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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Psychosoziales Akutteam in NÖ hat sich bewährt

Seit nunmehr einem Jahr besteht das Psychosoziale Akutteam in Niederösterreich. Nach dem schweren Busunglück vergangenes Jahr bei Melk wurde es von der niederösterreichischen Landesregierung ins Leben gerufen und bislang 70 Mal in Anspruch genommen. "Damit sind wir noch nicht ganz ausgelastet", so Projektleiter Günther Kienast. Das Budget von 140.000 Euro ist auf 140 Fälle ausgelegt, die auch erwartet werden, wenn die Institution bekannter ist.

Die Betroffenen selbst sind nicht berechtigt, das Team zu alarmieren. "Alarmierungsberechtigt sind neben Gendarmerie und Krankenhäusern auch Ärzte", so Mag. Eva Münter-Kramer, die als Psychotherapeutin das Projekt koordiniert und auch selbst Einsätze fährt. "Am einfachsten ist es, wenn die Ärzte die jeweilige Gendarmerie kontaktieren, die informieren uns dann." Innerhalb von drei Stunden sollte dann die notfallpsychologische Hilfe zur Verfügung stehen. "Allerdings", so Münter-Kramer, "gibt es eine klare Gegenindikation, nämlich psychiatrische Fälle." Zielgruppe des Akutteams seien vielmehr "normale Menschen in unnormalen Umständen".

Häufig entsteht ein psychologischer Betreuungsbedarf wegen des plötzlichen Verlusts eines Angehörigen, erzählt Münter-Kramer: "Ein Unfall, bei dem etwa ein Kind stirbt, ein Suizid, eine erfolglose Reanimation oder auch ein plötzlicher Kindstod sind jene Situationen, in denen wir helfen können." Aber auch bei der Aufarbeitung von Gewaltdelikten werde immer wieder geholfen.
Bis zu sechs Stunden Hilfe pro Patient zahlt das Land Niederösterreich. "Das reicht auch in den meisten Fällen", so Kienast. "Ein Drittel der Betroffenen braucht dann doch weitere Hilfe", erzählt Münter-Kramer, "die wir ihnen auch vermitteln können." Für sie selbst ist als Vorbereitung auf einen Einsatz "möglichst viel Sachinformation wichtig, damit ich nicht tollpatschig hinkomme, ohne zu wissen, was passiert ist". Ein Patient, auf den etwa die Gendarmerie aufmerksam gemacht hat, wird zunächst telefonisch kontaktiert, Hilfe wird angeboten und in den meisten Fällen dankbar angenommen.

Kurt Sattlegger, Ärzte Woche 28/2002

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