zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 31. August 2006

Standespolitik für Ärzte und Patienten

Ein klares Bekenntnis zur Freiberuflichkeit der Ärzte legte der neue Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Reiner Brettenthaler, bei der Antritts-Pressekonferenz in Wien ab. Die Vizepräsidenten werden sich insbesondere um den Spitalsbereich und die Ärzteausbildung kümmern.

"Wir erwarten nicht, dass Gesundheitspolitik für Ärzte gemacht wird", so Brettenthaler. "Dazu sind wir selbst in der Lage. Sie soll aber keinesfalls ohne, sondern mit den Ärzten gemacht werden." Die Gesundheitspolitik würde immer stärker von supranationalen Entwicklungen und Trends aus der EU bestimmt, der globale Zeitgeist gehe in Richtung Kostenbewusstsein und Eigenverantwortung, betonte Brettenthaler.
Zur Stärkung der Einigkeit des Standes will der Allgemeinmediziner zwischen den immer stärker divergierenden Interessen der niedergelassenen und der angestellten Ärzte vermitteln und eine "Reintegration" schaffen. Die von ihm vehement angestrebte Einführung des Facharztes für Allgemeinmedizin erfordere flankierende Maßnahmen, um den Beruf gegenüber anderen medizinischen Spezialfächern attraktiv genug zu halten, betonte er. Für die Zahnärzte sollten Bedingungen geschaffen werden, die ihnen den Verbleib in der ÖÄK ermöglichen könnten.
Um die Ausbildung zu verbessern, tritt Brettenthaler für die "Reanimation" der Lehrpraxen ein. Dieses Modell zur praktischen Ausbildung in der Ordination eines niedergelassenen Arztes ist in den letzten Jahren finanziell ausgehungert und somit fast zu Grabe getragen worden. "Es ist eine Schande, dass wir für so eine wichtige Institution kein Geld zur Verfügung haben", betonte er.

Arbeitszeitgesetz und Überleben kleiner Spitäler

Im Spitalsbereich liegen seine Prioritäten beim "nach wie vor ungelösten Arbeitszeitproblem". Hier müssten intelligente Lösungen erarbeitet werden, die auch das Überleben kleinerer Spitäler im Interesse der Patienten ermöglichen sollten. Auch auf europäischer Ebene gebe es derzeit einen diesbezüglichen Diskussionsprozess, da die EU-Arbeitszeitrichtlinien in vielen Ländern nicht umsetzbar seien.
Brettenthaler sprach sich auch für eine überregionale Krankenhausplanung aus: "Das soll aber nicht bedeuten, dass die kleinen Krankenhäuser überflüssig werden." Doch sei es sicher nicht sinnvoll, dass jedes Spital die gesamte Medizin anbiete.
Die Diskussion um das Gesundheitswesen nur unter dem Kostenaspekt zu führen, bezeichnete Brettenthaler als "zynisch und kurzsichtig" und einen "gefährlichen Trugschluss". Denn eine Investition in das Gesundheitswesen sei kein verlorener Zuschuss, sondern vielmehr eine Investition in die Wohlfahrt, in die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger und nicht zuletzt auch in eine große ökonomische Zukunftshoffnung. "Gesundheit ist ein zentraler Wachstumsfaktor von großer beschäftigungspolitischer, sozialer und humaner Bedeutung", ist der neue Präsident überzeugt.

Die Präsidentenmacher

Der Führungswechsel an der Spitze war denkbar, aber keinesfalls unbedingt zu erwarten. Die Besetzung der Vize-Funktionen hat dabei mit eine Rolle gespielt. Zum ersten Vizepräsidenten wurde der mächtige Wiener Kammerpräsident MR Prim. Dr. Walter Dorner gewählt, der lange selbst mit einer Kandidatur spekuliert und dann zu Gunsten Brettenthalers darauf verzichtet hatte. Zweiter Vizepräsident wurde der Kärntner Kammerpräsident Dr. Othmar Haas. Auch ihn hatte man innerhalb des Ärzteverbandes als möglichen Kandidaten für das höchste Amt in der ÖÄK ins Auge gefasst. Es wurde dann, so bestätigt der Obmann des Ärzteverbandes und Tiroler Präsident Dr. Artur Wechselberger, dem erfahreneren Brettenthaler der Vorzug gegeben. Beim derzeitigen Stand der Dinge hätte Haas jedoch gute Karten, in vier Jahren den Präsidentensessel zu erklimmen. Dritter Vizepräsident wurde der Psychiater Dr. Dietmar Bayer, der bei der Wahl in der Steiermark Präsident Routil entmachtet hatte.

Pjeta trat nicht mehr an

Dr. Otto Pjeta, der nun vier Jahre lang Präsident der ÖÄK gewesen war, überließ kampflos seinen Sessel. Er gab am Vorabend der Wahl - für Außenstehende doch etwas unerwartet - bekannt, nicht mehr zu kandidieren. Vieles deutet darauf hin, dass die Mächtigen der Kammer eine Kampfabstimmung um jeden Preis verhindern wollten.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 26/2003

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben