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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Für die Pflege zu Hause wird zu wenig getan

Der IV. Pflegekongress mit anschließender Gesundheitsmesse "Pflege & Gesundheit" findet am 26. und 27. April im Casino Baden bei Wien statt und steht unter dem Motto Gerontologische Pflege. Im Vorfeld präsentierten die Organisatoren die Ziele der Veranstaltung.
Die professionelle, nichtpolitische ÖGVP (Österreichische Gesellschaft für vaskuläre Pflege) wurde vor fünf Jahren gegründet, um die Zusammenarbeit zur Förderung der Pflege in Österreich, speziell auf vaskulärem Gebiet, zu verbessern. DGKP Norbert Fortner, Präsident der ÖGVP: "Wir suchen nationale und internationale Kontakte, um die Zusammenarbeit diverser Vereinigungen mit ähnlichen Zielen zu bündeln. Hierzu eignen sich ganz besonders die Pflegekongresse und die anschließend publizierten Bücher über die dabei diskutierten Themen." Ganz besonders wichtig ist für Fortner die Möglichkeit der Fachleute, mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen und mit vielen Betroffenen direkt zu kommunizieren.

Sparen statt Strukturwandel

Kooperierende Organisationen für den IV. Pflegekongress sind der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegerverband (ÖGKV) und die Abteilung Pflegeforschung, Wien. Christine Ecker, Präsidentin des ÖGKV, hob ebenfalls die immense Bedeutung derartiger Kongresse hervor: "Sie dienen zur Information der PflegerInnen über Neuigkeiten aus der Branche. Darüber hinaus wird die breite Öffentlichkeit auf die Sorgen, Chancen und Probleme der heimischen Pflegeberufe aufmerksam gemacht."
Laut Ecker verschlechtert sich die Situation der österreichischen PflegerInnen zunehmend, ohne dass die Politik sachlich und konstruktiv eingreift. Dabei wird dieser Berufszweig aufgrund des steigenden Altersdurchschnitts in Zukunft zunehmend gefordert werden. Laut Studien wird es bereits im Jahr 2011 rund 800.000 pflegebedürftige Menschen in häuslicher Umgebung geben. "Es ist daher dringend notwendig, anstehende Strukturreformen schnellstens in Angriff zu nehmen. Stattdessen wird im klinischen Bereich in erster Linie bei der Gruppe der Pflegepersonen gespart, was sich natürlich verheerend auf die Qualität auswirkt", beklagte Ecker. "Es genügt nicht, mehr Hilfskräfte einzustellen und zu glauben, damit den Pflegebedarf abdecken zu können. Die billigste Lösung ist nicht die beste! Und jeder von uns sollte sich die berechtigte Frage stellen: Von wem will ich gepflegt werden?"
In dieselbe Kerbe schlug Doz. Dr. Elisabeth Seidl, Präsidentin der Abteilung Pflegeforschung Wien und Leiterin dieser Abteilung am Rudolfinerhaus. Sie kritisierte, dass in Österreich, als "krankenhausbegeistertes" Land, zu wenig in Richtung häusliche Pflege unternommen werde. Die Gesundheitsmesse in Baden möchte Seidl daher auch dazu nützen, das Studium der Pflegewissenschaft populärer zu machen. Dieses wird zurzeit nur mit Hilfe von Drittmitteln finanziert.
Die Veranstalter hoffen auf einen regen Besuch, zumal der Eintritt der Messe im prächtigen Casino Baden an beiden Tagen frei ist und sich viele Beiträge auch an Laien wenden werden.

Links:
www.oegvp.at
www.pflegewissenschaft.ac.at
www.oegkv.at

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 13/2003

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