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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Haupt verfügt eigene Zahnärzte-Kammer

Der amtierende Sozialminister hat ein Machtwort gesprochen: Die Angehörigen des zahnärztlichen Berufes müssen eine eigene Kammer bekommen. Darin sollen die neuen Zahnärzte (Dr.med.dent), die Fachärzte für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sowie die Dentisten unter einem Dach vereint werden. Der Sozialminister reagierte dabei auf ein bereits seit langem schwelendes EU-Vertragsverletzungsverfahren, in dem eine strikte Trennung zwischen ärztlicher und zahnärztlicher Tätigkeit gefordert wird. Im Juli wurde dazu von der EU-Kommission eine Klage beim Europäischen Gerichtshof eingebracht. Eine rasche Bereinigung der Angelegenheit könnte den Prozess noch abwenden. 
Wie viel Gewicht die Entscheidung von Bundesminister Mag. Herbert Haupt angesichts der bevorstehenden Neuwahlen jedoch noch hat, wird man erst in einigen Monaten beurteilen können. Der Sprecher der Bundeskurie Zahnärzte der Österreichischen Ärztekammer, MR Dr. Günther Knogler, rechnet zwar mit Verzögerungen, aber keinesfalls mit einer Änderung des Standpunktes.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Sozialminister deswegen einen Krieg mit der EU anfängt", sagte er. 
Kammer ohne Beschluss
Noch bei der Vollversammlung der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) im Juni war mit einem "Integrationsmodell auf Länderebene" geliebäugelt worden, zu einer Entscheidung innerhalb der Kammer kam es aber nicht.
Nun entschied der Sozialminister: Alle Angehörigen des zahnärztlichen Berufes sollen Pflichtmitglieder einer Bundeszahnärztekammer mit "schlanken und kostengünstigen Strukturen" werden. Diese soll für die Vertragsverhandlungen mit den Trägern der Sozialversicherung zuständig sein. Die Schaffung von Landeszahnärztekammern ist nicht vorgesehen. 
Als wahrscheinlichste Option gilt die Eingliederung in die Dentistenkammer, die die Dr.med.dent und ZMUK mit offenen Armen in ihr prachtvolles Haus am Wiener Kohlmarkt aufnehmen würde. Für die meisten Kollegen könnte das finanziell ein sehr lukrativer Deal werden: Die Kammerumlage der Dentisten beträgt nämlich monatlich nur 100 Euro. Weit weniger, als ein durchschnittlicher Arzt für seine Interessensvertretung derzeit berappen muss. Berechnungen der Dentistenkammer hätten ergeben, dass man mit diesem Beitrag auch nach dem Beitritt der ärztlichen Kollegen das Auslangen finden könnte, bekräftigte der Kammeramtsdirektor der Österreichischen Dentistenkammer Dr. jur. Jörg Krainhöfner im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE. 
Den Ärztekammern würden mit dem Auszug der Zahnärzte rund zehn Prozent ihrer Mitglieder abhanden kommen, die noch dazu zu den besten Beitragszahlern gehören. Um die Wohlfahrtskassen müssen sie jedoch nicht zittern: Die Fonds sollen weiter gemeinsam verwaltet werden. 

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 32/2002

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