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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Herzinfarkt: Die Politik ist gefordert

Im Vorjahr wurden etwa 13.000 Patienten mit einem akuten Herzinfarkt stationär eingewiesen - davon verstarben rund 17 Prozent.
"Nur zehn Prozent der Infarktpatienten haben Zugang zu einer sofortigen Herzkatheteruntersuchung", kritisiert Prof. Dr. Klaus Huber, Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Kardiologie. "Für jeden Infarktpatient an jedem Tag des Jahres und zu jeder Zeit innerhalb kurzer Zeit müsste ein Spital erreichbar sein, das die Katheteruntersuchung und Ballondehnung durchführen kann", ergänzt Huber. Es gibt in Österreich nur 20 Spitäler mit einem täglich rund um die Uhr einsatzbereiten Katheterteam. Dazu kommt aus Hubers Sicht die immer wieder nicht ausreichende Versorgung von Infarktpatienten an Wochenenden und in der Nacht. 

Warnung vor "Schnelltests"

Huber fordert die heimischen Gesundheitspolitiker auf, hier zu investieren, "die Sterberate von Infarktpatienten ließe sich dann zumindest halbieren." Er warnt vor neuen Herzinfarkt-"Schnelltests", die auf Grund einer minimalen Blutprobe eine angebliche "eindeutige" Aussage über einen drohenden Herzinfarkt liefern bzw. Patienten in falscher Sicherheit wiegen.
Eine der wesentlichen Ursachen für Herzinfarkt ist Hypertonie. Eines der wesentlichen Gesundheitsziele im Land ob er Enns ist auch, die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen drastisch zu senken. Bei den unter 65-Jährigen soll die Sterberate um ein Fünftel gesenkt werden, so das ambitionierte Ziel.
Das Problem bei Hypertonie: In vielen Fällen schlägt sich in keinen anderen Symptomen nieder, die Patienten fühlen sich völlig gesund. Aber durch die ständige Überlastung des Herzens und des Gefäßsystems drohen schwere Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Atherosklerose und Nierenerkrankungen. 

Risikobewusstsein stärken

Vor allem verstärkt werden soll daher das Risikobewusstsein für hohen Bluthochdruck. Nach wie vor im Umlauf sind Ammenmärchen und nicht wirklich korrekte Formeln wie "Lebensalter plus 100". In den über 200 oberösterreichischen "Gesunden Gemeinden" soll es daher viele Informations- und Beratungsveranstaltungen zum Thema "Blutdruck" geben. In diese sollen besonders stark die niedergelassenen Ärzte für Allgemeinmediziner einbezogen werden. Diese sollen Patienten zu regelmäßigen Eigenmessungen unter Alltagsbedingungen motivieren - die Ergebnisse werden dann gemeinsam analysiert. 

Themen ansprechen

Ebenso stärker ansprechen soll der Hausarzt dabei Themen wie richtige Ernährung, Bewegung, Stressverminderung und Verzicht auf das Rauchen. Gleichzeitig soll die Initiative zum Thema Blutdruck auch die Inanspruchnahme der Vorsorgeuntersuchungen verstärken. 
Die Allgemeinmediziner sollen sich zudem als Vortragende auf Ebene der Gesunden Gemeinden einbringen. Das Land hat eine "Gesundheitsstraße" speziell zum Thema Blutdruck so adaptiert, dass sie regional leicht einsetzbar ist. Zudem wird umfangreiches Plakat- und Informationsmaterial angeboten. 
Die Zahl der Gesunden Gemeinden ist in Oberösterreich übrigens innerhalb von nur zwei Jahren von 121 auf 205 gestiegen. Das bedeutet eine Teilnehmerquote von bereits 46 Prozent und rund 955.000 Einwohnern - ein wichtiger Beitrag zur Gesundheitsvorsorge vor Ort. 

Weitere Informationen: Tel.: 0732/7720 -14133, Fax: 03732/7720-14396, e-Mail:  

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