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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Patienten stehen zum Hausarzt

Niederösterreichs niedergelassene Ärzte stellen klare Forderungen an die Gesundheitspolitik. Sie wollen endlich die gesetzlichen Voraussetzungen für die Anstellung von Ärzten bei Ärzten, sie wollen kompatible EDV-Systeme in den Spitälern für den elektronischen Austausch von Befunden und sie wollen die E-Card als Gesundheitskarte und nicht nur als Versicherungsausweis.

Rückendeckung von Patienten

Diese "Wunschliste" an die zuständigen Politiker präsentierten vergangene Woche Dr. Lothar Fiedler, Präsident der Ärztekammer für NÖ, Dr. Anton Hengst, Allgemeinmediziner in Haag und Kurienobmann der Niedergelassenen für NÖ, und Dr. Richard Hochmiller, Dermatologe in Krems und Kurienobmann Stellvertreter, bei einer Pressekonferenz. Rückendeckung für diese brennenden Anliegen gibt den Standesvertretern eine im Auftrag der Ärztekammer vom Meinungsforschungsinstitut OGM durchgeführte Patientenumfrage. Insgesamt 500 Personen gaben ihre Meinung zum Stellenwert der niedergelassenen Praktischen Ärzte und Fachärzte preis. 

"Die Zahl der niedergelassenen Ärzte in Niederösterreich hat in den letzten 10 Jahren um mehr als 65 Prozent zugenommen, was eine deutliche Verbesserung in der Struktur der medizinischen Versorgung darstellt", erklärte Fiedler. Wenngleich die politischen Bestrebungen und Aussagen durchaus verstärkt in Richtung "extramural statt intramural" gehen, sei es den politisch Verantwortlichen bis heute dennoch nicht gelungen, entsprechende Strukturen zu schaffen.

"Seit Jahren fordert die Ärzteschaft die Möglichkeit der Anstellung von Ärzten bei Ärzten. Dies würde es uns ermöglichen, unsere Ordinationen noch länger und dadurch noch patientenfreundlicher offen zu halten, während der Woche die Ordinationszeiten auszuweiten und verstärkt Hausbesuche zu absolvieren, während ein zweiter Arzt in der Ordination die Patienten versorgt", begründete Fiedler diese Forderung. Auf diesem Weg könne die Bevölkerung ein breiteres, zeitgemäßes medizinisches Leistungsangebot nutzen. Außerdem sei es - trotz gesetzlicher Grundlagen - den Krankenkassen bis heute nicht gelungen, entsprechende Verträge für Gruppenpraxen bereitzustellen, die ebenfalls ein effektiveres medizinisches Arbeiten ermöglichten.

Kurienobmann Hengst sieht in der Verlagerung der medizinischen Leistungen aus dem Spital hin in den niedergelassenen Bereich nicht nur eine gesundheitspolitische und wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern vor allem auch einen Schritt, der dem Wunsch der Bevölkerung Rechnung trägt. "Die OGM-Umfrage hat deutlich zum Ausdruck gebracht, dass eine Versorgung durch die niedergelassenen Ärzte ein vordringliches gesundheitliches Anliegen der Menschen ist. Der oftmalige Versuch aus diversen politischen Lagern, den niedergelassenen Bereich abzuwerten und mehr Menschen in die Spitäler zu schicken, erscheint also nicht nur aus Sicht der Ärzte, sondern auch der Betroffenen kontraproduktiv."

Ineffiziente EDV in Spitälern

Mehr als 80 Prozent der niedergelassenen Ärzte Niederösterreichs verfügen bereits über eine EDV-Ausstattung und können so Befunde bzw. medizinische Daten mit den Fachärzten rasch und unbürokratisch austauschen. Hingegen gibt es in der EDV-Landschaft der niederösterreichischen Spitäler keine einheitlichen Systeme, und eine Kommunikation mit den niedergelassenen Ärzten erfolgt auf sehr ineffiziente Weise. "Ich fordere daher die verantwortlichen Politiker, speziell den NÖGUS und sämtliche niederösterreichischen Krankenanstalten auf, umgehend EDV-Systeme anzuschaffen, die untereinander kompatibel sind und die auch eine Kommunikation mit den niedergelassenen Ärzten ermöglichen", so Hengst.

Die uneffiziente und unprofessionelle Vorgangsweise des Hauptverbandes in Hinblick auf die E-Card kritisierte Hochmiller: "Wir Ärzte fordern die Einführung der E-Card, allerdings als medizinische Gesundheitskarte mit Patientendaten. Jede andere Form wäre eine katastrophale wirtschaftliche Fehlinvestition und eine Bankrotterklärung der Verantwortlichen."

97 Prozent haben Hausarzt

Die repräsentative OGM-Umfrage brachte für die Ärzte sehr erfreuliche Ergebnisse. Die überragende Mehrheit von 95% der Bevölkerung ist der Meinung, dass die Rolle des Praktischen Arztes im Gesundheitswesen sehr wichtig sei. 86% meinen, dass ihr Hausarzt ebenso wichtig sei und gebraucht wird wie früher und dass ihn Spitäler bzw. Ambulanzen in keinem Fall ersetzen können. Besonders erfreut sind die Auftraggeber darüber, dass nach wie vor 97% der Bevölkerung angeben, einen "Hausarzt" zu haben, und im Durchschnitt 14 Jahre lang bei diesem Arzt in Behandlung sind. Wolfgang Bachmayer, Chef von OGM, sieht als Ergebnis der Umfrage ein klares "JA" der Bevölkerung zu den niedergelassenen Praktischen Ärzten und Fachärzten als Schaltstelle und Drehscheibe sowie erster Ansprechpartner im Gesundheitswesen.

Um die Anliegen der niedergelassenen Ärzte in NÖ entsprechend zu transportieren, startet die Ärztekammer ab sofort eine umfangreiche Informationskampagne unter dem Slogan "Zuerst zu Deinem Arzt". Radiospots, Inserate, Ordinationsplakate und bis zu 500.000 Patientenfolder werden in den nächsten Monaten die Öffentlichkeit zum Mitdenken anregen. 

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