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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Kammerwahl in der Steiermark: Kommt ein neuer Präsident?

Wenn am 3. April die steirischen Ärztinnen und Ärzte ihr Parlament wählen, stehen unterschiedliche Standpunkte in Interessensvertretung und Gesundheitspolitik in einer der mitgliederstärksten Ärztekammern Österreichs zur Wahl. Um die Gunst der 5.146 Wahlberechtigten werben diesmal weniger Listen als bisher, die drei großen Gewinner der letzten Wahl kandidieren aber auch heuer in allen drei Kurien. Von den 39 Mandaten entfallen 29 auf die Kurie der angestellten Ärzte, 15 Mandate auf jene der niedergelassenen Ärzte. In der Kurie der Zahnärzte sind 5 Mandate zu vergeben.
Im Jahr 1999 errang die Vereinigung Steirischer Ärzte 18 Mandate, die Aktion Freier Arzt 15 Mandate und die Überparteiliche Gemeinschaft Steirischer Ärzte 6 Mandate. Der alte und neue Präsident hieß Dr. Wolfgang Routil, Spitzenkandidat der Vereinigung, die fortan mit Unterstützung der Überparteilichen Gemeinschaft die Kammerführung übernahm.
Ihren Anspruch auf die Leitung der Standesvertretung hat die Vereinigung auch im aktuellen Wahlkampf deponiert, um die Position bewerben sich ebenso der bisherige Koalitionspartner mit Dr. Klaus Schindlbacher, die Opposition mit ihrem Spitzenkandidat Dr. Jörg Garzarolli und die neu entstandene Interessensgemeinschaft Angestellte Ärzte Steiermark, deren Proponenten Dr. Peter Schmidt und Dr. Dietmar Bayer erst vor kurzem die Vereinigung verlassen haben. Kleinster gemeinsamer Nenner aller vier Gruppierungen ist der Wunsch nach einem Wechsel an der Spitze: Nach 14-jähriger Amtszeit eines Allgemeinmediziners komme die Präsidentschaft nun einer anderen Gruppierung zu, lautet der Tenor.
Die meisten Verschiebungen verzeichnet die Kurie der Zahnärzte, wo die Plattform der Ärzte für ZMK und die Arbeitsgemeinschaft Zahnmedizin nicht mehr aufscheinen; in den übrigen Kurien fehlt einzig die Liste des Steirischen Hausärzteverbandes.

Mag. Nina Popp

Kurie der niedergelassenen Ärzte

Sektion Ärzte für Allgemeinmedizin
Vereinigung Steirischer Ärzte, Dr. Wolfgang Routil

"Angesichts der ungünstigen Entwicklung in der Gesundheitspolitik sind Zusammenhalt und Stärke einer Interessensvertretung notwendiger denn je zuvor", warnt der amtierende Kammerpräsident Routil vor Zersplitterungstendenzen innerhalb der steirischen Ärztekammer. Zum einen bedürfe der Widerstand gegen den Rückbau medizinischer Versorgung und gegen den Eingriff in die ärztliche Autonomie eines erheblichen Energieaufwands von Seiten der Ärzteschaft. Zum anderen sei das Engagement aller Gruppierungen gefordert, wenn es darum gehe, integrative Versorgungskonzepte zu entwickeln und neue Arbeitsfelder für den eigenen Berufsstand zu entdecken.
Als Spitzenkandidat der Vereinigung Steirischer Ärzte will sich Routil unter anderem für bessere Rahmenbedingungen in der täglichen Praxis einsetzen, der Bürokratieaufwand soll reduziert werden, der Raum für spezifisch ärztliche Tätigkeiten zunehmen. Angemessene Hilfeleistungen der Kammer sollen künftig die Berufsausübung für Medizinerinnen erleichtern.

