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Gesundheitspolitik 5. September 2006

Wider die Verwaltungsmanie

"Unsere Medizin wird zu Tode verwaltet. Wir müssen diesem Trend, der ganz Europa betrifft, dringend gegensteuern. Das Gesundheitssystem gehört wieder in die Hände von Ärzten. Diese müssen über medizinische Strukturen entscheiden können, Management und Verwaltung sollen sich auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen: in untergeordneter Funktion eine optimale Medizin für den Patienten zu ermöglichen." Mit diesen Worten begründet Prof. Dr.Dr.h.c. Felix Unger, Vorstand der Landesklinik für Herzchirurgie Salzburg und Präsident des Institute of Medicine (IOM), die Motivation für die Entwicklung eines Europäischen Gesundheits-Weißbuches für das nächste Vierteljahrhundert. "Unser oberstes Ziel ist die Absicherung einer medizinischen Vollversorgung durch neue Finanzierungs-Modelle. Die Entwicklung darf nicht wie in den Vereinigten Staaten in Richtung Zwei-Klassen-Gesellschaft gehen."

Kürzlich trafen daher führende Vertreter der medizinischen Wissenschaften, der Gesundheitspolitik und der Medizin-Industrie aus ganz Europa in Salzburg zusammen, um den Startschuss für die Erarbeitung eines für die nächsten 25 Jahre wegweisenden Masterplans zur Gesundheitsversorgung zu geben. Die Experten werden sich mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Was soll und darf die Medizin der nächsten 25 Jahre können? Wie soll sie organisiert und finanziert werden? Wie kann die Ausbildung reformiert werden? Wie kann die Entwicklung einer liberalisierten Medizin verhindert werden?
Bei der Startveranstaltung in Salzburg wurden die geplanten Themenbereiche (Cluster) im Detail definiert, im Laufe der nächsten ein-einhalb Jahre werden diese Cluster unter Zuziehung weiterer Experten ausgearbeitet. Im Herbst des Jahres 2003 sollen die Ergebnisse dem Europäischen Ministerrat vorgelegt werden, die Veröffentlichung des Weißbuches ist nach derzeitigem Stand für Ende 2003 im Rahmen einer Veranstaltung geplant.

Das IOM wurde 2001 von der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste mit Unterstützung des Europäischen Parlaments gegründet. Ziel dieser Institution ist es, eine optimale Gesundheitsversorgung in Europa zu fördern und Modelle bestmöglicher künftiger Gesundheitssysteme zu erarbeiten. Das IOM fungiert als Ratgeber der nationalen Regierungen, des Europäischen Parlaments, der OECD und der Weltgesundheitsorganisation im Bereich der medizinischen Versorgung, Forschung und Ausbildung in Europa.

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