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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Kammerwahl Tirol: Primarii und Zahnärzte wollen mehr Mitsprache

Mit der Zahl der wahlberechtigten Ärztinnen und Ärzte, die von 3.000 auf 3.259 gewachsen ist, stieg seit der letzten Ärztekammerwahl auch die Zahl der Mandate, und zwar von 48 auf 51. Sechs Listen bewerben sich für die Wahl am 8. März. Neu dabei ist die Tiroler Primarärzte-Liste, nicht mehr kandidieren wird in Tirol der Hausärzteverband. Bei den Zahnärzten treten anstelle der Einheitsliste zwei Gruppen, die "Liste der Tiroler Zahnärzte" und die Liste "Unabhängige Zahnärzte Tirols", an. Die aktuelle Mandatsverteilung in Innsbruck: Der "Verein unabhängiger Tiroler Ärzte" mit Kammerpräsident Artur Wechselberger hat mit 25 Mandaten die absolute Mehrheit. Die "Aktionsgemeinschaft Tiroler Ärzte" hält acht Mandate, ebenso die "Klinik- und Spitalsärzteliste", die 1999 zum ersten Mal kandidierte. Die Zahnärzte sind mit sieben Sitzen vertreten.

Jutta Berger,
Redaktionsbüro Vorarlberg

Kurie der niedergelassenen Ärzte

Sektion Allgemeinmedizin

Verein unabhängiger Tiroler Ärzte

Dr. Artur Wechselberger, Arzt für Allgemeinmedizin in Innsbruck, amtierender Ärztekammer-Präsident.

Um die Ärztekammer mit unserem bewährten Team weiter engagiert und erfolgreich führen zu können, möchten wir bei dieser Wahl wieder deutlich stärkste Kraft werden. Wir wollen die Arbeits- und Lebensqualität aller Ärztinnen und Ärzte erhalten oder erhöhen.
Zu einer sicheren Zukunft für die niedergelassenen Ärzte gehören leistungsgerechte Honorare der Sozialversicherungen, eine neue Dynamik in der ambulanten Medizin und Arbeitsmöglichkeiten in einem fairen Wahlarztsystem bei gesicherten Rückerstattungstarifen. Verschiedene Zusammenarbeitsformen, wie Gruppenpraxen, sollen institutionalisiert, die Praxisübergabe an junge Kollegen soll für beide Seiten gerecht geregelt werden. Ein Rückbau der Bürokratie ist notwendig, die Qualitätssicherung muss sinnvoll und zumutbar sein. Die Umsetzung der Vergaberichtlinien zur Vergabe von Kassenverträgen ist einer unserer Programmschwerpunkte.

Aktionsgemeinschaft der Tiroler Ärzte

Dr. Werner Knoflach, Arzt für Allgemeinmedizin in Innsbruck

Als Wahlarzt und Komplementärmediziner sind mir die Probleme der stark wachsenden Gruppe der Wahlärzte ein großes Anliegen. Was wir brauchen, ist ein aktives Wahlärztereferat, das für Transparenz und Information sorgt. Die neuen Kassenvergaberichtlinien müssen offen und unter besonderer Berücksichtigung der Wahlärzte diskutiert werden. Kassenverträge für Gruppenpraxen wären auch in Tirol längst an der Zeit. Verhandlungen mit Privatversicherungen sollen künftig direkt geführt werden. Insgesamt wünschen wir uns mehr Kreativität bei Kassenverhandlungen. Keinesfalls darf künftig den Ärzten das Inkasso der Chipkarte aufgelastet werden.
Legalisiert werden sollte aus unserer Sicht die Anstellung von Ärzten durch Ärzte, hier besteht noch rechtsfreier Raum. Für Ärzte und Patienten sinnvoll wäre eine
schärfere Abgrenzung der Kammer von nichtärztlichen Gesundheitsberufen.

Kurie der niedergelassenen Ärzte

Sektion Fachärzte

Verein unabhängiger Tiroler Ärzte

MR Dr. Erna Jaschke, Dermatologin in Kufstein (Listenzweite in Vertretung von Listenführer Dr. Klaus Ebner, Facharzt für Radiologie in Telfs)

Die Forderungen der niedergelassenen FachärztInnen decken sich in weiten Teilen mit denen der niedergelassen ÄrztInnen für Allgemeinmedizin (leistungsgerechte Honorare der Sozialversicherungen, faires Wahlarztsystem, Qualitätssicherung). Um eine ausreichende medizinischen Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, sollte die Honorierung von Leistungen bei überwiesenen Patienten limitfrei und leistungsgerecht sein.
Wir sind die Liste mit den meisten Frauen und haben gerade für die Ärztinnen in den letzten Jahren sehr viel erreicht, wie das Teilzeitausbildungsmodell (Elternmodell) und den ausreichenden Wochenschutz im Wohlfahrtsfonds der Ärztekammer für Tirol. Im Sinne der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehen wir in der Verwirklichung neuer Zusammenarbeitsformen von ÄrztInnen (Gruppenpraxis, Übergangspraxis, Anstellung von Ärzten bei Ärzten) eine große Chance für die Zukunft.

Aktionsgemeinschaft der Tiroler Ärzte

Dr. Ludwig Spötl, Facharzt für Dermatologie in Hall

Auch für die Sektion Fachärzte gilt wie für die Allgemeinmedizin: Wir brauchen ein Wahlärztereferat, das aktive Standes- und Informationspolitik betreibt. Egal ob Kassenvertragsarzt oder Wahlarzt, der wirtschaftliche Druck wird immer stärker, der freie Wettbewerb untereinander und mit anderen Berufsgruppen immer härter.
Um Patienten auf dem immer unübersichtlicher werdenden Gesundheitsmarkt besser zu informieren, soll die Ärztekammer eine kreative Öffentlichkeitsarbeit leisten, um uns Ärzte deutlicher von nichtärztlichen Anbietern abzugrenzen.
Für die Belegärzte an privaten Krankenanstalten fordern wir direkte Verhandlungen mit den Privatversicherungen. Es kann nicht länger akzeptiert werden, dass die Häuser die Honorare der Ärzte aushandeln. Auch Gruppenpraxen sollen künftig Kassenverträge bekommen, lautet eine unserer Forderungen an die neu zu wählende Standesvertretung.

Kurie der angestellten Ärzte

Sektion Ärzte mit ius practicandi

Unabhängige Tiroler Spitalsärzte

Dr. Klaus Keller, Facharzt für Chirurgie, Krankenhaus Zams

Die Arbeits- und Lebensqualität der angestellten Fachärzte soll durch leistungsgerechte Bezahlung und administrative Entlastung verbessert werden. Wesentliche Voraussetzung dafür ist der faire Interessenausgleich durch Stärkung des Mittelbaus und Sicherung der Arbeitsplätze. Die Bevormundung durch die Spitalsverwaltungen soll künftig nach Kräften verhindert werden.
Die Ausbildungsrotation in der Ausbildung zum praktischen Arzt soll verbessert werden. Ausreichend Stellen für die Ausbildung von Additivfächern an der Klinik in Innsbruck müssen geschaffen werden, damit Wartezeiten, die vor allem Ärzte aus kleineren Krankenhäusern betreffen, reduziert werden können. Zur grundsätzlichen Verbesserung der Ausbildungsqualität sollte die Umsetzung des Turnusärzte-Tätigkeitsprofils in allen Krankenanstalten verpflichtend werden.

Aktionsgemeinschaft der Tiroler Ärzte

Dr. Christoph Harpf, Facharzt für Plastische Chirurgie, Universitätsklinik Innsbruck

Fachärzte brauchen ein angemessenes Grundgehalt, das zeigt sich jetzt drastisch durch die neue Arbeitszeitregelung, die auch weniger Journaldienste vorsieht. Ein grundlegendes Ziel der Standesvertretung ist die Erlangung der Kollektivvertragsfähigkeit für die Kurie der angestellten Ärzte. Sie soll nicht länger nur der Gewerkschaft vorbehalten sein. Durch die Reform des Universitätsgesetzes wurde der Mittelbau stark zurückgedrängt. Das Hochschulreferat muss nun gestärkt werden. Das neue Dienstrecht sieht für den Mittelbau nur noch befristete Verträge vor, wir lehnen diese Kettenverträge für die neuen Uni-Assistenten ab. Die Anstellung von Ärzten durch Ärzte soll durch einen Kollektivvertrag eine entsprechende arbeitsrechtliche Basis erhalten. Bei den neuen Kassenvergaberichtlinien müssen, so eines unserer Ziele, angestellte Ärzte ein Mitspracherecht bekommen.

