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Gesundheitspolitik 5. September 2006

Was die Krankenkasse zahlen sollte 

Die im Februar dieses Jahres vom Spectra-Institut befragten 1.000 Personen begegnen dem Dauerthema "Sparen" eher mit Skepsis. Ein knappes Viertel der Befragten (23 Prozent) wollen überhaupt keine Einsparungen im Gesundheitsbereich sehen. Der Sparstift solle vielmehr im Verwaltungs- und Personalbereich angesetzt werden, gaben 41 Prozent zu Protokoll.

Gegen Einschränkungen bei der Kostenerstattung

Auch Einschränkungen bei der Kostenübernahme durch die Kassen wollen die ÖsterreicherInnen mehrheitlich nicht akzeptieren. Dass die Krankenkassen notwendige - auch moderne - Arzneimittel erstatten, fand die Zustimmung von 79%, 17% stimmten "teilweise" zu, zusammen immerhin 96%. Und 63% meinen, die Krankenkassen müssten notwendige Arzneimittel in jedem Fall bezahlen, weitere 25 Prozent stimmen dem "teilweise" zu.

Außerordentlich differenziert und kritisch schätzt Dr. Walter Wintersberger von Spectra die Ergebnisse der Umfrage zu den Bereichen Generika und Arzneimittel-Substitution ein: "Hinsichtlich Generika herrscht noch ein großes Wissensdefizit (57 Prozent der Befragten gaben an, noch nie von Generika gehört zu haben, Anm.). Gefühlsmäßig stuft die Bevölkerung Originalpräparate und Generika als gleichwertig ein, und die Hälfte der ÖsterreicherInnen könnte sich theoretisch vorstellen, eine Substitution von Originalpräparaten durch Generika zu akzeptieren." "Theoretisch" deshalb, weil es vor allem Gesunde seien, die mit einer Arzneimittel-Substitution einverstanden wären. "Kranke Personen, die regelmäßig Medikamente nehmen, lehnen eine solche Substitution mit knapper Mehrheit ab", so der Marktforscher.

Diese Kernergebnisse der Umfrage sieht die Pharmig im Gegensatz zu gesundheitspolitischen Meinungen. "Diese anerkennen den Wert von Arzneimitteln weit weniger als die Bevölkerung", stellten die Proponenten der Interessenvertretung, Präsident Dr. Ulrich Bode und Vizepräsident Wilhelm Schwab, fest. Sie fordern daher von den gesundheitspolitisch Verantwortlichen, "Schluss zu machen mit der immer wiederkehrenden Darstellung, dass Arzneimittel Kostenverursacher Nummer Eins bei den Gesundheitsausgaben sind". Ökonomie müsse immer gekoppelt mit Wert gesehen werden, um zu einem tatsächlich "vernünftigen Umgang mit Arzneimitteln" zu kommen. Der derzeitige Weg des Hauptverbandes zur "Billigmedizin", das heißt vermehrte Aufnahme von Generika ins Heilmittelverzeichnis und kaum Innovationen, sollte im Sinne der BürgerInnen gestoppt werden. Für die Industrie sei es unabdingbar, dass Innovation auch belohnt werde.
Ein weiterer Vorschlag der Pharmig betrifft die Mehrwertsteuer für Arzneimittel. Die Vertreter der Pharmaindustrie fordern eine Reduktion der derzeit gültigen 20 Prozent auf 10, auch für andere therapeutisch effiziente Güter und Leistungen.

Offenheit für unorthodoxe Ideen erwünscht

"Wunsch der Bevölkerung ist die langfristige Absicherung der Gesundheitsversorgung", betonten Bode und Schwab. Strukturelle 
Änderungen und klare Prioritätensetzungen im gesamten Gesundheitswesen seien dafür unausweichlich. Die Pharmig fordert 
daher neuerlich, "die Dinge konstruktiv anzugehen, eine breit angelegte Diskussion, die alle Partner im Gesundheitswesen sowie die BürgerInnen einbezieht, zu initiieren". Dabei dürften auch unorthodoxe Gedanken nicht vom Tisch gewischt werden. 

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