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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Landesgesundheitsfonds für Oberösterreich?

Die oberösterreichische Gesundheits- und Spitals AG (Gespag) ist mit einem "Marktanteil" von rund 50 Prozent der größte Krankenhausträger Oberösterreichs. Kostendeckendes Wirtschaften ist derzeit nicht möglich, neue Ansätze werden diskutiert.

Im laufenden Jahr zeichnet sich sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich eine weitere deutliche Leistungssteigerung ab. Noch nie wurden so viele Patienten in den 13 Landesspitälern der Ges-pag an 16 Standorten medizinisch behandelt und pflegerisch versorgt. "Insgesamt werden wir heuer im Vergleich zum Vorjahr um rund 1,5 Prozent mehr stationäre und rund 3,4 Prozent mehr ambulante Patienten betreuen, insgesamt voraussichtlich 503.000 Personen", erklärt Dr. Harald Geck, Mitglied des Vorstandes der Gespag. Betreut werden diese von 1,7 Prozent mehr Mitarbeitern als im Vorjahr.

Ergebnis besser als erwartet

Trotz "Leistungsexplosion" (Geck) wird der Abgang heuer bei "nur" rund 38 Millionen Euro liegen. Budgetiert waren mehr als 40 Millionen, das Ergebnis ist also um 5,6 Prozent besser als erwartet. "Aufgrund der bestehenden gesetzlichen Tarif-Regelungen ist derzeit ein kostendeckendes Wirtschaften im Krankenhaus unmöglich", meint Geck. 47 Prozent der Einnahmen kommen derzeit aus dem Landeskrankenanstaltenfonds (LKF).
"Mit den Einnahmen aus dem LKF sind derzeit nicht einmal die Personalkosten in den Krankenhäusern gedeckt", erläutert Dr. Maximilian Koblmüller, Mitglied des Vorstandes der Gespag. Sechs Prozent der Einnahmen kamen (noch) aus den Ambulanzgebühren, zwei Prozent von den Zusatzversicherungen. Damit bleiben neben sonstigen Einnahmen 38 Prozent der Krankenhausfinanzierung als "Abgangsdeckung". Hier werden Land und Gemeinden zur Kasse gebeten.

Der Vertrag der Krankenhausfinanzierung läuft Ende 2004 aus. Bis dahin muss zwischen Bund, Ländern und Gemeinden eine neue Form der Finanzierung gefunden werden. Niederösterreich und Vorarlberg beschreiten derzeit neue Wege und haben aus Koblmüllers Sicht "einen ganz wichtigen Aspekt in ihren Modellen berücksichtigt": "Sie haben nur einen Topf zur Finanzierung ihres gesamten Gesundheitssystems."
Sowohl die Spitäler als auch der gesamte niedergelassene Bereich werden damit finanziert. "Um in Zukunft beispielsweise Doppelgleisigkeiten bei der Versorgung von Patienten zu vermeiden oder engere Kooperationen zwischen Spitälern und niedergelassenen Fachärzten zu fördern, scheint die Schaffung eines gemeinsamen Finanztopfes für alle Bereiche ein unabdingbarer Schritt", so Koblmüller.

Auch für Salzburg ist ein solches Finanzierungssystem geplant und wird heftigst aus dem niedergelassenen Bereich kritisiert. Befürchtet wird eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen vor allem der niedergelassenen Allgemeinmediziner. So könnte es etwa zu einer Reduzierung der Honorare kommen. "Die Interessen der Patientinnen und Patienten müssen an erster Stelle stehen, nicht Fragen der Ökonomie", betont dazu der Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich, Dr. Otto Pjeta.
An einen Bettenabbau, wie von der Regierung vorgesehen, glaubt der Gespag-Vorstand in Oberösterreich nicht. Es werde zu einer Art "Umwidmung" von Kapazitäten kommen, etwa auf Grund der demographischen Entwicklung in Richtung Akutgeriatrie für alte Menschen. 

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