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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Sachleistungen für alle

Die SVA kennt als einzige österreichische Krankenkasse die Unterscheidung zwischen Sachleistungs- und Geldleistungsberechtigten. Während die einen - ähnlich wie bei den Gebietskrankenkassen - für den Arztbesuch Patientenscheine erhalten, kommen die anderen als Privatpatienten und verrechnen im Nachhinein mit der Kasse. Mit der 26. Novelle zum GSVG wurden diese Versicherten um eine Option reicher. "Geldleister" sollen künftig folgende Wahlmöglichkeit haben: 

  •  Entweder Patientenschein und Verzicht auf Sonderklassevergütung oder 
  •  Patientenschein und Beibehaltung des Geldleistungsanspruches bei der Wahl der Sonderklasse.

Auch Sachleistungsberechtigten soll diese Entscheidung offen stehen.
Zum Inkrafttreten dieser Regelung bedarf es noch einer Satzungsänderung der SVA, die nach Angaben des Trägers bis etwa Mai 2002 veröffentlicht werden wird. Darin muss auch die Höhe der Zuzahlungsbeiträge für die Inanspruchnahme dieser Optionsmöglichkeiten festgelegt werden - denn gratis gibt es diese "Zuckerln" nicht. Mit 1. Jänner 2003 soll die Neuregelung dann tatsächlich zum Tragen kommen.

Für die niedergelassenen Ärzte bedeutet das, dass sie Privatleister verlieren werden und diese künftig zum viel niedrigeren Sozialversicherungstarif behandeln müssen.
"Es macht schon einen Unterschied, ob man für einen Ultraschall 1.000 oder 600 Schilling bekommt", sagt Dr. Martin Millauer, Stellvertretender Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in der Steiermark und Wahlärztereferent in der Österreichischen Ärztekammer.
In der SVA argumentiert man, dass das "Sachleistungsprinzip für alle" schon lange politischer Wunsch sei. Außerdem wolle man mehr Marktelemente in das System einbauen und den Versicherten größere Wahlmöglichkeiten einräumen.

In der SVA geht man davon aus, dass viele Versicherte von der Option "Patientenschein beim Arzt und Sonderklasse im Spital" Gebrauch machen werden, da sie mit der bisherigen Regelung "nicht sehr glücklich waren". 
SVA-Generaldirektor Mag. Stefan Vlasich sieht sich mit diesem Projekt auch als Vorreiter innerhalb der sozialen Krankenversicherung. Falls es sich bewähre, sei dieses Wahlsystem für alle Topverdiener in Österreich denkbar, sagte er in einem Interview mit dem Wirtschaftsblatt.
Millauer hingegen sieht in der Neuregelung einen Angriff auf die "freie Arztwahl" der gewerblichen Versicherten sowie auf das Portemonnaie der Ärzte. Vor allem Fachärzte und Wahlärzte werde diese Neuregelung seiner Einschätzung nach empfindlich treffen.

"Es ist nicht nachvollziehbar, warum die reichste Sozialversicherungsanstalt jetzt glaubt, sparen zu müssen", kritisiert der Wahlärztereferent. Für ihn sei das eine weitere Maßnahme der Wirtschaftskammer, im Gesundheitswesen auf Kosten der ärztlichen Leistung zu sparen.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 3/2002

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