Aktion Freier Arzt
Dr. Jörg Garzarolli

Die Geschlossenheit des Ärztestandes in einer gemeinsamen Ärztekammer steht gleichsam als Präambel im Wahlprogramm der "Aktion Freier Arzt", mit dem sich die zweitgrößte Fraktion an angestellte und niedergelassene Ärzte wendet. Für beide Gruppierungen will Spitzenkandidat Garzarolli verbesserte soziale und finanzielle Absicherung erreichen.
Spitalsärzte sollten in Hinkunft auch ohne extramurale Dienste ihre existenzielle Grundlage schaffen, auch die Tarife der Niedergelassenen müssten der wirtschaftlichen Realität angepasst sein. "Vor allem im präoperativen Bereich, der zunehmend aus dem Spital ausgelagert wird, sind die Honorarsätze mehr als unzufriedenstellend", kritisiert Garzarolli.
Als inadäquat bezeichnet er ebenso die geltenden Visitenregelungen bei der Betreuung der Patienten in Alten- und Pflegeheimen.
Die Einführung eines Facharztes für Allgemeinmedizin wird als nicht notwendig erachtet, das Augenmerk gilt dafür der Aufwertung der allgemeinmedizinischen Tätigkeit und der freien Arztwahl.

Überparteiliche Gemeinschaft Steirischer Ärzte
Dr. Klaus Schindlbacher

Um die Situation der niedergelassenen Ärzte erheblich zu verbessern, tritt die überparteiliche Gemeinschaft in der neuen Interessensvertretung besonders für leistungsgerechte Honorare im ASVG-Bereich und die Einführung neuer Gruppenformen ein, wie sie unter Freiberuflern anderer Sparten durchaus üblich sind. "Wir stehen für die Aufwertung der niedergelassenen Ärzte als gleichwertiger Partner der Spitalsärzte und wir propagieren die Einführung des Facharztes für Allgemeinmedizin", erklärt Schindlbacher.
Um Konkurrenzängste zu vermeiden, müsse allerdings mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Wie in diesem Fall seien in der Vergangenheit viele notwendige Reformschritte an mangelnder Information gescheitert. Missverständnisse und Schlagworte wie jenes von der "Minutenmedizin" sind die Folge. Schindlbacher sieht seine vorrangige Aufgabe daher darin, diese dringlichen Themen stärker in und außerhalb der Ärzteschaft zu kommunizieren.

Seniorenbund Steirischer Ärzte
MR Dr. Franz Sommerbauer

Eine verstärkte soziale Absicherung ist das vorrangige Ziel der Seniorenvertreter unter den steirischen Ärzten. Daher setzt sich Sommerbauer für eine von der Kammer gestützte Zusatzversicherung für nicht mehr aktive Mediziner ein, zudem fordert er eine Anpassung der Pensionen an den Wert der durchschnittlichen Inflationsrate von 1,75 Prozent. Die durchschnittliche Valorisierung der Pensionen liegt zur Zeit bei 1,65 Prozent.
Schon in der kommenden Funktionsperiode soll sich der Status der Senioren innerhalb der Interessensvertretung maßgeblich ändern. Sommerbauer wünscht sich die Reaktivierung des Seniorenbeirates mit Antragsrecht in allen Gremien der Ärztekammer, insbesondere im Verwaltungsausschuss und im Vorstand. In absehbarer Zeit soll auch nicht mehr aktiven Ärzten das Wahlrecht bleiben.

Sektion der Fachärzte

Vereinigung Steirischer Ärzte
Dr. J. Thomas Kainz

"Die Zusammensetzung unserer Liste spricht für die Praxisnähe und die Vielfalt unseres Programms", meint der Dermatologe Kainz. "Vertreten sind elf verschiedene Fachärztinnen und -ärzte aus Graz und der Peripherie, unter ihnen Wahl- und Kassenärzte." In dieser Zusammensetzung will die Fraktion auch in der kommenden Funktionsperiode Verantwortung übernehmen. Höchste Priorität haben die Weiterentwicklung des Kassenvertrages, die Sicherung der wahlärztlichen Tätigkeit sowie die Entwicklung neuer wirtschaftlich attraktiver Praxisformen.
Ein wichtiges Anliegen sei, so Kainz, die verbesserte Kommunikation zu anderen Gruppierungen innerhalb der Ärzteschaft, die bei der Suche nach gemeinsamen Lösungen wie etwa der Neuregelung der Hauskrankenbehandlung für Allgemeinmediziner und Fachärzte unerlässlich ist. Den Interessensausgleich sieht die Vereinigung Steirischer Ärzte nicht zuletzt als wesentliche Grundlage für modernes Schnittstellenmanagement und die Entwicklung neuer Versorgungskonzepte.

