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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Warnsignale am Ärztehimmel - Teil 1

Mehr als 700 niedergelassene Ärzte, genau 726, haben sich an der großen Ärztebefragung der ÄRZTE WOCHE im Sommer dieses Jahres beteiligt. Ein erfreuliches Ergebnis, das unsere Intentionen bestätigt. Wie sehen die niedergelassenen Ärzte - unsere Leserinnen und Leser - die Gegenwart, was erwarten sie von der Zukunft? In dieser Ausgabe bringen wird die Ergebnisse der ersten 8 von insgesamt 18 Fragen.

Verliert der "Traumberuf" Arzt seinen Nimbus, seinen hohen Stellenwert in der Riege der freien Berufe? Faktum ist: der "Freiheit der Heilkunst" werden immer mehr Grenzen gesetzt. Ökonomische Verschreibweise, Qualitätskontrolle oder restriktive Honorarpolitik der Krankenkassen greifen Platz im Praxisalltag. Dennoch zeigen zumindest die Hälfte der Befragungsteilnehmer Widerstandskraft gegen diese Bedingungen und lassen sich ihre Zufriedenheit mit dem gewählten Beruf nicht verderben (Frage 1). "Sehr zufrieden" sind allerdings nur 5,92%, "zufrieden" immerhin 44,35%, "gar nicht zufrieden" 8,31%.

Bedenklich erscheint in diesem Zusammenhang jedoch der Trend über die letzten fünf Jahre (Frage 2). Die Veränderungen des beruflichen Umfeldes zeigen in der Einschätzung über diesen Zeitraum einen starken Abwärtstrend: 64,60% sehen eine "Verschlechterung", nur 7,49% haben Verbesserungen erfahren. Hält dieser Trend an, wofür einiges spricht, dann wird sich die Zahl der Zufriedenen in den nächsten fünf Jahren noch einmal deutlich verringern. Und für junge, an einer Niederlassung interessierte Ärzte sind diese Ergebnisse sicher keine Ermunterung.

Hätten bereits etablierte Ordinationsbetreiber diese Entscheidung abermals zu treffen, würden 7 bis 8 von 10 wieder Ja zum Arztberuf sagen (Frage 3). Somit hält sich die Enttäuschung in Grenzen, was die Ergebnisse der Frage 5 verständlich machen. Die an den Beruf gestellten Erwartungen haben sich für 17,08% zu 100 Prozent und für immerhin 44,49% zu 75 Prozent erfüllt (Frage 4).

Interessantes Detail dieser beiden Fragen: das Festhalten am gewählten Beruf bejahten Allgemeinmediziner und Fachärzte in gleicher Zahl. Deutliche Unterschiede zeigt hingegen die Erfüllung der Erwartungen. Bei den Allgemeinmedizinern haben sich "nur" 12,3% für 100 Prozent entschieden, bei den Fachärzten sind es mit 23,14% fast doppelt so viele. Zu hinterfragen bleibt natürlich auch, ob die einstige Berufsmotivation angesichts der Veränderungen heute noch halten würde.

Die Betreuung oft schwer kranker Patienten fordert von den Ärzten ständige (Selbst-)Motivation, die wiederum stark von der Freude an der täglichen Arbeit abhängt. Noch können sich kranke Menschen in Österreich glücklich schätzen, denn 33,88% der Ärzte haben "sehr viel Freude" an ihrer Tätigkeit und 41,87% "eher mehr Freude" (Frage 5). Dies erscheint beachtlich, denn "Beeinträchtigungen" werden doch in hohem Maß beklagt (Frage 6a). An erster Stelle "immer mehr Bürokratie", was grundsätzlich nicht überrascht, sehr wohl aber die Höhe des ausgewiesenen Prozentsatzes. Dabei dürfte es nicht so sehr um eine gleich beleibende bürokratische Last gehen, sondern vielmehr um die Zunahme der administrativen Erfordernisse. "Dass es für mehr Leistung immer weniger Lohn gibt", nehmen bereits 70% der Befragten wahr. Ergänzt man dieses Ergebnis mit der Einschätzung der Beeinträchtigungen in der Zukunft (Frage 6b), dann müsste das Befindlichkeitsbarometer vieler Ärzte in den kommenden Jahren noch deutlich sinken. Der Pessimismus behält hier ganz deutlich die Oberhand, satte 83,06% gehen heute davon aus, dass die Beeinträchtigungen "eher zunehmen" werden.

Zu denken geben sollte so manchen Verantwortlichen in den diversen Institutionen des Gesundheitswesens vor allem die von 39,26% angegebene "Einschränkung der Therapiefreiheit". Dieses Manko lässt direkte Auswirkungen auf die Patientenversorgung keineswegs ausschließen.

Zurück zum "Traumberuf", dessen Nimbus unter anderem in der gesellschaftlichen Wertschätzung gründet. Knapp die Hälfte (47,38%) gibt an, dass diese "in den letzten Jahren abgenommen" hat. Diese Einschätzung korreliert nicht unbedingt mit den jährlich veröffentlichten Hitlisten der Berufe, sie zeichnet aber in der Zusammenschau mit anderen Ergebnissen der Befragung ein Bild, in dem einige bedenkliche Entwicklungen als empfindliche Störfaktoren und Warnsignale zu werten sind.

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