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Gesundheitspolitik 5. September 2006

Vorarlberg: Entwurf für neues Drogenkonzept

Das neue Drogenkonzept bringt "keine grundsätzliche Positionsänderung", stellte Landeshauptmann Dr. Herbert Sausgruber (ÖVP) bei der Präsentation des Konzeptentwurfes klar. Man hält, abgesehen von "aktuellen Anpassungen" (Gesundheitslandesrat Dr. Hans-Peter Bischof) an der "stabilen und geradlinigen Drogenpolitik" fest. Forderungen nach Heroinabgabe oder Legalisierung des Cannabis-Konsums werden nicht erfüllt. Drogenbeauftragter Dr. Reinhard Haller: "Das Drogenkonzept ist kein Forum für ‚legalize it or not'.""
Wichtigstes Anliegen laut Gesundheits-Landesrat Bischof: "Rasches Reagieren und Intervenieren." Mit "Therapie sofort" sollen Hilfesuchende innerhalb von 48 Stunden Betreuung bekommen. Verbessert wird auch die Nachbetreuung. "Therapiebegleitung vom Anfang bis zum Ende" (Haller) soll die Koordination der verschiedenen Einrichtungen gewährleisten. Vor allem soll damit sichergestellt werden, dass Suchtkranke nach dem Entzug in anderen österreichischen Kliniken in Vorarlberg entsprechende Nachbetreuung erhalten.
"Derzeit gibt es keine qualifizierte Entzugsmöglichkeit in Vorarlberg", kritisiert der Obmann der Kontakt-und Anlaufstelle Ex & Hopp, Bernhard Amann. Diesen Mangel behebe auch das neue Drogenkonzept nicht. Der Sozialarbeiter: "Das Konzept ist antiquiert und geht an den heutigen Realitäten vorbei." Es ändere sich nichts an der seit 1992 üblichen Drogenpolitik, kritisiert Amann: "Anstatt die Drogenmündigkeit zu postulieren, werden weiter Patienten verwaltet."

Brain-Check-up kostenlos

Neue Hilfeangebote richten sich an verschiedene Konsumentengruppen: Die "Fun-Generation" (Haller) soll mit "Brain-check-up" die negativen Folgen von Designerdrogen auf die Hirnfunktionen untersuchen lassen. Die Tests sind laut Haller "kostenlos und anonym". Amann hätte im Konzept lieber "Check it" statt "Check up". Die Installierung eines flächendeckenden und permanenten Substanz- und Monitorsystems nach Wiener Beispiel würde Ravern und Clubbing-Besuchern mehr nützen als der Hirn-Test. Amann: "Den hätten in Vorarlberg viele nötig."
Für die rund 50 bis 70 Kokainisten, Mittelstandsbürger mittleren Alters, die gesellschaftlich integriert und etabliert sind, "mit der Drogenszene nie was zu tun hatten", will Haller ein eigenes Therapieangebot schaffen. Nachgedacht müsse auch über spezielle Angebote für verschiedene Altersgruppen werden, sagt der Leiter des Suchtkrankenhauses Maria Ebene. Haller: "Alter und Sucht wird zunehmend zum Thema. Ich bin erstmals mit einer 75-Jährigen Heroinsüchtigen konfrontiert." Amann hätte sich auch bei den neuen Angeboten mehr Rücksicht auf die Betroffenen erwartet: "Die Diversifizierung des Therapieangebotes ist im Konzeptentwurf nicht den Bedürfnissen der Betroffenen entsprechend gelöst."
An der Substitutionsmethode bei Heroinabhängigkeit wird sich nichts ändern. Haller: "Es stehen sieben Substanzen zur Verfügung. Damit können wir sehr viel erreichen." Heroinabgabe nach Schweizer Vorbild lehnt er ab: "Dazu bedürfte es einer großstädtischen Struktur." Auch die seit Jahren 
geforderte Einrichtung von 
"Fixerstüble", die in der Schweiz längst zum Drogenhilfe-Angebot gehören, wird im neuen Konzept nicht realisiert. Der Entwurf geht nun in die Begutachtung.

Jutta Berger, Redaktionsbüro Vorarlberg

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