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Gesundheitspolitik 5. September 2006

Warnung vor Innovations-Stopp

Pharma-Manager schlagen Alarm: Sollte der Sparkurs bei den Medikamenten fortgesetzt werden, drohe ein Innovations-Stopp bei der Entwicklung moderner Arzneimittel. Davor warnten Vertreter des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) bei den diesjährigen Wirtschafts- und Ethikgesprächen des Forums Alpbach. FOPI vertritt derzeit 13 forschende pharmazeutische Unternehmen, die mehr als 50 Prozent des österreichischen Arzneimittelmarktes repräsentieren. Rund 160 Millionen Euro investieren diese Firmen pro Jahr in Forschung und Entwicklung im Inland.
Die Diskussion um die Sanierung der Krankenkassen konzentriere sich zu Unrecht immer häufiger auf die Forderung zur Reduktion der Medikamentenkosten, kritisierte FOPI-Präsident Mag. Alexander Mayr. "Österreich liegt mit jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel von 137 Euro europaweit unter dem Durchschnitt. In Deutschland zum Beispiel liegen diese um knapp 100 Euro darüber. Nur etwa 10 Prozent der österreichischen Gesundheitsausgaben werden überhaupt für Medikamente aufgewendet", betonte Mayr. Das Sparpotenzial müsse also anderswo liegen, folgerte er.

Innovation hilft sparen

Die pharmazeutische Industrie trage sogar zu einem "intelligenten Sparen" bei, betonte FOPI-Vizepräsident Dr. Peter Mateyka. Dies sei bereits durch zahlreiche gesundheitliche Gesamtrechnungen belegt, unter anderem in den Bereichen Depression, Migräne, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre oder Zuckerkrankheit. "Wirkt ein innovatives Medikament effizienter als ein älteres Arzneimittel, so führt dies zu einer schnelleren Genesung oder Stabilisierung des Patienten", so Mateyka. "Operationen und Spitalsaufenthalte können verkürzt oder ganz vermieden werden, Krankenstände reduzieren sich, und unerwünschte Wirkungen treten seltener auf."

Umstrittene Generika

Natürlich sei es unbestritten, dass ein "reflektierter Einsatz" von Generika, also preiswerte Nachbildungen von Medikamenten mit abgelaufenem Patentschutz, eine kostendämpfende Wirkung haben könne, fuhr Mateyka fort. Sie seien jedoch nicht in der Lage, Originalpräparate vollständig zu ersetzen, da es sich sonst kein Unternehmen mehr leisten könnte, in Forschung und Entwicklung zu investieren.
Zur aktuellen Diskussion um die Abschaffung der Chefarztpflicht sagte Mateyka, dass die forschende pharmazeutische Industrie jede Maßnahme begrüße, die den Patienten einen leichteren Zugang zu neuen Medikamente ermögliche. Die Chefarztpflicht dürfte aber im Gegenzug nicht durch andere "innovationshemmenden Maßnahmen" ersetzt werden, betonte der FOPI-Vizepräsident. 

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 31/2002

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