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Gesundheitspolitik 5. September 2006

Wohlgefühl verhindert Vorsorge

Die Lebenserwartung von Menschen, die in Stadt und Land Salzburg leben, ist in Vergleich zu anderen Bundesländern höher. Sie fühlen sich subjektiv auch gesünder - damit werden Angebote der Vorsorgeuntersuchung weniger genutzt: von der Schlaganfallprävention bis zur Hautkrebsvorsorge und der Grünen-Star-Augenuntersuchung bis hin zur Kariesprophylaxe.

Viele Selbstmorde

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die psychosoziale Gesundheit: Jährlich begehen in Salzburg rund 120 bis 130 Menschen Selbstmord. Etwa 40 Prozent der gewaltsamen Todesfälle sind auf diese Todesursache zurückzuführen. Bezogen auf 100.000 Einwohner ist das der höchste Wert von allen Bundesländern. Die Suizidrate ist bei den Salzburger Männern signifikant über dem Bundesschnitt. Überdurchschnittlich viele Suizidfälle sind im Lungau, Pinzgau und Pongau zu verzeichnen. 

Spitze des Eisbergs

Doch die Todesfälle sind nur die Spitze des Eisbergs. Im Jahr 2000 mussten sich 5.700 Salzburgerinnen und Salzburger aufgrund schwerer Verlaufsformen von psychischen Erkrankungen in einem Krankenhaus in Österreich behandeln lassen. Zwischen 1991 und 2000 bedeutet das einen Anstieg von 60 Prozent. Rund 50 Prozent der Fälle sind Psychosen, ein geringerer Teil ist auf Suchtkrankheiten zurückzuführen.
Daher soll, betont Gesundheitslandesrätin Gabi Burgstaller, die Selbstmordprävention weiter ausgebaut werden. "Psychotherapie auf Krankenschein darf in diesem Zusammenhang kein Schlagwort mehr sein." Burgstaller will dazu eine bundesweite Novelle des ASVG erreichen, der auch die finanzielle Seite berücksichtigt. Gleichzeitig soll aber auch an einer Übergangslösung für Salzburg gearbeitet werden.
Ein interessanter Aspekt des Gesundheitsberichts ist die höhere Sterblichkeit von Männern aufgrund von Unfällen, Verletzungen und Vergiftungen, besonders in den südlichen Landesteilen. Bei Männern sind Verletzungen, gefolgt von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die häufigste Ursache für eine stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus.

Sicherheit am Berg

Sicherheit am Berg, auf der Skipiste oder der Mountainbikestrecke müsse also auch zur Gesundheitsprävention gehören, heißt es in dem Bericht. Begrüßt werden Ansätze wie die des Salzburger Männerbüros, das mit seinem Ansatz der Männergesundheitstage echte Akzente für eine geschlechtssensible Medizin setzt. Bei Frauen wurde in Salzburg übrigens eine Zunahme an orthopädischen Erkrankungen beobachtet.
Auch bei Bluthochdruck haben Frauen stark "aufgeholt". Bei Männern und Frauen gilt: Eine bessere Schuldbildung schlägt sich auch in einer stärkeren Nutzung von prophylaktischen Maßnahmen und im konkreten Lebensstil nieder.
Dies gilt auch für den orofacialen Bereich: Bei der Zahngesundheit wurde im Jahr 1985 mit einem Kariesprophylaxeprogramm begonnen, Erhebungen zeigen, dass die WHO-Ziele 2000 zur Zahngesundheit bei sechsjährigen Kindern noch nicht erreicht wurden. Nur 41 Prozent der Salzburger Kinder bis sechs Jahre sind kariesfrei, der WHO-Schwellenwert liegt bei 50 Prozent. 

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