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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Pflegebedürftigkeit tritt später ein

Selbständig im Alter: SIMA PLUS ist ein einjähriges Trainingsprogramm für Geist, Körper und Seele. Es ist geeignet, die Selbstständigkeit des Einzelnen im Alter möglichst lang zu erhalten und die Pflegebedürftigkeit so lang wie möglich zu verzögern. Kursinhalte sind die Kombination eines Gedächtnistrainings mit psychomotorischem Training sowie Tipps und Hilfen zur späteren Altersbewältigung (Kompetenztraining). Gesetzt wird auf eine lustvolle Art und Weise der Wissensvermittlung und vor allem von Methoden des Umgangs mit schwierig erscheinenden Alltagssituationen.

Kombiniertes Training

In einer kürzlich abgeschlossenen, mehrjährigen Studie der Universität Erlangen zeigte Prof. Dr. Wolf Oswald, dass mit einer für SIMA PLUS charakteristischen Kombination von einem speziellen Gedächtnistraining mit einem gezielten Bewegungstraining dem Alterungsprozess entgegengewirkt werden kann.
Die Studien Oswalds sowie die bisherigen und sehr aktuellen heimischen Erfahrungen mit dem Programm zeigen auch ein deutliches Absinken der Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit. Ein besonders deutlicher Effekt ist in Hinsicht auf die ausbleibende, abgeschwächte oder deutlich verzögerte Ausbildung von Demenz zu beobachten.
Gelingt es durch SIMA, bei mindestens 10.000 Menschen die Pflegebedürftigkeit nur um ein Jahr hinauszuschieben, bedeutet das eine Entlastung des Haushaltes der öffentlichen Hand von über 43 Millionen Euro.

Großes Interesse

Das Interesse an der Ausbildung zum SIMA-Trainer ist groß - allein im Vorjahr wurden 450 Personen in Oberösterreich entsprechend geschult. 2003 sollen zwei Drittel aller Gemeinden direkt durch dieses Trainingsprogramm erreichbar sein. Umgesetzt wird die Schulung vom Katholischen Bildungswerk mit einer finanziellen Förderung des Landes. So kann zudem der Kostenbeitrag der Teilnehmer sehr niedrig gehalten werden - dieser beträgt pro Trainingseinheit zwischen 3,6 und 7,2 Euro. 
Auch in Salzburg soll mit SIMA nun bei möglichst vielen Menschen der Eintritt der Pflegebedürftigkeit hinausgeschoben werden. Gleichzeitig werden Möglichkeiten und Anstöße geliefert, um Lebens- und Sinnfragen aktiv zu bearbeiten und die Lebensqualität im Alter zu entdecken. Bis Juni laufen in Salzburg über 80 Kurse mit jeweils 15 Teilnehmern. Das Land unterstützt das Projekt mit 40.000 Euro.
Inhalt des Kurses ist eben auch der bewusste Umgang mit der eigenen Gesundheit. So werden auch Situationen wie ein Besuch beim Arzt oder im Krankenhaus besprochen und aktiv dazu geübt. Ein Schwerpunkt ist auch das Formulieren von Symptomen bzw. wie Ratschläge und Hinweise des Arztes im Alltag umgesetzt werden können. Geübt wird dabei weiters der Umgang mit Rezepten, Medikamenten und Heilbehelfen. 

Aktiver Umgang mit Problemen

Schwerpunkte von SIMA sind ebenso der Umgang mit Krankheit und Informationen über regionale medizinische und soziale Angebote. Es geht um den aktiven Umgang mit Problemen im Alltag, was auch die Anzahl von Hausbesuchen durch den Hausarzt reduziert.
Auch so wird die Eigenständigkeit der älteren Menschen gefördert und gerade Hausärzte können sich stärker auf ihre medizinische Tätigkeit konzentrieren. Diese werden bei einigen SIMA-Trainings auch persönlich eingeladen, um eine Begegnung auf einer anderen Ebene als in der Ordination zu ermöglichen.
Das SIMA-Training läuft ein Jahr lang mit 14-tägigen Treffen - so entstehen enge soziale Netze der Nachbarschaftshilfe und des gegenseitigen Unterstützens auch über größere Entfernungen. Gerade Hausärzte können mit speziellen Angeboten auf das SIMA-Training gut aufbauen und gezielt Angebote für ältere Menschen setzen.

Informationen über SIMA:
Oberösterreich: SIMA-plus-Kompetenz-Center, Volksgartenstraße 6, 4020 Linz
Tel. 0732/7610-3213, Fax 0732/7610-3289,
Email:  

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