Aktion Freier Arzt
Dr. Norbert Meindl

"Stärker als bisher müssen Fachärzte in die Gesundheitsdiskussion im Allgemeinen einbezogen werden, sie sollten aber vor allem in die Vorsorgeprogramme eingebunden werden", fordert Meindl. Der Gesundheits-Check, der zur Zeit einen Katalog allgemeinmedizinischer und internistischer Untersuchungen umfasst, müsste sinnvollerweise auch auf Befunde von Dermatologen, Urologen, Orthopäden und anderen Fachärzten ausgedehnt werden.
Wechselseitige Hospitationen und der damit verbundene Wissenstransfer zwischen Spitalsärzten und niedergelassenen Ärzten sind nach Ansicht Meindls eine zeitgemäße Form der Weiterbildung, die die Unterstützung der Interessensvertretung auch hinsichtlich entsprechender Anrechnungsmodalitäten brauchen.
Dasselbe gelte für die Einrichtung von Gruppenpraxen, für die erst adäquate Vertragsbedingungen auszuhandeln seien. Dem offensichtlichen Bedarf an GynäkologInnen will Meindl im Konsens mit den Sozialversicherungsanstalten über eine Modell der Sonderfinanzierung entgegenkommen.

Überparteiliche Gemeinschaft Steirischer Ärzte
Dr. Norbert Adelwöhrer

Säumnis bei der Erstellung klarer Richtlinien in der Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizinern und Fachärzten ist einer der gravierendsten Ursachen für die Unzufriedenheit der Überparteilichen Gemeinschaft mit ihrem bisherigen Koalitionspartner. "Ohne Richtlinien kann man nicht friktionsfrei und unabhängig von partei- und standespolitischen Einflüssen kooperieren", kritisiert der Spitzenkandidat Adelwöhrer.
Vehement lehnt er auch Tendenzen von Seiten der Apothekerkammer und verschiedenen Gesundheitsberufen ab, die Schritt für Schritt in die Kernkompetenzen der Ärzteschaft eindringen würden, ohne freilich deren Verantwortung übernehmen zu können. In diesen Belangen sei eine starke Interessensvertretung nach außen gefragt, auf der anderen Seite benötigten die Fachärzte ein stärkeres Maß an Service und Unterstützung, etwa Know-how in betriebswirtschaftlichen Fragen.
Angesichts der Ostöffnung fordert Adelwöhrer die Errichtung eines eigenen Referats in der Ärztekammer, das in Kooperation mit Partnern aus den Nachbarländern an der Klärung von Rechtsproblemen und Honorarfragen arbeitet.

Seniorenbund steirischer Ärzte
OMR Prim. Dr. Haimo Moder

Bei der letzten Wahl hat der Seniorenbund steirischer Ärzte zwar nicht die für ein Mandat erforderliche Stimmenzahl erreicht, dennoch spricht Obmann Moder von einer konstruktiven Zusammenarbeit mit allen übrigen Fraktionen, die die Anliegen älterer Mediziner unterstützten. Auf dieser Basis hofft er in der kommenden Periode eines der wesentlichen Ziele zu realisieren: Durch die Ausweitung der Solidargemeinschaft soll eine kammergestützte Krankenzusatzversicherung für Ärzte-Pensionisten eingerichtet werden.
Mitbestimmung will man auch in Fragen des Wohlfahrtsfonds. Zur höheren Sicherheit dieses Fonds plädiert Moder für eine schrittweise Anhebung der Kapitaldeckung von derzeit 67 auf 75 Prozent. Für die Todesfallbeihilfe schlägt man ein steuersparendes Splitting vor, wonach die Ärztekammer für die Begräbniskosten aufkommt und der Restbetrag ausbezahlt wird. "Wir formulieren keine überzogenen Forderungen", meint Moder. "Unsere Vorschläge zielen vielmehr auf eine sinnvolle Umschichtung von Geldern."

