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Gesundheitspolitik 6. September 2006

Suchtexperten fordern mehr Substitutionstherapien

Vergangene Woche wurden allgemeine Richtlinien für einen breiteren Einsatz von langfristigen Opioid-Erhaltungstherapien präsentiert.

Die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) sowie Prof. Dr. Gabriele Fischer von der Wiener Univ.-Klinik für Psychiatrie fordern in der Suchtbehandlung eine Forcierung der Drogensubstitution. In Österreich gibt es laut Weltdrogenreport aus dem Jahr 2004 zwischen 50.000 und 70.000 Abhängige von Opioiden wie Heroin oder diversen Schmerzmitteln. Nur jeder Zehnte davon erhält jedoch eine Langzeit-Erhaltungstherapie mit synthetischen Opioiden, die derzeit als die am Erfolg versprechendste Behandlung von Suchtkrankheiten gilt. Für Fischer ist Substitution allein allerdings zu wenig: „Es wird zu viel Wert auf den Entzug an sich gelegt. Abstinenz ist zwar wichtig, greift aber zu kurz und reicht als lebenserhaltende Maßnahme nicht aus.“ Das Ziel sei daher, „möglichst viele Opioidabhängige in eine Erhaltungstherapie zu bringen“, erklärte Doz. Dr. Christian Haring, Vorsitzender der Sektion Sucht in der ÖGPP.

Nicht nur Substitution

Fischer pocht in diesem Zusammenhang auf eine exakte psychiatrische Diagnostik: „Suchtkranke weisen in der Regel mehrere psychische Begleitkrankheiten auf, die behandelt werden müssen. Neben der psychopharmakologischen Betreuung ist daher auch eine psychoedukative, psychosoziale Therapie notwendig.“ Um einen größeren Einsatz von Opioid-Erhaltungstherapien durchführen zu können, verlangen Fischer und die ÖGPP mehr Suchtambulanzen. „Zwei Drittel der Patienten werden derzeit von Allgemeinmedizinern therapiert. In jedem Schwerpunktspital sollte es eine Suchtambulanz geben. Vor allem in den Bundesländern muss sich einiges tun, da Drogensucht kein rein urbanes Phänomen mehr ist“, erklärte Fischer, die von der Politik eine bessere Ausfinanzierung fordert. Im Hinblick auf die Suchtmittelverordnung hofft Haring, dass Restriktionen bei der Medikation (retardierte Morphine) sowie für behandelnde Ärzte durch Amtsärzte ausbleiben.

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