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Gesundheitspolitik 5. September 2006

Zertifizierte Gesundheitsmanager

Mit triftigen Gründen für Präven-tion ließe sich eine lange Liste füllen. Doch dem Bedürfnis nach Harmonie von Körper und Geist stehen bei vielen Menschen die Anforderungen der hektischen, stressbehafteten und profitorientierten Alltagswelt entgegen. Und wer sich wohl fühlt, denkt nicht daran, dass es dafür auf Dauer keine Garantie gibt.
Dennoch muss die Eigenverantwortung zur Erhaltung der Gesundheit jeder für sich übernehmen. Ärzte sollten kompetent beraten und motivieren können.

Auftrag für die Ärzteschaft

Zahlreiche epidemiologische Untersuchungen bestätigen, dass Lebensstil und Lebenserwartung in engem Zusammenhang stehen. Vor diesem Hintergrund wird die Forderung der Gesellschaft nach kompetenten Konzepten für einen gesunden Lebensstil immer deutlicher artikuliert. Dieser Auftrag, der die Ärzteschaft im besonderen anspricht, aber auch die ständig steigenden Kosten unseres Gesundheitssystems waren die Initialzündung für eine innovative Zusatzausbildung für Ärzte in Wien: PAN (Prevention - Activity - Nutrition), ein Lehrgang für ärztliche Bewegungs- und Ernährungsprävention, soll Ärztinnen und Ärzten das Rüstzeug zum "Gesundheitsmanager" geben.
Die Initiative zu diesem österreichweit wohl einmaligen Ausbildungsprojekt wurde im September 2001 von der Ärztekammer für Wien unter Federführung von Präsident MR Dr. Walter Dorner gestartet. Besonderes Engagement zeigt die Mitinitiatorin und Präsidentin der Gesellschaft für Präventive Medizin und Ernährung, Doz. Dr. Renate Petschnig. Ihr ist es gelungen, die auf den jeweiligen Fachgebieten führenden Experten von dieser Idee zu begeistern und als Vortragende für den Lehrgang zu gewinnen.

Im Rahmen der Ausbildung werden sowohl theoretische Inhalte als auch praktische Fertigkeiten vermittelt. Dieses Rüstzeug soll es den Teilnehmern ermöglichen, zielgruppenspezifische und praxisnahe Beratung und Empfehlungen anzubieten. Immer mehr Ärzte/innen motivieren zwar ihre Patienten zu gesünderer Ernährung oder mehr Bewegung. Diese Unterfangen scheitern jedoch früher oder später, da die praktische Durchführbarkeit der Empfehlungen nicht gegeben ist oder Kenntnisse über spezielle Sporttechniken unzureichend sind.

Bewegungsmuster verstehen

Im PAN-Lehrgang werden die Ärzte z.B. mit Bewegungsmustern diverser Sportarten konfrontiert. Sie können am eigenen Körper feststellen, welche Voraussetzungen hinsichtlich Koordination, Ausdauer oder Kraft gegeben sein müssen, um diese Sportarten gesundheitswirksam durchführen und körperliche Aktivität als "Breitbandtherapeutikum" anwenden zu können.
Fundiertes medizinisches Wissen wird in praktische Lebensweisheiten "verwandelt", so dass die zukünftigen Gesundheitsmanager ihren Klienten/Patienten eine qualitativ hochwertige Betreuung mit zahlreichen in den Alltag integrierbaren Tipps und Tricks garantieren können.
Im April dieses Jahres beendeten die ersten AbsolventenInnen den ersten PAN-Lehrgang, Ende Oktober 2002 werden die nächsten nach erfolgreich absolvierter Prüfung das Zertifikat für "Medizinische Bewegungs- und Ernährungsprävention" erhalten. Obwohl diesbezüglich noch nicht viel Öffentlichkeitsarbeit geleistet worden ist, möchten ab Herbst 2002 eine Bank und eine Versicherung für ihre Mitarbeiter beziehungsweise Versicherten die Finanzierung einer kompletten Untersuchung und Beratung bei einem Arzt mit Zertifikat für "Medizinische Bewegungs- und Ernährungsprävention" übernehmen.

Prävention erfordert genauso fundiertes medizinisches Wissen und praxisbezogene Kompetenz wie die Behandlung von Krankheiten. Der PAN-Lehrgang ist eine neue zukunftsorientierte Zusatzausbildung für Ärzte, die nicht nur sich selbst Gutes tun, sondern auch einen fundierten Beitrag zur Eindämmung von Zivilisationskrankheiten und der Kosten des Gesundheitssystems leisten wollen.

Nähere Informationen zu den Kursen: 
Ärztekammer für Wien, Fortbildungsreferat (Frau Stastny, Tel. 01/515-01-280).

Dr. med. Piero Lercher, Ärzte Woche 37/2002

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