Kurie der angestellten Ärzte

Sektion Ärzte mit ius

Vereinigung Steirischer Ärzte
Dr. Peter Krisper

Im Rahmen der kommenden Ärztegesetznovelle soll die paritätische Vertretung in den wichtigsten Gremien neu geregelt werden. "Damit stehen die Chancen gut, dass wir jene Energien zurückgewinnen, die in den letzten Jahren beim Kräftemessen nach innen verloren gegangen sind", meint Krisper. Denn stärker als bisher sei die Kooperation der verschiedenen Gruppierungen innerhalb der Ärzteschaft gefragt. Etwa bei der Konzeption der Spitalsordination: Die zur Zeit nur für Primarii geltende Regelung soll künftig auch Fachärzten die Möglichkeit bieten, ihre Patienten in Spitälern zu betreuen. "Für den Spitalserhalter eröffnet sich eine zusätzliche Einnahmequelle, die Ärzte ersparen sich hohen Investitionsaufwand", beschreibt Krisper die Vorteile.
Zudem soll sich die Standesvertretung künftig auf die lückenlose Einhaltung der Arbeitszeiten, die Reduktion arztfremder Tätigkeiten und die Verbesserung der Einkommenssituation konzentrieren; konkret wird die Abschaffung des Hausanteils an den ärztlichen Sondergebühren gefordert.

Aktion Freier Arzt
Dr. Wolfgang Florian

Nach 14-jähriger Opposition stellt die "Aktion Freier Arzt" den Führungsanspruch in der Steirischen Ärztekammer. Begründet wird die Offensive mit einer Reihe von Kritikpunkten an der Politik der vergangenen Jahre. "Vor allem die Paktfähigkeit ist verloren, wodurch wichtige Interessen der Ärzteschaft nicht durchgesetzt werden konnten", bedauert Florian. Als Beispiele führt er die unter dem
Inflationsniveau gelegenen Gehaltsabschlüsse und die gesunkenen Einnahmen bei den Sondergebühren an. Mängel zeigten sich auch in der Ausbildung:
"Wenn junge Ärzte zu 90 Prozent Routinearbeit leisten müssen, bleibt kaum Zeit für die Ausbildung. Der Ausbildungs-Oberarzt ist gesetzlich verankert, de facto aber nicht existent."
Als Verfechter der Zusammenarbeit zwischen Spital und niedergelassenen Ärzten sieht Florian in der Hospitation genannten Weiterbildung fachliche und soziale Synergien für alle Beteiligten: "Der niedergelassene Arzt behält den Zugang zu moderner Methodik und Technik, der Spitalsarzt gewinnt Einblick in die Praxisstruktur."

Überparteiliche Gemeinschaft Steirischer Ärzte
Dr. Günter Ranftl

Verbesserungen im Bereich der medizinischen Aus- und Weiterbildung sind zentrale Anliegen der Überparteilichen Gemeinschaft Steirischer Ärzte. "Fortbildung muss auf breitester Basis und zu erschwinglichen Preisen angeboten werden", fordert Ranftl und kritisiert die augenblickliche Praxis in der Ärztekammer, die formale und inhaltliche Pluralität vermissen lasse. "Mehr als bisher soll sich die Ärztekammer wieder verstärkt als Interessensvertretung profilieren, als Serviceeinrichtung für Mediziner in den unterschiedlichsten Phasen der Berufsausübung."
Als wichtiges Anliegen nennt Ranftl weiters die Leistungsentgeltung, "bei der sich Tarifangleichungen und Kostenwahrheit annähern müssen", sowie Qualitätssicherung in der Ausbildung. Ein neues Konzept der Turnusausbildung soll Jungärzten künftig den Übergang von der Klinik zur Praxis erleichtern.

