritisiert Prof. Dr. Werner Pfannhauser vom Institut für Lebensmittelchemie an der TU Graz. Die Verwendung verschiedener Pestizide ließe auf eine nicht fachgerechte landwirtschaftliche Praxis schließen.

150 engagierte Ärzte

„Der Bevölkerung vom Konsum von Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau generell abzuraten, würde heißen, das Kind mit dem Bad auszuschütten. Die Diskussion zu diesem Thema ist aber wichtig“, meint Prof. Dr. Karl Zwiauer, Facharzt für Pädiatrie und Vorstandsmitglied der „Ärzte für eine schadstofffreie Ernährung“ (www.schadstoff-frei.info). In dieser seit langem aktiven Initiative engagieren sind 150 österreichische Kinderärzte, Allgemeinmediziner, Sportärzte und Gynäkologen vernetzt. Laut Pfannhauser belegen aktuelle Studien aus den USA, dass Kinder, die konventionell angebaute Agrarprodukte essen, im Urin eine deutlich höhere Pestizidkonzentration aufweisen als Kinder, die Bio-Lebensmittel konsumieren. In letzter Zeit gab es auch Hinweise auf eine große Zahl von Schadstoffen in der Muttermilch. „Die Vorteile des Stillens überwiegen aber deutlich potenzielle Nachteile“, betont Zwiauer. Deshalb sollten Ärzte besorgte Eltern beruhigen und auf die Wichtigkeit des Stillens hinweisen. Besonders effektiv sind der Schutz durch Stillen sowie die positiven Auswirkungen für die Mutter, wenn – laut aktuellen WHO-Empfehlungen – sechs Monate voll und danach zumindest bis zum ersten Lebensjahr bzw. darüber hinaus zusätzlich gestillt wird. Bei der Beikost würden, so Zwiauer, sehr strenge Richtlinien in Bezug auf Schadstoffe gelten, allerdings würden Eltern Mahlzeiten auch selbst zubereiten.

Nachgewiesene Vorteile zertifizierter Bio-Lebensmittel

Bei zertifizierten Bio-Lebensmitteln können Konsumenten davon ausgehen, dass unter anderem auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet wurde. Aktuelle Studien weisen auch darauf hin, dass diese Bioprodukte generell eine gesundheitsfördernde Wirkung haben. Einige Beispiele: In Biomilch findet sich die dreifache Menge an konjugierter Linolsäure, die krebshemmende und antioxidative Wirkung hat sowie den Zucker- und Fettstoffwechsel ankurbelt. Biofleisch hat einen deutlich höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren und einen geringeren Anteil gesättigter Fettsäuren. Pflanzen aus Bioanbau weisen einen höheren Anteil an Mineralstoffen und Spurenelementen auf, Bio-Weizen und -Hülsenfrüchte enthalten um bis zu 15 Prozent mehr essentielle Aminosäuren. „Wichtig sind strenge Kontrollen im Biobereich, hier darf nichts verwässert werden“, unterstreicht Zwiauer. Er empfiehlt, vor allem für Kinder, Nahrungsmittel aus biologischer Produktion auch aus ökologischen Gründen. Um die Zusammenhänge zwischen Pestiziden und möglichen Gesundheitsschäden bekannt zu machen, setzen die „Ärzte für eine schadstofffreie Ernährung“ auf Fortbildung für Ärzte und Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung. „Insbesondere die Häufung von Allergien aufgrund chronischer Belastung mit Substanzen wie Pestiziden, Schwer-metallen, Weichmachern oder Feinstaub können wir bereits gut wissenschaftlich nachvollziehen“, erklärt dazu Dr. Klaus Rhomberg, Facharzt für Medizinische Biologie in Innsbruck. Zwiauer fordert mehr Mittel für die Forschung in diesem Bereich, aber auch für die genauere Analyse der Kombinationswirkung verschiedener Schadstoffe: „Gerade in den letzten Jahren sind einerseits viele neue Produkte, etwa bei Pestiziden, auf den Markt gekommen, zum anderen gab es erstmals Hinweise auf mögliche Kombina-tionswirkungen verschiedener Schadstoffe.“

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