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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Neues Angebot für therapieresistente Patienten

Als Kompetenzzentrum auch für den niedergelassenen Bereich versteht sich die neue Einrichtung in Oberösterreich. Zielgruppen der Abteilung sind unter anderem chronische Schmerzpatienten mit Fibromyalgie, postoperativen chronischen Schmerzzuständen, Erwachsene mit Essstörungen, auch Adipositas, mit somatoformen und dissoziativen Störungen oder Neurasthenie.

Eine wichtige Indikation für die Überweisung an die neue Station ist, dass unterschiedliche therapeutische Ansätze, wie etwa die Überweisung zur Physiotherapie, keinen Erfolg gebracht haben. "Wir haben Platz für 25 stationäre Patienten und eine Tagesklinik für 15 Patienten", berichtet Abteilungsleiterin Prim. Dr. Helga Mezgolich.
Die Abteilung an der Landesnervenklinik ist aus ihrer Sicht ein Lernfeld, in dem Patienten einen neuen Zugang und Umgang mit der Krankheit erfahren können. Die Aufnahme erfolgt nach einem ambulanten Vorgespräch, in das auch die Angehörigen eingebunden werden können.
An die Abteilung kommen Patienten mit langjährigen Anamnesen. "Es geht um eine Stärkung der Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit, die Eröffnung neuer Lebensperspektiven, eine Weichenstellung für einen neuen Umgang mit sich selbst", so Mezgolich. Zum Beispiel können sich Patienten nach dem Aufenthalt, der in der Regel sechs Wochen dauert, eine psychotherapeutische Begleitung vorstellen, was vorher oft undenkbar war. Durch den Aufenthalt soll die
Lebensqualität nachhaltig - vor allem durch eigenes Handeln - verbessert und, wenn nötig, die Reintegration in soziale Netzwerke unterstützt werden.
Der ganzheitliche Ansatz an der Abteilung zeigt sich auch in der intensiven interdisziplinären Kooperation. In die Station eingebunden sind andere Gesundheitsberufe wie Psychotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeiter, Ergo-, Musik-, Sport- und Physiotherapeuten.
Eingesetzt wird ein ganzheitliches Behandlungskonzept, das sich durch Methodenvielfalt und starke Patientenorientierung auszeichnet. Ein wichtiger Ausgangspunkt für die individuelle Diagnostik und Therapie ist daher auch die Selbstbeurteilung der Patienten.

Hausärzte gefragte Partner

Bei der ambulanten Nachbetreuung wird eng mit Einrichtungen und Personen im extramuralen Bereich zusammengearbeitet, also diversen Beratungsstellen und Therapeuten. Mezgolich: "Auch Hausärzte sind für uns wichtige Partner."
Ein zentrales Ziel sei außerdem, den Ansatz des psychosomatischen Denkens und Handelns in jede Fachrichtung, also auch in den niedergelassenen Bereich einzubringen. Um das Konzept verständlich zu machen, sind Fortbildungsveranstaltungen für Spitals- und niedergelassene Ärzte geplant.
Für Mezgolich geht es auch
darum, "den ärztlichen Blick zu weiten und die Komplexität des Menschen stärker zu sehen". Der Blick hinter das präsentierte Symptom sei wichtig, um die Aufmerksamkeit für psychosomatische, psychosoziale und spirituelle Aspekte zu wecken. Hier sieht die neue Abteilungschefin eine Stärke der Hausärzte, da sie das Umfeld ihrer Patienten gut kennen und mit berücksichtigen können: "Der psychosomatische Ansatz ist so auch in der Realität der Drei-Minuten-Medizin umsetzbar." Erst eine langfristige, ganzheitliche Begleitung ermögliche anhaltende Erfolge.
Die neue Abteilung steht für Anfragen niedergelassener Ärzte jederzeit zur Verfügung, gerade wenn bei Behandlungen keinerlei Fortschritte sichtbar sind.

Kontakt: Abteilung für Psychosomatik,
Landes-Nervenklinik Wagner Jauregg,
Wagner-Jauregg Weg 15, 4020 Linz,
Tel. 0732/6921-29400 oder -29406

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