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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Neue Wege der Qualitätssicherung

Seit der Novelle zum Bundes-Krankenanstaltengesetz 1993 ist Qualitätssicherung (QS) ein Muss für alle Spitäler. Die Umsetzung in den einzelnen Ländern erfolgt jedoch sehr unterschiedlich, betonte die Internistin Dr. Brigitte Ettl vom Referat für Qualitätssicherung in der Ärztekammer für Wien bei der Jahrestagung für Innere Medizin vergangene Woche in Graz. Denn es sei letztlich Aufgabe der Ländergesetze, die Krankenanstaltenträger zur Umsetzung von QS-Maßnahmen auf den Ebenen von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität zu verpflichten.

Von dieser Regelung sind öffentliche wie auch private Spitäler gleichermaßen betroffen. Jede bettenführende Krankenanstalt hat eine Qualitätssicherungs-Kommission einzusetzen, der zumindest ein Vertreter des ärztlichen und des Pflegedienstes sowie des medizinisch-technischen und des Verwaltungsdienstes anzugehören hat.

Wichtiger Wettbewerbsfaktor

Ettls Eindruck ist, dass die Privatspitäler bei der Etablierung von QS-Maßnahmen schon weiter seien als andere Häuser. "Für Belegspitäler stellt das einen wichtigen Wettbewerbsfaktor dar", erklärt Ettl. "Ein Problem der privaten Häuser bei der Qualitätssicherung ist jedoch, dass ihre Ärzte nicht angestellt sind", betont sie. Belegärzte könnten nur viel schwerer in ein QS-System eingebunden werden.
Generell kämen vor allem die Instrumente der Mitarbeiter- und Patientenbefragungen und die Arbeit in Qualitätszirkeln zum Einsatz. Akkreditierungsfähige Gesamtkonzepte stecken derzeit jedoch noch in den Kinderschuhen, meint Ettl.

Skepsis gegenüber Leitlinien

Auch bei der Entwicklung medizinischer Standards und Leitlinien bemerkt sie eine gewisse Zurückhaltung in Österreich. "Die Fachgruppen haben hier schon sehr viel geleistet und vorgegeben. Aber es fehlt eine systematische Zusammenfassung und qualitative Überprüfung dieser Standards", sagt Ettl. Es sei nur mehr eine Frage der Zeit, bis die Einhaltung von medizinischen Leit- bzw. Richtlinien auch gesetzlich vorgeschrieben und sanktionierbar sein würden. Die Skepsis mancher Kollegen hält sie für unbegründet, denn gut gemachte Standards würden einen "breiten Pfad vorgeben, der Spielraum lässt", betonte sie.
Auch die Privatversicherungen zeigen großes Interesse an der Qualitätssicherung in der Sonderklasse. Dr. Wolfgang Munda, Chefarzt der Generali-Versicherung, präsentiert dazu ein nicht ganz alltägliches Projekt zwischen der Wiener Ärztekammer, den Privatversicherungen und der versicherungsmedizinisch tätigen Ärzteschaft: das Ethische Qualitätsgremium (EQG).

Probleme der Vertrauensärzte

Ausgangspunkt war das Unbehagen mancher Kollegen, die ihre ärztliche Kompetenz den Privatversicherungen als Vertrauensärzte zur Verfügung stellen, schildert Munda. Nicht selten seien sie mit der Situation konfrontiert, dass bei der Aufarbeitung der Krankengeschichte ein "medizinisch stringentes Handeln" nicht erkennbar sei. "Meist gelingt es, durch ein persönliches Gespräch Klarheit über die individuelle Behandlungsstrategie zu schaffen", betont Dr. Robert Kurz, Vertrauensarzt der Generali-Versicherung und ebenfalls Mitglied im EQG. In seltenen Fällen lasse jedoch auch ein eindringliches Nachforschen Unklarheiten im ärztlichen Vorgehen offen.
"Die Kenntnis mancher Patientenschicksale ist ohne Übertreibung sehr belastend", sagt Kurz. Die Versicherungen würden sich auch weigern, für "diskussionswürdige medizinische Leistungen" die Kosten zu tragen. Aus dieser Situation heraus wurde das Ethische Qualitätsgremium geboren. Zielsetzung war es, so betont Munda, "ein diskretes, interkollegiales Gesprächsforum unter der Oberhoheit der Ärztekammer zu schaffen", um "Problemfälle" zu behandeln.
Trotz einiger Widerstände in der Anfangsphase tagt das Gremium nun seit Oktober 2001 und hat bereits einige interkollegiale Gespräche zwischen behandelnden Ärzten und den zuständigen Fachgruppenleuten initiiert.
Zumeist konnten dabei Übereinstimmungen erzielt werden. "Wir glauben, dass durch das EQG ein subtiles Instrument zur Sicherung der ärztlichen Behandlungsqualität geschaffen werden konnte", zeigte sich Munda überzeugt.

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