Interessensgemeinschaft Angestellte Ärzte Steiermark
Dr. Peter Schmidt

Aus Protest gegen die Politik der amtierenden Kammerführung verließen der bisherige Kurienobmann und sein Stellvertreter die Vereinigung Steirischer Ärzte und gründeten eine Fraktion, die die Interessen der angestellten Ärzte besser vertreten soll. "Bis dato waren die Anliegen der niedergelassenen Ärzte eindeutig vorrangig behandelt", begründet Schmidt seinen Schritt. Obgleich 60 Prozent aller steirischen Ärzte zu den Angestellten zählen, seien sie in den Gremien der Ärztekammer stark unterrepräsentiert.
Neben der Förderung zeitgemäßer Strukturen wie Gruppenpraxisbeteiligung oder Spitalsordination lanciert die Interessensgemeinschaft im Wahlkampf die Forderung nach gleicher Abgeltung von ambulanten Leistungen, ob im Spital, ob von niedergelassenen Ärzten erbracht. "Es ist nicht einzusehen", kritisiert Schmidt den Status quo, "dass ambulante Leistungen im Spital pauschal abgerechnet werden und Privatversicherungshonorare deutlich niedriger sind als in Sanatorien."

Angestellte Ärzte in der Sozialversicherung
Dr. Anton Schlögl

Weil Vertreter der in der Sozialversicherung angestellten Ärzte bislang nirgendwo an wählbarer Stelle gereiht waren, hatte man sich bei der letzten Wahl zur Kandidatur entschlossen und auf
Anhieb zwei Mandate erreicht.
Seit damals habe sich die Gesprächsbasis mit anderen Gruppierungen wesentlich gebessert, insbesondere das Verständnis für die Kontrollfunktion, die diese Berufsgruppe auszuüben hat, ist gewachsen, meint Schlögl. "Die Präsenz in der Interessensvertretung hat nicht zuletzt dazu geführt, dass die Dienstordnungspension auf Antrag vom Wohlfahrtsfondsbetrag abzuziehen ist."
In nächster Zeit soll die Zusammenarbeit zwischen Vertragsärzten und Ärzten in der Sozialversicherung optimiert und gemeinsam Einsparpotenziale erarbeitet werden. "Angedacht ist die Mitsprache der Ärztekammer im Einvernehmen mit der gewerkschaftlichen Vertretung bei den Kollektivverhandlungen", erzählt Schlögl. "Die Kammer soll die Interessen von 250 Ärzten in der Sozialversicherung auch in Gehaltsverhandlungen vertreten können."

Bundesärztinnen - Bundesärzte
Prof. Dr. Axel Haberlik

Nachdem die Anliegen der Bundesärztinnen und -ärzte jahrelang eher stiefmütterlich behandelt wurden, hat die Liste vor vier Jahren zum ersten Mal kandidiert und ein Mandat errungen.
Die Präsenz in den Gremien habe die Situation zum Positiven verändert, ist Spitzenkandidat Haberlik überzeugt. "Die Anliegen der Bundesärzte werden nunmehr auch von anderen Gruppierungen im Wahlkampf aufgenommen."
Ihre Kernkompetenz hat die überparteiliche Fraktion, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern des Mittelbaus und der Professoren zusammensetzt, im Rahmen der Autonomiebestrebungen der neuen medizinischen Universität, der neuen Arbeitszeitregelungen und der Diskussion des UOG eingebracht. Gute Kontakte zu anderen Universitätskliniken kamen den Verhandlern dabei zugute.

