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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Betroffene sehen Medizin-Unis als Chance

Der Ministerrat hat kürzlich die Umwandlung der drei medizinischen Fakultäten in Wien, Graz und Innsbruck in eigenständige Universitäten beschlossen. Ausständig ist nur noch eine entsprechende Entscheidung im Nationalrat, die aber so gut wie sicher positiv ausfallen wird. Ab Herbst würden dann die Vorarbeiten für die neuen Medizin-Unis beginnen, u.a. ist es nötig, einen Gründungskonvent einzuberufen. Die Eigenständigkeit soll jedenfalls ab 1. Jänner 2004 Realität werden, damit würde es in Österreich 21 statt der bisher 18 Universitäten geben. 

Budgetfragen offen

"Eine wichtige Frage, für die es noch keine wirkliche Antwort gibt, ist dabei, wie viel Budget für die Umstellung und Implementierung zur Verfügung stehen wird", unterstreicht Prof. Dr. Wolfgang Schütz, Dekan der Wiener medizinischen Fakultät. Wien wäre später die siebengrößte heimische Universität mit über 11.000 Studierenden und mehr als 1.800 MitarbeiterInnen im wissenschaftlichen Bereich. Die Medizin-Unis in Graz und Innsbruck würden hingegen künftig zu den kleinsten universitären Standorten zählen. Genauso wie die anderen Universitäten werden die neuen Medizin-Unis aus der Bundesverwaltung ausgegliedert und zu juristischen "Personen" öffentlichen Rechts. Über einen Zeitraum von je drei Jahren soll es "Globalbudgets" geben, die zu maximal einem Fünftel aus einer leistungsabhängigen Komponente bestehen werden. 

Die Finanzierung ist gesetzlich fixiert, die vereinbarten Leistungen werden gemeinsam überprüft - sollten sie nicht erreicht werden, wird das Budget gekürzt. Noch für einigen Diskussionsstoff sorgen wird sicher, an welchen Kriterien die Leistungen von wem gemessen werden und inwieweit hier überhaupt eine objektive Betrachtung möglich ist. Auch wenn die Dreijahres-Budgets ein langfristiger orientiertes Handeln ermöglichen, stellt sich die Frage, wie dann die neuen gemeinsamen Ziele aussehen werden.

Ende des Aushungerns

Gegenüber den Ländern und auch Spitalsträgern erhoffen sich die neuen Universitäten nun eine völlig veränderte und verstärkte Position bei Budgetverhandlungen. Der Grazer Vizedekan Dr. Gerhard Pendl erhofft sich mit Hilfe der eigenen Budgets eine Abdeckung auch des klinischen Mehraufwandes und neue Vereinbarungen im Spitalsbereich. Pendl erhofft sich ein Ende der "Ära des Aushungerns" von Lehre und Forschung. Aus der Sicht von Schütz ist die eigenständige Situation für die Umsetzung der neuen medizinischen Curricula förderlich. "Die Entscheidungsstrukturen sehen ja jetzt auch anders aus, machen ein stärker autonomes Vorgehen möglich." So könne der Studienverlauf künftig viel stärker auf die Bedürfnisse der Studenten und Studentinnen abgestimmt werden.

"Es wird sich auch eine deutlich höhere Praxisnähe ergeben: Wir können Ferienzeiten wesentlich flexibler gestalten, so können Kleingruppen an Studierenden über das Jahr verteilt werden und Praktikas auch in den Sommerferien laufen." Mit dem frei verfügbaren Budget wäre es darüber hinaus viel leichter möglich, aktuelle Schwerpunkte im Studium, aber auch der wissenschaftlichen Forschung zu setzen. Spannend wird noch die Auswirkung der Mitbestimmung durch die Leitungen der neuen Universitäten: Sie setzt sich aus einem Uni-Rat, dem Senat und dem Rektorat zusammen. Letzteres soll künftig eine kollegiale Führung sein, das Vorschläge für Entwicklungs-, Organisationspläne sowie Leistungsvereinbarungen erarbeitet.

Das Rektorat wird auch für die heikle Aufgabe der Budgetzuteilung zuständig sein. Bei der Umsetzung der Studienpläne kann auch der Senat mitreden, in dem die Professoren die absolute Mehrheit haben. Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter fordern hier ein höheres Ausmaß an Mitbestimmung.

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