zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 4. September 2006

471 Akut-Geriatriebetten mehr

Einen kräftigen Ausbau der Akut-Geriatriebetten für die Spitäler, das ist ein Schwerpunkt der Wiener Krankenhauspolitik für die nächsten drei Jahre. 471 solcher Betten plant der Entwurf des Wiener Krankenanstaltsplan (WKAP) 2003 ein. Der gilt für alle Spitäler des Krankenanstaltenverbundes. 
Wirklich große Sprünge sieht der Plan ansonsten nicht vor, was aber, so DI Dr Hannes Schmidl, als Bereichsleiter mitverantwortlich für diesen Entwurf, in der Natur der Sache liegt. Der WKAP kann sich nur im Rahmen des gesamtösterreichischen Planes bewegen, vor allem was die Finanzen betrifft.
Einige Umschichtungen lassen aber doch den gestalterischen Willen der Wiener Gesundheitspolitik erkennen. 
Die Akut-Geriatrie - international ein neuer Trend - soll für chronisch kranke ältere Patienten einen längeren Aufenthalt im Spital ermöglichen, nämlich bis zu 28 Tagen, mit dem Ziel, eine deutliche Stabilisierung herbeizuführen. Sie ist also nicht so sehr auf eine Wiederherstellung aus, ist aber auch keine Vorbereitung auf das Pflegeheim, sondern eine "Rehabilitation für das Alltagsleben". Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es an den 14 geplanten Standorten eine fächerübergreifende Betreuung und insbesondere entsprechend ausgebildetes und geneigtes medizinisches Personal.

FA für Geriatrie ein Wunsch

Der Facharzt für Geriatrie, den es in anderen Ländern schon gibt, wird von den Planern als wünschenswert angesehen. Nach dem jahrelangen Hin und Her über die Errichtung eines Ordinariats für Geriatrie ist eine Entscheidung aber wohl erst nach der Eigenständigkeit der medizinischen Universität zu erwarten.
Eine bessere Versorgung von Apallikern ist ein weiterer Schwerpunkt des neuen WKAP. Die Versorgungskette von Intensiv-Station über neurologische Abteilung, Frührehabilitation, Langzeitpflege und schließlich Entlassung nach Hause soll verbessert werden.
Der Plan sieht vor, dass das neurologische Zentrum des Otto Wagner-Spitals und das Krankenhaus Rosenhügel (für Kinder und Jugendliche) als Clearingstationen dienen und als Zentren für Frührehabilitation.
Die Langzeitpflege soll vor allem die neurologische Abteilung des Geriatriezentrums am Wienerwald übernehmen. 

97 Palliativ-Betten

Ebenfalls einer besseren Betreuung vor allem älterer Patienten soll der Ausbau der Palliativmedizin dienen. Derzeit gibt es in Wien ganze drei entsprechende Einrichtungen und die auch erst seit Jahresbeginn. Der Entwurf des neuen Krankenanstaltplanes sieht die Errichtung von insgesamt 97 palliativmedizinisch betreuten Betten an 9 Standorten vor. Das muss aber, so die Planer, wachsen: "Denn gerade diese Disziplin erfordert viel Erfahrung, wir haben bisher aber sehr gute Erfolge."
Weitergehen soll es auch mit der Dezentralisierung der Psychiatrie. Ziel ist es letztlich, dass jedes Schwerpunktspital auch eine psychiatrische Abteilung bekommt, "damit die Psychiatrie endgültig nicht mehr als ausgegrenzte Disziplin, sondern als ganz normales Fach gesehen wird", so Schmidl.
Nachdem sich der Wiener Plan in den Grenzen des österreichischen bewegt, stellt sich natürlich die Frage, woher das Geld für die Schwerpunktsetzungen kommen soll. Mit anderen Worten: Wo wird eingespart, wo fallen Mittel weg?
Insgesamt sind weniger Betten geplant: für das Jahr 2000 waren 11.689 Betten systemisiert, das heißt erlaubt. In der neuen Planung sind 11.436 Betten vorgesehen, also ein kleiner Rückgang, der aber möglich scheint, weil tatsächlich im Jahr 2000 nur 11.210 Betten betrieben wurden.

Sparen bei Kinderabteilungen

Die speziellen Sparbereiche sind die chirurgischen Fächer und vor allem die Kinderabteilungen. Bei Letzteren gibt es aus Gründen des medizinischen Fortschrittes einfach weniger Bedarf. So war das Preyersche Kinderspital zuletzt zu 40% ausgelastet, insgesamt sind die Kinderbetten zu 60 % belegt gewesen.
Das Preyersche Kinderspital wird daher über kurz oder lang mit dem Kaiser-Franz-Josef-Spital zusammengelegt werden. Das orthopädische Spital Gersthof soll in Zukunft ins Otto-Wagner-Spital verlegt werden. "Es stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, Spitäler mit nur einem Fach zu betreiben", so Schmidl.
Weiter geht auch der Trend zu Einrichtungen, die alle Fächer abdecken. Das Krankenhaus Lainz inklusive dem Pflegeheim mit dem Neurologischen Krankenhaus am Rosenhügel wird zum Sozialmedizinischen Zentrum Hietzing werden, so Schmidl.
Und schließlich wird sich Wien auch in Verhandlung mit den umliegenden Bundesländern begeben. So soll ein zweiter Linearbeschleuniger, der für das SMZ Ost vorgesehen ist, von Niederösterreich mitfinanziert werden. 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben