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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Medikamente: Nicht nur Kosten im System

Im Gesundheitswesen wird eigentlich nur noch über Kosten gesprochen - selten über die Benefits. Auch Medikamente kosten nicht nur Geld. Sie helfen beim Heilen und schaffen nebenbei noch hochqualifizierte Arbeitsplätze und bringen dem Staat Steuergelder.

"Rund 308 Millionen Euro zahlt die österreichische Pharmaindustrie jährlich an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Das ist 7,5-mal mehr als das Defizit der Sozialversicherung im Jahr 2001", sagte Prof. DDr. Werner Clement, Leiter des Institutes für Pharmakoökonomische Forschung (IPF), in seinem Vortrag beim 6. European Health Forum Gastein.

Mehr als 9.000 Arbeitsplätze

In Österreich gibt es 101 pharmazeutische und biotechnologische Unternehmen. Ihr Produktionsvolumen beträgt immerhin insgesamt 1,781 Millionen Euro und sie investieren rund 200 Millionen Euro pro Jahr. Sie bieten Arbeitsplätze für 9.194 zumeist hochqualifizierte Mitarbeiter.
"Die Pharma- und Biotech-Industrie gehört zu den wissensbasierten Wirtschaftszweigen, die ein Indikator für die Innovationsfähigkeit eines Landes sind", betonte Clement. Besonders die Biotechnologie ist
einer der wichtigsten Forschungsbereiche in Österreich. Rund 30 Top-Unternehmen sind in Wien angesiedelt, das zweite Zentrum - das "Medical Cluster Tirol" - befindet sich in Nähe zur Universität in Innsbruck.
Im Durchschnitt investiert die heimische Pharmabranche 14,1 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Im Jahr 2003 werden das insgesamt rund 316 Millionen Euro sein.
Bei Sparmaßnahmen im Gesundheitsbereich müsse man diese Faktoren berücksichtigen, appellierte Clement in Richtung Politik. "Das soll nicht heißen, dass man bei Medikamenten nicht sparen kann. Aber man muss es mit Augemaß machen", betonte der Wissenschafter. Denn sollten sich die Rahmenbedingungen für die Industrie drastisch verschlechtern, dann könnte das zum Verlassen des Standortes Österreich führen. Der Verlust von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen wäre erheblich.
Clement warnte auch davor, die einzelnen Faktoren im Gesundheitswesen - Krankenhäuser, Ärzte und Medikamente - getrennt zu betrachten. Diese stünden in einem engen Wirkungszusammenhang und hätten zahlreiche "spill over"-Effekte. So könnten durch innovative Arzneimittel nachweislich Krankenhaustage eingespart werden. "Eine isolierte wirtschaftliche Betrachtung der einzelnen Bereiche widerspricht der modernen ganzheitlichen Auffassung jeglicher Therapie", betonte der Ökonom.

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