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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Selbstbehalt: "Ungeordnete Diskussion"

Die Einbindung von Experten bei der Planung einer Alternative zur Ambulanzgebühr fordert die Ärztekammer. Sollte als "Ersatzlösung" ein genereller Selbstbehalt kommen, seien noch "detaillierte Diskussionen über ein tragfähiges Modells" erforderlich, betonte Ärztekammerpräsident Otto Pjeta am Donnerstag in einer Aussendung. 20 Prozent wären dafür jedenfalls zu hoch gegriffen. Dass die Ambulanzgebühr in ihrer aktuellen Form nicht mehr tragbar sei, stehe fest: "Sie ist gesundheitspolitisch gesehen derzeit bereits tot."

Betroffene einbeziehen

So sei es beispielsweise unabdingbar notwendig, bei einer tatsächlichen Neuformulierung des bisherigen Selbstbehaltsmodells gemeinsam mit jenen vorzugehen, die die Regelung direkt und indirekt betreffe, und nicht vom grünen Tisch aus zu planen, mahnte der Ärztechef.
"Dies ist eine Lehre aus der verunglückten Ambulanzgebühr: dass sie schlecht konzipiert wurde, weil man sich nicht mit jenen Experten zusammengesetzt hat, die über praktische Erfahrung in dem Bereich verfügen", kritisierte Pjeta. Sollte nun verstärkt über einen generellen Selbstbehalt nachgedacht werden, sei es daher sinnvoll und zwingend, von vornherein auch jene einzubinden, die sich jeden Tag mit der Materie befassen. "Sonst entstehen schlecht konzipierte Reißbrettmodelle wie die verunglückte Ambulanzgebühr, die von vornherein zum Scheitern verurteilt war", warnte Pjeta. "Die Kritiker der Ambulanzgebühr haben leider Recht: In ihrer jetzigen Form kann man sie nicht mehr aufrecht erhalten."

Anreize schaffen

Unter anderem müsse das Modell eines generellen Selbstbehalts dringend mit einem Anreiz für Patienten verbunden werden, sonst werde es möglicherweise an Unverständnis und Vorbehalten der Betroffenen scheitern. "Ein wichtiger Anreiz wäre in diesem Zusammenhang die Reduktion des Selbstbehalts, wenn jemand regelmäßig seine Gesundenuntersuchungen wahrnimmt", schlug Pjeta vor. "Jeder weiß, dass ein gesundheitsbewusstes Verhalten bekanntermaßen zur Entlastung der Sozialsysteme beiträgt. Dies wäre auch zu honorieren."

20 Prozent sind zu viel 

Auch sei ein genereller Selbstbehalt von 20 Prozent aus Sicht der Ärzte zu hoch. Es bestünde dadurch die Gefahr, dass soziale Lasten nicht mehr abgefedert werden könnten. "Wenn man einen generellen Selbstbehalt einführt, dann muss er niedriger sein. Es muss eine zusätzliche jährliche Obergrenze und die Befreiung sozial Bedürftiger geben", forderte Pjeta. Die Ambulanz- und Krankenscheingebühr seien bei einem solchen Modell selbstverständlich gänzlich abzuschaffen, da sonst der Gedanke der Harmonisierung unterlaufen werde.
Bisher sei die Diskussion über die mögliche Einführung eines generellen Selbstbehalts sehr ungeordnet verlaufen, kritisierte der Ärztechef. Pjeta: "Jeder versteht etwas anderes darunter. Und was manche darunter verstehen, ist nicht unbedingt sinnvoll." Die Ärzte hätten den Eindruck, dass ein politischer Wille bestehe, einen generellen 20-prozentigen Selbstbehalt - etwa nach dem Modell der gewerblichen Wirtschaft, das auch die Spitalsambulanz in den Selbstbehalt einschließe - der bestehenden Systematik aufzusetzen.

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