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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Männer in der Krise suchen immer öfter Hilfe

Männer in Österreich leben statistisch gesehen sieben Jahre kürzer als Frauen. Bei den meisten Krankheiten sind sie am häufigsten betroffen: Herz-Kreislauf-Beschwerden, Krebs, Adipositas und Diabetes, Probleme im Bereich des Bewegungsapparates, psychische Erkrankungen... Selbst bei Depressionen, die bislang stark weiblich "dominiert" schienen, zeigen aktuelle Studien, dass Männer zumindest im gleichen Ausmaß betroffen sind, aber viel weniger darüber reden.
Männern wird nachgesagt, sie hätten es sehr schwer zuzugeben, dass sie krank seien oder psychische Probleme hätten. Stress am Arbeitsplatz oder im Beziehungsleben? - Darüber spricht "mann" doch nicht! "Mann" hat keine Probleme und selbst wenn, kann er sie problemlos ohne jede Unterstützung von außen in den Griff bekommen.

Umdenken findet statt

Viele Männer denken aber um und wollen etwas verändern. Sie sind unzufrieden geworden mit der traditionellen Männerrolle, den überlegenen, harten und erfolgsorientierten Mann zu spielen, der sich primär mit der Arbeit identifiziert, wenig Gefühle zeigt und keine Unterstützung annimmt.
"Ein Ziel der Männerberatung ist es, ein neues Selbstverständnis und Rollenbewusstsein von Männern zu fördern. Persönliche und beziehungsmäßige Krisen können für Männer eine einmalige Chance für Veränderung sein", betont ihr Leiter, der Psychotherapeut und Psychologe Mag. Dr. Eduard Waidhofer.

Verständnis und Unterstützung

"Wir versuchen, Männern in psychischen Krisensituationen Verständnis entgegenzubringen, psychologische Unterstützung zu geben und mit ihnen gemeinsam Lösungswege für die anstehenden Probleme zu finden", erklärt der Facharzt für Psychiatrie und Neurologie Dr. Josef Hüpf, Mitarbeiter des Familientherapiezentrums und der Männerberatung. Neben Einzelberatung und Psychotherapie können Männer auch Telefon- und E-Mail-Beratung in Anspruch nehmen.
Seit 1997 kamen 1.290 Männer in die Beratungsstelle und erhielten fast 6.000 Beratungen/Therapien. Allein 2002 suchten 255 Männer die Beratungsstelle auf. 63 Prozent der Männer kamen aus eigener Initiative - hauptsächlich wegen Beziehungskrisen (19,5 Prozent) und Problemen mit Trennung, Scheidung und Besuchsrecht (18 Prozent). Unsicherheiten in der männlichen Rolle (11 Prozent), physische Gewaltausübung (10 Prozent) und soziale Krisen (7 Prozent) waren weitere Motive, die Männerberatung aufzusuchen.
Aber auch Selbstwertprobleme, Eltern-Kind-Konflikte, sexueller Missbrauch, Ablösungsprobleme, Fragen zur Sexualität sowie Stress und Erschöpfung aufgrund der beruflichen Situation spielten eine Rolle.
Ein wesentliches Ziel der Männerberatung besteht in der Beendigung von physischer und sexueller Gewalt von Männern. 1999 wurde ein spezielles Täterbehandlungsprogramm ausgearbeitet, das sich an erprobten internationalen Modellen orientiert. Die Arbeit mit gewalttätigen und sexuell missbrauchenden Männern dient der Prävention und somit dem Opferschutz. Weitere Gewalttaten sollen verhindert werden.
Im Sommer 2000 wurde die Informationsstelle für Männer eröffnet. Sie dient als Anlaufstelle für alle - gerade auch für Ärzte -, die Fragen und Anliegen zum Thema Männer haben. Bewusstseinsbildung in Männerfragen und Kooperation mit anderen Einrichtungen im Bereich Männerbildung und Gewaltprävention gehören ebenfalls zu ihren Aufgabengebieten. So wurde unter anderem die Broschüre Männeratlas mit den Mitveranstaltern der Männertagung herausgegeben, die inzwischen unter www.maenneratlas.at auch online zu finden ist.
Angeboten werden auch Selbsterfahrungsgruppen für Männer. Im Frühjahr 2001 startete das Pilotprojekt "Geschlechtssensible Buben- und Burschenarbeit in Schulen". Seither wird dieses inzwischen mehrfach prämierte Konzept in vielen Schulen Oberösterreichs umgesetzt. In Gruppen haben Buben die Möglichkeit, ihre Geschlechtsrolle und ihr Verhalten zu reflektieren und alternative Konfliktlösungsstrategien zu erlernen.

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