Sektion Turnusärzte

Vereinigung Steirischer Ärzte
Dr. Martin Wehrschütz

"Mehr Gerechtigkeit" lautet der Slogan, mit dem Wehrschütz in den Wahlkampf zieht. Im Detail soll der Zugang zum Arbeitsplatz durch größere Transparenz und klare Kriterien gerechter gestaltet werden. Dazu zählt, dass die KAGES die Wartelisten künftig im Internet publiziert.
Ein höheres Maß an sozialer Gerechtigkeit verspricht sich Wehrschütz von der Schaffung neuer Strukturen wie Karenz- und Teilzeitausbildung, die Medizinerinnen bessere Bedingungen am Arbeitsmarkt eröffnen. Sein Gerechtigkeitsempfinden bezieht sich schließlich auf eine verbesserte Ausbildung, die mehr noch als bisher an den Ausbildungsstätten angeboten wird. "Statt teurer Kursitis fordern wir die Installierung des Ausbildungs-Oberarztes, der das Einmaleins des jeweiligen Faches vor Ort vermittelt", so Wehrschütz.
Die Kritik seiner einstigen Fraktionskollegen und jetzigen Mitkonkurrenten will der Kandidat der Vereinigung nicht kommentarlos zur Kenntnis nehmen: "Der Befund der Interessensgemeinschaft listet Versäumnisse auf, die in ihrem eigenen Verantwortungsbereich lagen."

Aktion Freier Arzt
Dr. Eiko Meister

Geht es nach den Vorstellungen der Aktion Freier Arzt, dann findet Ausbildung, in der auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt sind, ausschließlich am Ausbildungsort statt. Das Ziel heißt "Bedside teaching", frei von zeitraubenden administrativen Tätigkeiten, die durch den aktuellen Personalmangel zur Routine gehören. "Wir befürworten qualitativ hochwertige Weiterbildung, wenden uns aber vehement gegen die grassierende Kursitis, also verpflichtende kostspielige Seminarangebote", erklärt Meister.
"Die Sozialversicherungsträger sollen wiederum dazu veranlasst werden, jene Inhalte, die in der Ausbildungsordnung und im Rasterzeugnis gefordert sind, ohne weitere kostenpflichtige Kurse anzuerkennen und dementsprechend zu honorieren." Ein zentrales Anliegen ist auch die Schaffung einheitlicher Prüfungsmodalitäten. "Zur Zeit gibt es divergierende Anforderungskataloge, verschiedene Zeitrahmen und ein Nebeneinander von Multiple Choice und mündlichen Prüfungen", kritisiert Meister.

Überparteiliche Gemeinschaft Steirischer Ärzte
Dr. Katayoun Bahadori

"Viele Kolleginnen und Kollegen sind mit der jetzigen Ausbildungssituation, in der es keine klaren Standards gibt, sehr unzufrieden", beschreibt Bahadori einen der wesentlichen Beweggründe für ihr persönliches Engagement in der Ärztekammer. Damit die Auswahl der Inhalte nicht länger von "Lust und Laune des Ausbildners" abhängen, hat sie in der Ausbildungskommission die Mittel für eine Evaluation durchgesetzt. Vom Ergebnis der Umfrage, die in Kürze von einem unabhängigen Institut durchgeführt wird, verspricht sich die Ärztin wertvolle Grundlagen für Verbesserung und Kontrolle der Ausbildung. Als wesentliche Aufgaben der Interessensvertretung nennt Bahadori überdies die Schaffung von erleichterten Konditionen für den Umstieg vom Spital in die Niederlassung und Beistand für Kolleginnen und Kollegen, die unter Mobbing leiden: "Ein Problem, das vor allem Turnus- und Assistenzärzte auf den unteren Stufen der streng hierarchischen Struktur betrifft."

Interessensgemeinschaft Angestellte Ärzte Steiermark
Dr. Herwig Lindner

"Aufgrund der knappen Personalsituation sind die Turnusärzte und -ärztinnen im Routinebetrieb des Krankenhauses mit einer Vielzahl von arztfremden Tätigkeiten beschäftigt, die der eigentlichen medizinischen Ausbildung, der Arbeit mit dem Patienten und der Diskussion von Diagnostik und Therapie wertvolle Zeit nehmen", kritisiert Lindner. Eines der dringlichen Anliegen der neu gegründeten Interessensgemeinschaft ist daher die Umsetzung des "Turnusärzte-Tätigkeitsprofils", das vom KAGES-Vorstand bereits beschlossen wurde. Ein wichtiger Beitrag dazu wäre die Installierung eines Ausbildungsoberarztes.
Die ärztliche Arbeit an den Patienten und die Vermittlung jener Inhalte, die im Rasterzeugnis enthalten sind, sollten in den Mittelpunkt der verbesserten Ausbildung rücken. "Wenn die Inhalte nicht innerhalb der Dienstzeit vermittelt werden können, dann muss das Seminarangebot für die Turnusärzte kostenlos sein", fordert Lindner.

