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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Ärztekammer startet Wahl-Info

"Der Ausgang der Wahl kann Ihre Gesundheit gefährden", meint die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) und will in einer Informationskampagne das Bewusstsein ihrer Patienten schulen. "Unsere Wahlempfehlung ist, die gesundheitspolitischen Ziele der Parteien und ihrer Spitzenkandidaten genau zu prüfen", betonte ÖÄK-Präsident Dr. Otto Pjeta bei einer Pressekonferenz. Dazu müssten jedoch alle Parteien Farbe bekennen und klar darlegen, wie sie das Gesundheitswesen in Zukunft finanzieren wollen.
Bisher sei es immer nur ums Sparen gegangen, ohne dass damit eine nachhaltige Sicherung der Finanzierung erreicht werden konnte, kritisierte Pjeta. Die Kassen der Krankenkassen seien nach wie vor leer, für neue Leistungen oder Organisationsformen, wie z.B. die Gruppenpraxen, gebe es kein Geld. "Die Patienten spüren das bereits", sagte der Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, Dr. Jörg Pruckner.

Kammer fordert mehr Geld

Aus Sicht der Standesvertretung sei klar, dass es ohne zusätzliche Geldmittel nicht gelingen werde, das Niveau der medizinischen Versorgung zu halten, geschweige denn auszuweiten. Pjeta sprach sich daher für eine Erhöhung der Kassenbeiträge um durchschnittlich 1,50 Euro im Monat für Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus. Damit könne man einige Zeit das Auslangen finden, meinte auch Pruckner. Zusätzlich wolle man durch innovative Formen der Zusammenarbeit, wie beispielsweise den Arznei- Dialog, Mittel umleiten, um neue Leistungen finanzieren zu können.
Als dilettantisch bezeichnete Pruckner hingegen den Vorschlag, Apotheker sollten nach freiem Ermessen verschriebene Medikamente durch wirkungsgleiche Nachfolgepräparate (Generika) ersetzen. Dies würde besonders bei chronisch Kranken oder älteren Menschen zu höchster Verunsicherung führen, da sich ständig das Aussehen der Tablette und der Name ändere. Ein neuerliches Chaos sei vorprogrammiert. "Wir warnen alle, in das heikle Verhältnis zwischen Arzt und Patient einzugreifen", sagte Pruckner. "Sie wissen nicht, was sie tun."

Stopp den Motivationskillern

Die Obfrau der Bundeskurie angestellte Ärzte, Dr. Gabriele Kogelbauer, forderte eine Versachlichung der Diskussion. So sei zuerst zu definieren, welche Leistungen aus medizinischen Gründen im Spital und welche ambulant zu erfolgen hätten. Erst dann könne man sich über die Verbesserung der wohnortnahen Versorgung den Kopf zerbrechen. "Man muss auch bedenken, dass es hier wesentliche regionale Unterschiede gibt", sagte Kogelbauer.
Sie forderte weiters eine Beseitigung der zahlreichen Motivationshemmer, mit denen Ärzte in der Ausbildung, bei den Arbeitszeiten, der Qualitätssicherung und in vielen anderen Bereichen konfrontiert seien. DDr. Hannes Westermayer, Bundesobmann der Zahnärztekurie, urgierte einen Stopp der bürokratischen Belastungen, denen Ärzte zunehmend ausgesetzt seien.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 36/2002

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