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Gesundheitspolitik 5. September 2006

Triste Situation für Jungmediziner

Nicht einmal die Hälfte aller Medizinpromoventen in Wien hat reele Chancen auf einen Turnusplatz. 30 Monate beträgt derzeit im Schnitt die Wartezeit für Hochschulabgänger bei der Gemeinde Wien. Auf diese triste Situation verwies die Vorsitzende der Servicestelle für arbeitslose Jungmediziner der Ärztekammer für Wien, Dr. Astrid Reitinger, bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Medizinermesse "MedSucess" im Wiener AKH.

Die ernüchternden Zahlen: Während im Studienjahr 2000/ 2001 521 promovierte Mediziner die Wiener Universität verließen, wurden in den Gemeinde-Wien-Spitälern lediglich 246 Ausbildungsplätze frei. In den Jahren davor war die Situation noch bedrückender: 763 beziehungsweise 674 Studienabgängern in den Jahren 1998/1999 und 1999/2000 standen 276 beziehungsweise 244 freie Turnusplätze gegenüber.

Reitinger: "Auch wenn das AKH und die Ordensspitäler die Situation ein wenig verbessern, so muss doch derzeit jeder Medizinpromovent in Wien mit einer zweieinhalbjährigen Wartezeit rechnen." Viele Promoventen müssten sich mit Gelegenheitsjobs oder schlecht bis gar nicht bezahlten Forschungsassistenzen begnügen. "Die Anzahl der Jobsuchenden übersteigt die Anzahl der vorhandenen Ausbildungsstellen längst", so Reitingers Resümee.

Zudem führe die generelle Ressourcenverknappung im Gesundheitssystem zu einer rigorosen Einschränkung der Möglichkeiten. Reitinger: "Die triste Ausbildungssituation wurde von der Ärztekammer immer wieder aufgezeigt, von den Verantwortlichen aber stets negiert." Dringend notwendige Maßnahmen seitens der politischen Entscheidungsträger seien daher aus populistischen Gründen bis dato ausgeblieben.

Was Reitinger besonders stört: Viele Arbeitswillige bedeuten nach den Gesetzen des Marktes auch niedrige Löhne. "Das Anfangsgehalt eines Assistenzarztes im AKH beträgt zur Zeit 1017,42 Euro und soll, nach zähen Verhandlungen mit der Ärztekammer und Gewerkschaft, auf 1261 Euro angehoben werden." Die sei laut Reitinger "zwar ausverhandelt, aber noch lange nicht beschlossen". Reitinger befürchtet, dass es hier noch einige Probleme in der Realisierung geben könnte und dass viele gute, junge, motivierte Forscher das Land aus wirtschaftlichen Gründen verlassen werden.

Auch das neue Universitäts-Organisationsgesetz stelle für die in Ausbildung stehenden Ärztinnen und Ärzte sicher keine Verbesserung dar. Reitinger: "Wer immer aus vollstem Herzen Medizin studieren will, soll dies auch tun. Es muss nur klar sein, dass auf Medizinpromoventen aufgrund politischer Ignoranz eine lange Durststrecke wartet, die für viele zum Stolperstein für den ärztlichen Beruf werden kann."

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