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Gesundheitspolitik 31. August 2006

"Lisa lebt" - dank perfekter Rettungskette

An ihren Wienurlaub wird sich die Amerikanerin Lisa Yedloutschnig wohl noch lange erinnern. Nur durch viel Glück und eine perfekt funktionierende Rettungskette konnte ihr Leben gerettet werden.

Am 16. Juli 2002 um 8.18 Uhr erleidet die Musikstudentin aus New Jersey in ihrem Hotelzimmer einen Herzstillstand. Ihr Freund alarmiert über die Rezeption die Rettung und beginnt mit Mund-zu-Mund-Beatmung. Um 8.23 treffen Rettung und Notarzt ein, und bereits sieben Minuten nach dem Kollaps erhält sie den ersten Schock. Nach weiteren sieben Minuten mit insgesamt fünf Defibrillationen setzt der spontane Kreislauf wieder ein.
Der Transport ins AKH verläuft ohne weitere Zwischenfälle. In der Klinik, wo die Patientin einer "milden Kühlung" ausgesetzt wird, diagnostiziert man ein long-QT Syndrom. Sie erhält einen Defi implantiert. Wenige Wochen später kehrt sie - geistig und körperlich fit - in ihre Heimat zurück.
"Die Patientin hatte Glück. Die rasche Alarmierung und die Nähe der Rettungsfahrzeuge zum Notfallort waren ein günstiger Ausgangspunkt für diesen Erfolg", sagte Dr. Reinhard Malzer von der Wiener Rettung beim Pressegespräch anlässlich des 10. Kongresses der österreichischen Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenmedizin, der vom 4. bis 5. September in Wien stattfand. Lisa wurde auch eingeflogen. Ihre Botschaft: "It can happen to everyone.”
"Die Rettungskette in Österreich ist sehr gut", betonte Prof. Dr. Anton Laggner, Vorstand der Univ.-Klinik für Notfallmedizin und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenmedizin. Trotzdem gebe es Handlungsbedarf. "Ziel des Kongresses ist es unter anderem zu erreichen, dass jeder Notarztwagen mit einer Thrombolysebehandlung ausgestattet wird", so Laggner. Auch die Verbesserung der Leitstellenlogistik sowie der breitere Einsatz von Laien-Defibrillatoren zählt er zu den besonders wichtigen Anliegen.
"Bereits sechsjährige Kinder gehen mit Defis um wie mit Fernseh-Fernbedienungen", sagte Prof. Dr. Fritz Sterz von der Uniklinik für Notfallmedizin. Diese Erkenntnis zog er aus einem Projekt mit einer Wiener Volksschule. Umso verwunderlicher sei es, dass Erste Hilfe nach wie vor nicht als Pflichtfach an den Schulen gelehrt werde,
betonte er. Eine positive Bilanz der Aktion "Wer hilft? - Defi hilft", die im Frühjahr auch vom ORF unterstützt worden war, zog Prof. Dr. Hans Domanovits. Mehr als 1.000 Defis wurden an öffentlichen Plätzen in Österreich installiert. Zwölf Mal kamen sie bisher zum Einsatz, fünf Mal waren es auch wirklich "Defi-Fälle". "In vier dieser Fälle konnte erfolgreich wiederbelebt werden", sagte er. "Hier ist es gelungen, die 'call to shock time' auf fünf Minuten zu reduzieren." Daher lautet auch ein Wunschtraum der Lebensretter: Ein Defi in jedem Haushalt - gleich neben dem Feuerlöscher.

Mag. Andrea Fried

Tipp: Die interaktive CD-Rom "Leben retten" für junge Leute ab 6 Jahren gibt es kostenlos an der Uniklinik für Notfallmedizin, Wien
Tel. 01/40-400-1952 oder -1964,
E-mail:

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 30/2003

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