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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Ärzte empört über Erlass

Wiener Drogensubstitutionspatienten haben festgestellt, dass ohne ihr Wissen sensible Daten von medizinischen Labors an die Gesundheitsbehörden weitergeleitet wurden. Konkret geht es dabei um die Meldung des Auftretens infektiöser Hepatitis, wie sie im Epidemiologiegesetz als anzeigenpflichtige Krankheit - neben unzähligen anderen - aufgelistet ist. Sozialminister Mag. Herbert Haupt hat in diesem Jahr per Erlass die Gesundheitsämter der Landesregierungen daran "erinnert", dass jeder "zugezogene Arzt" zu einer Anzeige der Krankheiten verpflichtet sei. Konkret sei dabei auch die Meldepflicht der medizinischen Labors unterstrichen worden, bestätigt man im Ministerium.
Dass diese Meldung der Labors nun hinter dem Rücken der Patienten und ihrer behandelnden Ärzte erfolgt, empört Dr. Hans-Joachim Fuchs, der in seiner Wiener allgemeinmedizinischen Praxis besonders viele Drogenpatienten betreut. "Diese Menschen haben zumeist seit ihrer Kindheit viel mitgemacht. Sie brauchen eine besonders umsichtige Betreuung, in der Vertrauen eine große Rolle spielt", sagt Fuchs. Sie würden existenzielle Nachteile befürchten, wenn nun Daten ohne ihr Wissen amtlich werden, die - wie Hepatitis C - einen Rückschluss auf ihre Drogenabhängigkeit zulassen. Und das, obwohl man nicht einmal im Ministerium sagen kann, welche Maßnahmen nach einer Hepatitis-Anzeige zu erfolgen haben und in welcher Form die Daten gespeichert und weiter verarbeitet werden. 

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 43/2002

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