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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Schwere Zeiten für Belegärzte

Vor allem in den 50er-Jahren hat sich in Österreich das System der Belegärzte an der Nahtstelle zwischen ambulanter und stationärer Betreuung gebildet. Jetzt gefährden Sparmaßnahmen der Privatversicherungen dieses gut eingespielte Procedere.

Belegärzte müssen neben der Betreuung ihrer Patienten in Privatspitälern auch Rufbereitschaft und Vertretung selbst organisieren. So ist z.B. in Salzburg die Hälfte aller niedergelassenen Fachärzte in Belegspitälern tätig. "Die deutliche Reduktion der Honorare des Versicherungsverbandes, die unverständlich und unbegründbar ist, stellt die Zukunft des gesamten Belegarztwesens in Österreich in Frage", analysiert Prim. Dr. Anton Heiser, Vertreter der Belegärzte in der Ärztekammer für Salzburg. Gleichzeitig würden der administrative und bürokratische Aufwand sowie der damit verbundene Arbeitsaufwand für den Arzt immer höher. Nicht nur durch den verstärkten Zwang zur Dokumentation sind auch die Kosten für die Spitalsträger gestiegen.

Keine tagesklinischen Eingriffe

Ein weiterer Faktor, der die Zukunft des Belegarztsystems aus Heisers Sicht in Gefahr bringt, ist "die Entscheidung sowohl der Sozialversicherungen als auch der privaten Krankenversicherung, tagesklinische Operationen völlig abzuschaffen". Weiters sollen bei Risikopatienten weder endoskopische noch kleinere chirurgische Eingriffe möglich sein. "So ist es dazu gekommen, dass Belegärzte die Behandlung verschiedener Patientengruppen ablehnen", berichtet Heiser.

Probleme mit Visitenzeiten

Aber auch in anderer Hinsicht haben sich die Arbeitsbedingungen für Belegärzte verschlechtert bzw. ist der Arbeitsdruck deutlich gestiegen. Die derzeitige Politik der Versicherungen zielt auf eine möglichst kurze Verweildauer der Patienten im Spital ab. "Manche Belegärzte sind nicht mehr in der Lage, die von den Spitälern geforderten Visitzeiten einzuhalten", sagt Heiser. Durch den hohen Auslastungsgrad stünden akut oft nur am Wochenende Belegbetten zur Verfügung.
Der zunehmende Aufwand für die berühmt berüchtigte Zettelwirtschaft stellt eine weitere Belastung dar. Alles Faktoren, die zu einem bereits spürbaren Rückgang der Zahl von Belegärzten beitragen. Und das, "obwohl Belegärzte durch ihre meist jahrzehntelange Erfahrung eine hohe Kompetenz mitbringen und im Vergleich zu öffentlichen Abteilungen kostengünstiger arbeiten", kritisiert Heiser.
Für Heiser stellt sich derzeit die Frage, "ob jungen Kollegen von einer belegärztlichen Tätigkeit abgeraten werden soll". Noch sagt er dazu "Nein", hofft aber, "dass die Privatversicherungen, die die Belegspitäler durch laufende Reduktionen an den Rand ihrer Existenz gebracht haben, zur Besinnung kommen". Denn momentan könnten sich Belegspitäler keine kontinuierlichen Investitionen mehr leisten, Reparaturen größerer Geräte wären in vielen Fällen ein Problem, ganz zu schweigen von der Anschaffung neuer Geräte, z.B. für Ultraschall.

Patientenbetreuung leidet

Heiser meint, dass eine Kostenminimierung durch eine Reduktion des Pflegepersonals theoretisch möglich wäre: "Die gerade von Versicherungsseite verstärkt eingeforderte Hotelkomponente inklusive Freundlichkeit des Personals, persönliche Zuwendung und größtmögliches Eingehen auf alle Patientenwünsche wird aber künftig kaum noch realisierbar sein." Die Entgelte des Versicherungsverbandes sollen - so vermitteln es hartnäckige Gerüchte - weiter herabgesetzt werden. Bei den Spitals- und Ärztehonoraren wären diese nicht einmal ausreichend, den Lebenserhaltungsindex abzugelten. Heiser befürchtet sogar ein "Sterben der Privatspitäler", wenn die gegenwärtige Politik fortgesetzt wird. Damit würde in der Gesundheitsversorgung ein wichtiges Angebot wegfallen.

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