Kurie der Zahnärzte

Aktion Freier Arzt
Dr. Emil List

"Obwohl die Weichen längst gestellt sind, halten wir den Verbleib der Zahnärzte in der Ärztekammer nach wir vor für wünschenswert und sinnvoll", formuliert List das Hauptanliegen der Aktion Freier Arzt und kritisiert den Mangel an Informationen über die tatsächlichen Gründe der Separation. "Im Unterschied zu anderen Bundesländern wurden in der Steiermark weder Zahnärzte noch die übrigen Mediziner nach ihrer Meinung befragt." Die Trennung könnte, gibt er zu bedenken, möglicherweise die bevorstehende Kammerwahl ungültig werden lassen.
Als vorrangiges Ziel für die kommende Funktionsperiode wird die zufriedenstellende Leistungsabgeltung für Zahnärzte angeführt. Darüber hinaus will List die Problematik rund um die Abgeltung von Zahnbehandlungen in den Nachbarländern Österreichs zur Diskussion stellen.

Überparteiliche Gemeinschaft Steirischer Ärzte
Dr. Klaus Lembeck

In der Frage für oder wider den Verbleib der Zahnärzte in der Ärztekammer entscheidet sich Lembeck für die Variante, als eigenständige Vertretung weiterhin unter einem größeren Dach zu leben. Nach Lembecks Ansicht die einzige Möglichkeit, sich die notwendige Stärke zu bewahren. Die Arbeit in der Kurie selbst beurteilt der Vertreter der Überparteilichen Gemeinschaft als konstruktiv und für die Entwicklung sinnvoller Konzepte geeignet, wie das Beispiel der Kassenplanstellenvergabe zeige. Der gegenwärtige Modus der Reihung bewähre sich, zusätzlich sollten noch Kriterien der Qualität und der Patientenbindung berücksichtigt werden.
Lembeck bekennt sich zu einem System der kassengesicherten Basisversorgung, die allerdings mit der Entwicklung der Zahnmedizin Schritt halten müsste, sowie dem "kassenfreien Raum". Sein Augenmerk will er auf die Förderung der zahnärztlichen Prophylaxe und der Eigenverantwortlichkeit der Patienten lenken. An die Kassen richtet sich sein Appell, die zeitaufwändige Behandlung von Kindern in den Leistungskatalog aufzunehmen.

Standesliste steirischer Zahnärzte
Dr. Peter Österreicher

Mit den Erfolgen der Vergangenheit und konkreten Vorstellungen für die unmittelbare Zukunft der Zahnärzte bewirbt sich das Team um den Kurienobmann und Spitzenkandidaten der stimmenstärksten Fraktion bei der anstehenden Kammerwahl. Rechtzeitige Intervention bei der Novellierung der Strahlenschutzordnung ersparte den Zahnärzten finanzielle Mehrbelastungen, die BUKUZ-Beiträge konnten um 40 Prozent reduziert werden. Bei der Tarifangleichung peilt man EU-Niveau an, wie bisher soll der "kassenfreie Raum" erhalten bleiben. Die Niederlassungs-
politik der letzten Jahre will Österreicher fortführen, bei der Planstellenvergabe verspricht er bestmögliche Transparenz. Erleichterungen im Praxisalltag und wirtschaftlicher Erfolg sollen durch neue
Praxiskooperationen ermöglicht werden - und nicht zuletzt durch hartnäckigen Widerstand "gegen unsinnige Auflagen und bürokratische Schikanen".

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