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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Arbeitszeiten speziell für Ärztinnen

Am 6. April fand unter dem Motto "Ärztinnen zwischen Karriere und Familie" der von der Vereinigung Österreichischer Ärzte, Landesgruppe Wien, organisierte 4. Ärztinnen-Tag statt. Organisationsleiterin Dr. Melitta Bohn-Rieder, Allgemeinmedizinerin und Referentin für Nichtkassenärzte der Ärztekammer für Wien, meinte einleitend: "Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist es, zusätzliche Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Frauen ihren hochausgebildeten Beruf, der ja auch in der Entstehung - unter anderem die Gesellschaft - viel kostet, de facto nachkommen können."

Während der Babypause nicht den Anschluss verlieren 

Ein zentrales Anliegen von Bohn-Rieder ist, dass Ärztinnen während der "Babypause" zumindest einen Fuß in der Tür behalten können: "In der Medizin gibt es alle fünf Jahre eine Wissensverdoppelung. Wer mehr als fünf Jahre nicht medizinisch tätig war, kann eigentlich wieder von vorne anfangen. Da fehlt es dann tatsächlich am notwendigen Wissen, um wieder einzusteigen."

Möglichkeiten, als Ärztin keinen Full-time-Job machen zu müssen, sind unter anderem die Eröffnung einer eigenen Praxis im Nichtkassen-Bereich, die Zusammenarbeit mit mehreren Nichtkassen-KollegInnen im Rahmen eines Praxisnetzwerkes oder einer Netzwerkpraxis. Laut Bohn-Rieder mangelt es häufig am Mut zu unkonventionellen Lösungen: "Ich versuche seit Monaten vergeblich, Kolleginnen zur Zusammenarbeit im Nichtkassenbereich zu finden. Viele haben anscheinend Angst, ohne Kassenvertrag nicht den gewünschten wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. Ich glaube aber, dass man mit einem gewissen Anteil an Flexibilität und Erfindungsreichtum durchaus Chancen und Möglichkeiten hat. Vielleicht müssen wir noch bessere Rahmenbedingungen schaffen, damit sich mehr Frauen trauen."

Bohn-Rieder möchte das Wort "Teilzeitarbeit" lieber durch den Begriff "Lebensabschnittsgerechte Arbeitszeit" ersetzen. Als positive Errungenschaften auf diesem Weg erwähnte sie den Anspruch auf Kindergeld für niedergelassene Ärztinnen seit 1. Jänner 2002 sowie die Legalisierung von Dauervertretungen.
Ein derzeit noch nicht befriedigend gelöstes Thema schnitt DDr. Andrea Fleischmann von der Wiener Gebietskrankenkasse an: "Im Rahmen der Vorbereitung auf diesen Ärztinnen-Tag ist immer wieder ein Anliegen an uns herangetragen worden, nämlich die Teilung von Kassenverträgen. Wir haben in mühevoller Arbeit nun endlich im Gesamtvertrag eine Regelung geschaffen, die nach langem hin und her auch vom Hauptverband genehmigt worden wäre - allerdings mit einer Auflage, die ich derzeit angesichts der Finanzkrise durchaus für berechtigt halte: Bei geteilten Verträgen ist eine Deckelung der Einkommen vorgesehen."

Einen entsprechenden Vertragsabschluss hat die Wiener Ärztekammer aber verweigert. Sie akzeptiert eine Deckelung aus grundsätzlichen Überlegungen nicht. "Das ist einerseits zwar verständlich, fällt aber andererseits wiederum in erster Linie auf die Frauen zurück", so Fleischmann. "Dies bedrückt mich um so mehr, als bei anderen Berufsgruppen, zum Beispiel Physiotherapeuten, die Teilung von Verträgen unter dieser Voraussetzung kein Problem ist. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Verhandlungspartner dort hauptsächlich Frauen sind, was mit dem 95-Prozent-Frauenanteil dieser Berufsgruppe zu tun hat."

Argumente für Ablehnung

Prim. MR Dr. Walter Dorner argumentierte den ablehnenden Standpunkt der Wiener Ärztekammer so: "Diese Deckelung ist eine rein wirtschaftspolitische Rationalisierungsmaßnahme. Eine Zustimmung unter dem Deckmantel der Frauenförderung lasse ich nicht zu. Das ist eine rein politische Sache, die in die Entwicklung und Struktur spezifischer Beschäftigungsfelder hineingeht." Fleischmann hofft, dass das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen ist: "Das ist zumindest ein Punkt, den wir uns noch einmal überlegen sollten." 

Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche 16/2002

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