Klinik- und Spitalsärzteliste

(Interessensvertretung der angestellten Ärzte Tirols; Luef, Joannidis, Edlinger, Luger) Dr. Gerhard Luef, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Univ.-Klinik Innsbruck

Unsere Liste ist eine unabhängige Interessensvertretung der angestellten Ärzte Tirols. Sie setzt sich aus Ärzten der Landeskrankenhäuser und der Universitätsklinik zusammen und kandidiert im Gegensatz zu den anderen Gruppierungen nur in der Kurie der angestellten Ärzte, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Wir wollen die Konflikte zwischen Bundes- und Landes-Ärzten überbrücken und mit der jeweils anderen Gruppe solidarisch gegenüber dem Krankenhausträger auftreten.
Die Möglichkeiten der Mitbestimmung der angestellten Ärzte in den Gremien wurde durch die Ausgliederung der medizinischen Fakultät aus der Universität Innsbruck und die Implementierung des UOG 2002 wesentlich eingeschränkt. Nun müssen Spitalsärzte stärker in die Standesvertretung eingebunden werden. Wir hoffen, dass sich alle Kliniken und Institute beteiligen, denn nur durch eine breite Basis können wir etwas bewegen.

Tiroler Primarärzte-Liste

Prim. Dr. Burghard Abendstein, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe; Facharzt für Chirurgie, Krankenhaus Hall

Wir haben diese neue Liste gegründet, weil wir Primarärzte eine stärkere Vertretung brauchen. Schließlich betreffen die Beschlüsse, die in der Kammer und im Spitalsärztereferat fallen, unseren Verantwortungsbereich ganz konkret. Denn wir tragen eine hohe Verantwortung für die Ausbildung, von uns wird zudem erwartet, dass wir ein leistungsfähiges Gesundheitswesen garantieren. Da kann es nicht angehen, dass die Primarärzte zu Ausführenden dieser Beschlüsse verkommen müssen. Gesundheitspolitische Veränderungen betreffen das gesamte System. Wir erfahren dann deren Konsequenzen an unseren Abteilungen hautnah. Der neueste geplante Anschlag auf unser gesamtes System ist die Novelle zum Bundes-KAG zur Neuregelung der Verrechnung von Privathonoraren. Die Novelle in der vorliegenden Form stellt eine ernste Gefahr für unser Krankenhauswesen dar und kann deshalb so nicht hingenommen werden.

Sektion Turnusärzte

Unabhängige Tiroler Spitalsärzte

Dr. Stefan Kastner, Turnusarzt, Arzt für Allgemeinmedizin, Turnusarzt in Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinchirurgie am Krankenhaus Zams

Wir möchten den Turnusärzten zu verbesserter, vor allem praxisnaher fachlicher Ausbildung verhelfen. Dazu gehört neben dem Abbau unzumutbarer Verwaltungsarbeit und der Unterstützung durch engagierte Ausbildner auch ein leistungsgerechtes Mindestentgelt. Die Organisation nahtloser Ausbildungsrotation ist Grundvoraussetzung. Zentrales Anliegen ist die Ausbildungsqualität zu verbessern und vor allem die Leistungen der Ausbildenden entsprechend zu honorieren. Die Komplettierung der Ausbildung muss gewährleistet werden. Adäquate Bezahlung in der Ausbildung und Einhaltung der Arbeitszeiten laut Gesetz muss gewährleistet werden. Weiteres wichtiges Anliegen: Den Missbrauch von Turnusärzten als Sekretariatskräfte zu verhindern.

