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Gesundheitspolitik 4. September 2006

Wer bekommt jetzt eine Kassenstelle in Salzburg?

Auch in Salzburg werden sich manche Kandidaten für eine Kassenstelle erst an die neuen Reihungskriterien gewöhnen müssen. Die zuständigen Institutionen sind allerdings bemüht, Härten zu verhindern.

Seit 1. Oktober sind im Bundesland Salzburg die neuen Reihungskriterien in Kraft. Wie bei derartigen Umstellungen zu erwarten, gab es bereits Streitigkeiten im Zuge einer Nachfolge. "Auch wenn in diesem konkreten Fall mit den neuen Kriterien der von uns vorgesehene Arzt zum Zug kam, muss das nicht immer so sein", erklärt Walter Arnberger, Vorsitzender der Kurie der niedergelassenen Ärzte der Ärztekammer Salzburg, den akuten Handlungsbedarf.

Akzeptabler Kompromiss

Erarbeitet wurden die neuen Richtlinien von einer paritätisch besetzten Kommission und rasch ein für alle betroffenen Ärzte akzeptabler Kompromiss erzielt, resümiert der Kammervertreter. Die neuen Richtlinien gelten für Allgemeinmediziner und Fachärzte, ausgenommen sind die Zahnärzte.

Wahlärzte aufgewertet

In den neuen Salzburger Richtlinien wird unter anderen der örtliche Bezug (siehe Seite 1) nur mehr als zusätzliches Kriterium einbezogen. Leicht erhöht wurde im Gegenzug die Bewertung einer Wahlarzttätigkeit vor Ort. "Es gibt keine zusätzlichen Punkte mehr für die Vertretungstätigkeit beim Vorgänger; dies reduziert seinen Einfluss auf die Auswahl des Nachfolgers", erklärt der Kurienvorsitzende. Nötig wird daher aus seiner Sicht eine weitblickende Planung der Praxisübergabe. Es bestünde die Gefahr, dass so der Anreiz, möglichst früh in Pension zu gehen, wie das beim Nachfolgemodell vorgesehen ist, zunichte gemacht wird.
Auf Transparenz wird Wert gelegt. Eine öffentlich geführte Liste für BewerberInnen soll künftig auf der Web-Site der Ärztekammer zu finden sein. Die Eintragung in diese Liste, die Pluspunkte bei der Reihung bringt, erfolgt nicht automatisch, sondern muss von den Ärzten selbst durchgeführt werden. "Bereits vorhandene Bewerbungen werden allerdings berücksichtigt, verlieren jedoch an Gewicht bei der Reihung", erklärt Arnberger.

Streichung aus der Liste

Gleichzeitig erfolgt auch eine Streichung von Ärzten aus der Liste, wenn über einen längeren Zeitraum keine Bewerbung erfolgt. Arnberger: "So sollen alle, die wirklich Interesse an einer Praxisübernahme haben, einen aktuellen Überblick ihrer Chancen bzw. den zeitlichen Horizont haben. Der Vorgänger kann auch prüfen, inwieweit ein von ihm bevorzugter Nachfolger realistische Chancen hat."
Wie lange das Datum der Promotion zurückliegt, wird nicht mehr berücksichtigt. Stärker als bisher bewertet wird neben der tatsächlichen Dauer der ärztlichen Tätigkeit die persönliche Fortbildung nach dem Turnus im Rahmen des Diplom-Fortbildungs-Programmes oder von Zusatzausbildungen. Wichtig dabei ist, auf die Einreichung der entsprechenden Unterlagen nicht zu vergessen.
"Wir haben uns bemüht, Härten zu verhindern", ergänzt Arnberger. "Die Verordnung für die Reihungsrichtlinien lässt aber kaum Spielraum." Eine Aufgabe der Kammer sei, für BewerberInnen eine realistische Zukunftsplanung zu ermöglichen. Der immer geringere Einfluss des Inhabers der Kassenstelle auf die Auswahl eines Nachfolgers habe dazu geführt, dass sich manche vertraglich zu einer Praxisübernahme und entsprechenden Zahlungen verpflichten mussten, ohne sicher sein zu können, dass sie auch tatsächlich zum Zug kommen. Arnberger will sich diesbezüglich um eine gemeinsame Regelung bemühen.
Die Ärztekammer strebt für die neuen Richtlinien auch eine Vereinbarung mit der Gebietskrankenkasse an. Arnberger: "Unter Umständen kann dies aber trotz erfolgreicher Verhandlungen vor Ort scheitern, wenn der Hauptverband seine Unterschrift verweigert."

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