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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Warnung vor zentralistischem "Kassen-Moloch"

Wenn vom Sparen im Gesundheitswesen die Rede ist, kommt immer wieder der Vorschlag, Krankenkassen zusammenzulegen. Die simple Annahme: je größer eine Organisation, desto billiger. Eine Untersuchung der Gebietskrankenkasse in OÖ (OÖGKK) zeigt nun, wo die "kritische Masse" bei Krankenversicherungsträgern liegt.

Die Annahme, durch Fusionen könnte grenzenlos Rationalisierungspotenzial lukriert werden, erweist sich in der Wirtschaft immer wieder als falsch - oft mit fatalen Folgen für die betroffenen Unternehmen. Denn ab einer gewissen Grenze beginnen Kräfte zu wirken, die Einsparungspotenziale zunichte machen. Das neue Gebilde braucht vor allem immer mehr Aufwand für die innere Koordination, Entscheidungen fallen weit weg von den Betroffenen - ein "Moloch" entsteht.

Verwaltungsaufwand pro Kopf

Eine Analyse der OÖGKK hat die Verwaltungskosten der Gebietskrankenkassen in Bezug zu ihrer Größe gesetzt und einen eindeutigen Zusammenhang gezeigt: Bis zu einer gewissen Größe sinkt der Verwaltungsaufwand, der pro betreuter Person nötig ist. Ab dieser Größe steigt er wieder. Konkret: Die Burgenländische Gebietskrankenkasse hat bei etwas mehr als 177.000 betreuten Personen heuer einen Bruttoverwaltungsaufwand von 66,10 Euro pro Kopf, in Kärnten (rund 400.000 betreute Personen) liegt der Pro-Kopf-Aufwand bei 61,89 Euro, in Tirol (502.000 betreute Personen) bei 60,03 Euro.

Im Optimalbereich

Im optimalen Bereich liegen die Gebietskrankenkassen der Steiermark, Nieder- und Oberösterreichs, die zwischen 838.000 und 1,1 Millionen Personen zu betreuen haben und dafür einen Pro-Kopf-Verwaltungsaufwand von 57,30 (Stmk.), 58,70 (OÖ) beziehungsweise 59,25 Euro (NÖ) brauchen. Diese Kurve mit der Fachbezeichnung "polynomische Trendlinie" steigt dann wieder bis zum maximalen Wert bei der Wiener GKK, die knapp 1,4 Millionen Menschen betreut und pro Kopf einen Brutto-Verwaltungsaufwand von 72,81 Euro aufweist.
Selbst die "teureren" Gebietskrankenkassen sind aber immer noch bei weitem effizienter als die bundesweiten Krankenversicherungsträger. Aus Gründen der Vergleichbarkeit wurde der Netto-Verwaltungsaufwand der Krankenversicherungsträger gegenüber gestellt. Das Ergebnis: Während die Gebietskrankenkassen hier mit einem Durchschnittswert von 37,66 Euro auskommen, benötigen die SVA der gewerblichen Wirtschaft sowie die Beamten-Krankenversicherung fast 60 Euro je betreute Person, die Bauern-Krankenkasse gar 68,69 Euro. Ein Teil der erhöhten Verwaltungskosten bei diesen Versicherungen ist mit dem enormen Aufwand für die Einhebung ihrer Selbstbehalte zu erklären. Auch bei der OÖGKK müsste ein Versand- und Mahnwesen für über eine Million Menschen aufgebaut werden, wenn es zur Einhebung von generellen Selbstbehalten kommt. Dieser Darstellung hat die SVB (Sozialversicherung der Bauern) bereits in einer Aussendung widersprochen. Sie weist den Vergleich zwischen den Verwaltungskosten der Gebietskrankenkassen und der bundesweit tätigen Krankenversicherungsträger als unseriös und irreführend zurück. Begründung: Dabei würden die völlig unterschiedlichen Voraussetzungen der Krankenkassen der Selbstständigen nicht berücksichtigt.

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