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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Exclusiv: Die 46 Qualitäts-Fragen

Pünktlich zum Schulschluss hat die Ärztekammer ihre Hausaufgabe abgeliefert. Diese bestand darin, einen Kriterienkatalog zu entwickeln, nach dem Kassenärzte sich in Zukunft alle fünf Jahre einer Qualitätsprüfung unterziehen müssen. Wird den Standards nicht entsprochen, droht die Kündigung des Kassenvertrages. Das gilt aber - so die Interpretation der Kammer - nur für Vertragsordinationen und Gruppenpraxen, die nach Inkrafttreten der 58. ASVG-Novelle im Sommer des Vorjahres gegründet wurden bzw. ihren Kassenvertrag erhielten. 

Minister entscheidet

Die ÄRZTE WOCHE präsentiert Ihnen exklusiv den ersten Entwurf dieses "Qualitätssicherungs-Evaluierungsbogens". Dieser wurde im Juli zur Stellungnahme an den Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger gesendet. Das letzte Wort hat jedoch der Sozialminister, der die Qualitätskriterien erlassen muss. 
"Unser Grundprinzip war es zu dokumentieren, dass die Standards in den Praxen bereits erfüllt werden und dabei keinen zusätzlichen Mehraufwand für die Ärzte schaffen", sagt Dr. Walter Arnberger, stellvertretender Bundeskurienobmann niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Salzburg.
"Dieser Katalog enthält substantielle Kriterien für die Qualitätssicherung und eine patientenorientierte Medizin", lobt Dr. Hans-Joachim Fuchs, Allgemeinmediziner und Co-Referent für Qualitätssicherung in der Wiener Ärztekammer das Konzept. Für ihn bleibt aber das Problem bestehen, dass der Vertragsentzug als Damoklesschwert über den Ärzten schwebt. Sein Credo, das er mit den meisten Experten auf diesem Gebiet teilt: Qualitätssicherung kann nicht verordnet werden, sondern muss auf dem Prinzip der Freiwilligkeit basieren. Für ihn ist der Gesetzesauftrag auch ein brutaler Eingriff in die Verträge zwischen Ärzten und Sozialversicherung. "Hier wird die Ärztekammer dazu missbraucht, den eigenen Kollegen potenziell zu schaden", kritisiert Fuchs. 

Selbst prüft der Arzt

Um die Ärzte vor unerwünschten Kontrolloren und "Ordinationsschnüfflern" zu schützen, sieht das Konzept der Kammer eine Selbstevaluierung mittels schriftlichen Fragebogens vor. Die Angaben sollen stichprobenartig von den Landesärztekammern überprüft werden. Ob dieser Vorschlag zur Selbstevaluierung jedoch bei Sozialversicherung und Ministerium durchgehen wird, bezweifelt man sogar mancherorts in der Kammer. Denn besonders im Hauptverband hat man bisher immer betont, dass eine Selbstprüfung nicht in Frage komme.
EDV und Dokumentation
Und so sieht der Entwurf des Evaluierungsbogens aus: Gefragt wird nach der Qualifikation der Mitarbeiter, nach dem Leistungsspektrum und der Ordinationsausstattung, nach Kommunikations- und Dokumentationseinrichtungen, nach organisatorischen Qualitätssicherungsmaßnahmen, nach Patientenorientierung und Datenschutz. Bei manchen Fragen wird auf bereits bestehende oder noch auszuarbeitende Grundstandards der Fachgruppen verwiesen. Fortbildungsaktivitäten werden nicht überprüft, da hier - so die Meinung der zuständigen Funktionäre - das Prinzip der Freiwilligkeit erhalten bleiben solle. 
Ja oder Nein
Die Fragen sind mit Ja oder Nein zu beantworten. Jede positive Antwort erhält einen oder auch mehr Punkte, mit denen eine bestimmte Mindesterfordernis erreicht werden muss. Die Auswertung soll durch die Landesärztekammern erfolgen. Sie - so sieht es der Entwurf vor - teilt dem Arzt mit, ob er die Evaluierung erfolgreich bestanden hat. Ist dies nicht der Fall, hat er ein Jahr Zeit, um die notwendigen Maßnahmen zu setzen. Doch wie gesagt - das ist erst der Entwurf. Was Hauptverband und Ministerium dazu sagen, darf mit Spannung erwartet werden. 

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 29/2002

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