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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Hausärzte werden keinen Selbstbehalt einheben

Wie angekündigt, haben die heimischen Gesundheitspolitiker nun Selbstbehalte verordnet. Deshalb bestärkt der Österreichische Hausärzteverband (ÖHV) abermals seinen Standpunkt und lehnt den Vorschlag von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, wonach die Ärzte selbst künftig von den Patienten den Selbstbehalt einkassieren sollen, strikt ab.
Das Hauptargument des Verbandes: Eine derartige Regelung widerspricht klar der auch von Österreich unterzeichneten Deklaration der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese besagt, dass "die hausärztliche Versorgung auf allgemeinmedizinischer Grundlage möglichst unverzüglich und leicht zugänglich" sein muss, "wobei die Zugänglichkeit nicht durch geografische, kulturelle, administrative oder finanzielle Barrieren begrenzt werden darf".
"Wenn ein Patient nicht mehr zum Arzt gehen kann, weil er kein bzw. nicht genügend Geld bei sich hat, ist dies eine unzulässige Barriere für die medizinische Versorgung", stellt der Wiener ÖHV-Präsident, Dr. Peter Hosiner, fest. Völlig undurchführbar sei diese Regelung bei Notfällen. "Wir können ja einem Ohnmächtigen nicht einfach die Euros aus dem Taschl ziehen", ärgert sich Hosiner.
Als vor einigen Jahren auf Spitalsebene eine ähnliche Regelung eingeführt wurde, gab es daher eine Ausnahme für Notfälle. Dies hatte den Effekt, dass die "Notfälle" in den Krankenhäusern drastisch zunahmen und Selbstbehalte mittlerweile nicht mehr direkt im Spital zu bezahlen sind.
Der jüngste Vorstoß der Gesundheitsministerin hätte damit zur Folge, dass die Patienten zwar beim Hausarzt, nicht aber im Spital Bares auf den Tisch legen müssten. Dies wäre, meint der ÖHV, absolut kontraproduktiv: Denn damit werden die Patienten zur wesentlich teureren Spitalsbehandlung umdirigiert, und die seit Jahren allerorts proklamierte Aufwertung der niedergelassenen Ärzte ist weiterhin nur ein Lippenbekenntnis. Unabhängig davon sei es für die Hausärzte gar nicht möglich, einen Selbstbehalt einzufordern, wenn dieser sozial gestaffelt und mit einer jährlichen Deckelung versehen ist. Denn der Arzt kann nicht wissen, wie viel an Selbstbehalten der jeweilige Patient im laufenden Jahr bereits bezahlt hat und ob bzw. wie viel daher an Selbstbehalt einzufordern wäre. Die Hausärzte sehen sich überdies außer Stande, die Administration, Rechnungs- und Mahnwesen für eine Unzahl von Sozialversicherungen zu übernehmen. Dies würde weniger Zeit für die Patienten bedeuten und damit zu deren Lasten gehen.

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