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Gesundheitspolitik 5. September 2006

Weniger Geld für Kassenärzte in der Großstadt

Die Ausgaben der Krankenkassen pro Kopf für ärztliche Hilfe sind in Großstädten höher als am Land. Auch dieses Faktum konnte die vom Institut für Höhere Studien im Auftrag der Wiener Ärztekammer durchgeführte Studie erheben. Im Österreichvergleich weist Wien um 17 Prozent höhere Ausgaben pro Kopf auf und liegt damit an zweiter Stelle nach Paris mit 26 Prozent. In Hamburg sind die Ausgaben um 11 Prozent, in Berlin um 7 Prozent höher als in Deutschland.
Die Ausgaben pro Kopf für ärztliche Hilfe sind aber weniger überproportional als die Ärztedichte. Wien hat eine um 47 Prozent höhere Ärztedichte, die Krankenkasse gibt aber pro Kopf "nur" um 17 Prozent mehr für ärztliche Hilfe aus als in Österreich. Dorner: "Die Wiener Kassenärzte haben in den letzten Jahren durch moderate Honorarabschlüsse viel zur Budgetkonsolidierung beigetragen."

Schlechterstellung durch Wettbewerb?

Die Ausgaben der Krankenkassen für Honorare pro Kassenarzt sind in Wien generell niedriger als in den Bundesländern. Ganz besonders trifft dies aber auf die Allgemeinmediziner zu. Auch die Ausgaben der Krankenkassen für einen Behandlungsfall sind in Wien leicht unterdurchschnittlich, wobei die Fallwerte der Fachärzte annähernd im Österreichschnitt liegen, während die Fallwerte der Allgemeinmediziner klar unterdurchschnittlich und niedriger als in den Bundesländern sind.
Dorner interpretiert das folgendermaßen: "Die Wienerinnen und Wiener nutzen den in Wien vorhandenen leichteren Zugang zu den Fachärzten und konsultieren nicht zuerst den Allgemeinmediziner. Daraus resultieren geringere durchschnittliche Patientenzahlen und leichtere Fälle für die Allgemeinmediziner. Beide Faktoren führen zu geringeren Honorarzahlungen pro Arzt."

Mehr Zulauf bei Fachärzten, aber breite Verteilung 

Die Fachärzte haben in Wien in Summe mehr Zulauf, der sich aber auf relativ viele Fachärzte verteilt. Gemeinsam mit Fallzahlen, die (annähernd) im Österreichschnitt liegen, führt dies auch bei den Fachärzten in Wien zu niedrigeren Honorarzahlungen pro Arzt. Der Unterschied ist allerdings weniger markant als bei den Allgemeinmedizinern. Für Dorner zeigt sich damit, dass Wien keinesfalls der "Wasserkopf" sei, als der es gerne von den Bundesländern bezeichnet werde.

Franz Bittner, Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, beurteilt die IHS-Studie als eine gute Entscheidungsgrundlage für die Gesundheitspolitik: "Sie zeigt, dass weniger eine angebotsinduzierte Nachfrage in Wien, als ein ungedeckter Bedarf in manchen Landbezirken außerhalb der Ballungsräume zu beklagen ist." Der Gesetzgeber habe dafür Sorge zu tragen, dass die notwendigen Mittel für die Beseitigung der "weißen Flecken" auf der Versorgungslandkarte Österreichs zur Verfügung stehen. Ein ausreichendes Angebot an Fachärzten sei ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Gesundheitswesens für die Menschen.
Wien biete, so Bittner, nicht nur bei den Ärzten, sondern auch in anderen wichtigen Bereichen des Gesundheitswesens ein hohes Angebotsniveau. Beispielhaft zu nennen seien spezielle spitzenmedizinische Leistungen im Spitalsbereich, das Angebot bei medizinisch-technischen Großgeräten, das Psychotherapieangebot oder die Hauskrankenpflege. Vieles davon werde auch von der Bevölkerung des Wiener Umlandes in Anspruch genommen.
Die Aufrechterhaltung dieser großstädtischen Infrastruktur mit überregionaler Versorgungsfunktion verursache notwendiger Weise Kosten. Es sei jedoch gelungen, das Preis-Leistungsverhältnis beispielgebend günstig zu gestalten. Bittner: "Das ist nur durch einen partnerschaftlichen und fairen Interessensausgleich zwischen Anbieter (Ärztekammer) und Zahler (Versichertengemeinschaft) möglich. Die jüngst erfolgte Vertragseinigung zwischen Wiener Ärztekammer und Wiener Gebietskrankenkasse ist ein gutes Beispiel dafür."

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