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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Fliegender Präsidenten-Wechsel

Seit 12. Dezember steht ein neuer Mann an der Spitze der niederösterreichischen Standesvertretung: der Internist Dr. Lothar Fiedler. Die Vollversammlung gab ein eindeutiges Votum ab. Ohne Gegenstimme - nur die Vertreter des Hausärzteverbandes enthielten sich der Stimme - wurde der Fraktionskollege des bisherigen Präsidenten MR Dr. Gerhard Weintögl als Nachfolger bestätigt.

Der fliegende Wechsel war seit Beginn der Legislaturperiode vor zwei Jahren vorgesehen. Die Entscheidungsfindung innerhalb seiner Fraktion war ausschlaggebend dafür, dass Fiedler jetzt in die präsidialen Fußstapfen tritt. Seine Pläne bis zur nächsten Kammerwahl beinhalten im Wesentlichen eine Fortführung des bisherigen Kurses. 

Hauptanliegen sind die "Förderung des Zusammenhalts der Ärzteschaft" über die Kurien hinweg, die Standesvertretung als "moderne zeitgemäße Kammer" zu betreiben, die "Aufwertung der Turnusärzte", "moderne Praxisformen" zu forcieren und die "Ausbildung als Ärztesache" zu erhalten. Im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE nimmt er zu einigen aktuellen Entwicklungen Stellung.

Erwarten Sie von den neuen Strukturen bzw. den neuen Verantwortlichen im Hauptverband eine Verbesserung der Bedingungen für die ärztliche Tätigkeit, z.B. Förderung von Gruppenpraxen oder Ausbau des niedergelassenen Bereichs?

FIEDLER: Von neuen Verantwortlichen neue Impulse zu erwarten, ist eigentlich Voraussetzung. An für uns ÄrztInnen sinnvolle Veränderungen zu glauben, fällt mir allerdings schwer. In der neuen Geschäftsführung des Hauptverbandes sitzen mir bestens bekannte Strategen, die als Verhandlungspartner auch bisher nur geringen Handlungsspielraum gezeigt haben, etwa bei Einführung neuer Leistungen für die Versicherten oder bei der Entwicklung der Gruppenpraxen. Beispielsweise waren und sind die Einwände der Sozialversicherung bei Gruppenpraxen, keine außervertraglichen Leistungen erbringen zu dürfen und nur einen Vertrag für alle Versicherten zu gewähren, für die Ärzteschaft nicht akzeptabel.

Auch bei der Verlagerung von Leistungen in den niedergelassenen Bereich wäre eine stärkere Unterstützung durch den Hauptverband wünschenswert. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben, da immer mehr Ärztinnen und Ärzte während der Ausbildung im Spital Spezialwissen erwerben und dies in die Praxis zum Wohle der Patienten umsetzen könnten.

Die Chipkarte wurde nun offiziell zur "E-Card" umbenannt. Was erwarten  Sie von diesem über Jahre kontroversiell diskutierten und nun kurz vor der Umsetzung stehenden Krankenscheinersatz?

FIEDLER: Als Ärztekammer fordern wir seit langem die Nutzung der Chipkarte unter dem Arbeitstitel "Medcard". Sie nur als Krankenscheinersatz einzusetzen, wäre eine Vergeudung von Ressourcen. Eine "Medcard" könnte dem Arzt enorme Erleichterungen in der Anamnese bringen, den Patienten - vor allem betagten mit vielen Erkrankungen und Ausweisen - eine echte Hilfe sein und auch im Medikamentenbereich zu großen Einsparungen führen. Wenn die "E-Card" dieser von der niederösterreichischen Ärztekammer mehrfach aufgezeigten Chance gerecht wird, ist das ein Schritt in die richtige Richtung.
Eine gute Voraussetzung dafür bietet der vor etwa zwei Jahren von unserer Ärztekammer generierte NÖ-Gesundheitspass, der nun in nur gering geändertem Layout auch von der Wiener Ärztekammer übernommen wurde. Die dort vermerkten Informationen könnten zum Beispiel auf die "E-Card" übernommen werden. Das Projekt "Gesundheitspass" hat sich jedenfalls ausgezeichnet entwickelt, demnächst wird in NÖ der 150.000-ste ausgegeben.

Seit kurzem ist offiziell bekannt, dass die Zahnärzte eine eigene Kammer gründen wollen. Wie sehen Sie dieses Vorhaben?

FIEDLER: Aufgrund ihrer speziellen Interessen sind die Zahnärzte innerhalb der Kammer schon seit langem eine eher autonome Gruppe. Nun geht es eigentlich um eine Übergangsregelung wegen des Sonderstatus der Dentisten als nicht ärztliche Berufsgruppe. Nach den bisherigen Diskussionen bin ich aber sehr zuversichtlich, dass eine Lösung für den Weiterverbleib der Zahnärzte in der Ärztekammer möglich sein wird

H. Hauser, Ärzte Woche 1/2002

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