Aktionsgemeinschaft der Tiroler Ärzte

Dr. Peter Gamper, Turnusarzt zum Sonderfach Unfallchirurgie, Krankenhaus Zams

Das derzeit größte Problem für die Tiroler Turnusärzte ist die Reduktion von Stellen für Allgemeinmedizin an der Klinik Innsbruck, weshalb Turnusärzte aus den peripheren Krankenhäusern oft lange Wartezeiten haben. Die so genannten "kleinen Fächer" (Dermatologie, Neurologie, Psychiatrie) können erst nach Wartefristen an der Klinik absolviert werden. Die Aktionsgemeinschaft fordert daher vier zusätzliche Stellen für auswärtige Turnusärzte an der Klinik. Kolleginnen und Kollegen in Facharztausbildung an der Universität sollen in ein neues Assistentenschema mit adäquater Entlohnung aufgenommen werden. Weitere konkrete Forderungen unserer Fraktion sind die Durchführung der schon lange beschlossenen Visitation der HNO-Klinik Innsbruck und die Umsetzung des Turnusärzte-Leitbildes an allen Abteilungen.

Klinik- und Spitalsärzteliste

(Interessensvertretung der angestellten Ärzte Tirols; Luef, Joannidis, Edlinger, Luger) Dr. Monika Edlinger, in Ausbildung zur Fachärztin für Psychiatrie, Univ.-Klinik Innsbruck

Wir brauchen ein verbessertes, klarer definiertes Ausbildungssystem, weg von der Verwaltungs- und hin zu mehr ärztlicher Tätigkeit. Für die wissenschaftlichen Mitarbeiter, das sind neuerdings Ärzte in Ausbildung an Universitätskliniken, gilt es, ihre Rechte und Pflichten genau zu definieren. Es darf nicht selbstverständlich sein, dass wissenschaftliche Tätigkeit fast ausschließlich in der Freizeit und nicht in der Dienstzeit durchgeführt wird. Um für diese neue Gruppierung einen besseren Informationsfluss zu gewährleisten, die rechtliche Situation zu verbessern und bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, bedarf es einer starken Vertretung der Klinik- und Spitalsärzte innerhalb der Ärztekammer. Diese Stärke werden wir aber nur erlangen, wenn die Wahlbeteiligung, die traditionell leider gering ist, steigt. Ich bin durchaus optimistisch, dass wir dann unseren Wahlerfolg vom letzten Mal - auf Anhieb acht Mandate - ausbauen können.

Kurie der Zahnärzte

Liste der Tiroler Zahnärzte

Dr. Wolfgang Kopp, Facharzt für ZMK in Landeck

Der freie Berufsstand des Zahnarztes darf durch Reformen im Gesundheitswesen nicht unter die Räder kommen. Wir werden auf Bundes-ebene alles tun, um die Wirtschaftlichkeit der Zahnarztpraxen zu erhalten. Mit Nachdruck wollen wir den Verbleib in den Landesärztekammern und im Wohlfahrtsfonds - der entsprechende Beschluss wurde von uns herbeigeführt - durchsetzen. Durch "Übergabepraxen" soll jungen Kollegen ein kostengünstiger Start ins Berufsleben ermöglicht werden, gleichzeitig muss aber ein faires und transparentes Berechnungssystem die Praxisablöse erleichtern. Gruppenpraxen müssen in absehbarer Zeit möglich werden, dazu bedarf es entsprechender Rahmenbedingungen, die mit dem Hauptverband zu verhandeln sind. Wir wollen, wie bisher, eine ausgewogene und zukunftsorientierte Berufspolitik fortsetzen.

Unabhängige Zahnärzte Tirols

Dr. Bernhard Rhomberg, Facharzt für ZMK in Innsbruck

Die "Unabhängigen Zahnärzte Tirols" stehen für mehr Basisdemokratie in der Kammer. Die KollegInnen sollen regelmäßig über standespolitische Themen und Neuigkeiten informiert werden. Die Kurie kann dann aufgrund der Meinungsäußerung der Kollegenschaft ihre Beschlüsse fassen. Die Vertreter unserer Landeskurie sollen aktiv in den Bundesgremien mitarbeiten und kreative Lösungen und Ideen einbringen. Wir sind vehemente Verfechter des Integrationsmodells, um den Verbleib der ZahnärztInnen im Wohlfahrtsfonds und damit ihre zukünftige Altersversorgung zu sichern. Ein anderer Programmpunkt: Für uns ist die Idee, einen Facharzt für Stomatologie zu etablieren, noch nicht gestorben; ein weiterer Vorstoß für die neue Ausbildung erscheint sinnvoll.

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