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Gesundheitspolitik 5. September 2006

Vier Modelle für Gruppenpraxen

In eher ungewohnter Gemeinsamkeit betonen Gebietskrankenkasse und Ärztekammer, dass im Land ob der Enns erstmals in Österreich eine "gesamtvertragliche Regelung" zum Thema Gruppenpraxis erarbeitet werden konnte. Und das gleich mit vier Modellen (siehe Kasten).
Bei den Modellen 2 und 4 muss die Ärztekammer und die Gebietskrankenkasse zunächst einen ärztlichen Zusatzbedarf für die Region feststellen. Für die Modelle 1 und 3 braucht es keine gesonderte Bedarfsprüfung.

Die Öffnungszeiten bilden ein zentrales Element der Einigung. Für die Zusammenlegung von zwei Praxen wurde eine Öffnungsdauer von mindestens 30 Stunden pro Woche festgelegt. Als mittelfristiges Ziel wird eine 40 Stunden-Woche anvisiert. Diese Gruppenpraxen sollen an zumindest fünf Wochentagen geöffnet haben, mit vereinbarten mindestens drei Abendordinationen zu jeweils drei Stunden nach 16 Uhr. Eine Alternative dazu ist, die Ordination am Samstag oder unter Woche bereits ab sieben Uhr früh zu öffnen. Bei drei Modellen - ausgenommen das erste - wurde zusätzlich eine Begrenzung der Patientenzahl festgelegt.
Modell 2 wurde vor allem auch für Gemeindepolitiker geschaffen, die ständig fehlende ärztliche Versorgung einfordern, der Bedarf aber für eine volle Stelle nicht reicht. Die Mindestöffnungszeit für diese Variante beträgt 25 Wochenstunden.

Die Vorzüge von Modell 4

Besonderes Lob zollt Ärztekammerpräsident Dr. Otto Pjeta dem Modell 4 der Übergangspraxis; der Übergang zu einem neuen Arzt würde gleitend gestaltet. Der "neue" Arzt und die "alten" Patienten könnten einander über einen längeren Zeitraum kennen lernen, "ohne dass dabei das Insiderwissen und die patientenbezogene Erfahrung des Seniorpartners verloren gehen", betont Pjeta.
Geregelt wäre mit dem Modell auch eine gesicherte und faire Ablöse für die Ordination. "Die Ordination wird geordnet übergeben, es gibt in jeder Phase ein Interesse daran, in eine moderne medizinische Ausstattung zu investieren. Die Qualität der Versorgung bleibt gesichert", meint Pjeta. Für alle Modelle wurde, wie es in einer gemeinsamen Aussendung von Kasse und Kammer heißt, "ein objektives Bewertungs-Schema für Substanzablösen und den Firmenwert erarbeitet und im Vertrag festgelegt". Damit sollen der "Verkauf" des Kassenvertrages sowie überhöhte Ablösen verhindert werden.
Bei der Honorarordnung für die Modelle 1 und 2 wurde ein prozentueller Abschlag vom Umsatz der Gruppenpraxis festgelegt, der die "betriebswirtschaftlichen Kostenvorteile" gegenüber Einzelpraxen berücksichtigt. Diese Tarifabschläge würden zur Gänze in die vertragsärztliche Versorgung und Strukturmaßnahmen reinvestiert, "etwa zur Stützung von Landpraxen", so Pjeta.
Über die konkrete Verwendung der Gelder entscheiden Ärztekammer und Gebietskrankenkasse im Rahmen der Honorarverhandlungen. Kasse und Kammer erwarten sich nach langem Hickhack zum Thema Gruppenpraxen nun einen wahren Ansturm auf die neuen Modelle.

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