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Gesundheitspolitik 31. August 2006

Niedergelassene Internisten könnten mehr tun

Dr. Heidemarie Müller-Ringl, niedergelassene Internistin in Mattersburg, übernahm vergangene Woche die Präsidentschaft des Berufsverbandes Österreichischer Internisten (BÖI).

Erstmalig in dessen Geschichte wird eine "frischgebackene" junge Mutter die Interessen der Internisten leiten. Müller-Ringl folgt somit - als eine von wenigen - dem Aufruf ihres Vorgängers, Dr. Maximilian Rosivatz, der sich "mehr engagierte junge Kolleginnen und Kollegen in der Standespolitik" wünschte. Die ÄRZTE WOCHE sprach mit der neuen Präsidentin über ihre Pläne.

Was werden die Ziele und Präferenzen Ihrer Arbeit sein?

Müller-Ringl: Viel zitiert, jedoch kaum erreicht ist die Auslagerung von Spitalsleistungen in den extramuralen Bereich. Zum Beispiel wird ein zur Schilddrüsenszintigraphie in ein Krankenhaus überwiesener Patient vielerorts gleich in der Schilddrüsenambulanz "einkassiert" und regelmäßig zu Labor- und Ultraschallkontrollen wiederbestellt. Dies ist absolut nicht notwendig, da diese Leistungen durchaus auch im niedergelassenen Bereich erbracht werden können.
Dazu ist es aber auch notwendig, mehr in den niedergelassenen Bereich zu investieren; denn mehr Leistungen erfordern mehr Honorar, auch bei uns Ärzten.
Ein weiteres großes Anliegen ist es mir, den vielen Wahlärzten das Leben zu erleichtern. So sollten gebührenbefreiten Patienten beim Wahlarzt die 20 Prozent Selbstbehalt erlassen werden. Ebenso liegt mir der Wegfall der Bestätigungspflicht der Überweisungen durch die Gebietskrankenkasse analog der Einrichtung der Rezepturbefugnis für Wahlärzte am Herzen.

Zuletzt wurde laut über eine "Erneuerung" der Vorsorgeuntersuchung nachgedacht. Wo sehen Sie besonders Handlungsbedarf?

Müller-Ringl: Eine Verbesserung der Vorsorgeuntersuchung ist dringend notwendig. Sie ist derzeit im Laborbereich hauptsächlich auf durch die Überflussgesellschaft bedingte Krankheiten ausgerichtet. Zu fordern sind beispielsweise die Aufnahme der Parameter "komplettes Blutbild, Kreatinin und PSA". Zudem sollten EKG und Mammographie die Vorsorgeuntersuchung komplettieren.
Ebenso ist eine möglichst flächendeckende Akzeptanz dieser Untersuchung durch die Bevölkerung anzustreben. Ein Beispiel für krankheitsspezifische Vorsorge ist die Aktion "Burgenland gegen Dickdarmkrebs", wobei die einzelnen Gemeinden, koordiniert vom Krankenhaus Oberpullendorf, jedem Einwohner, der das 40. Lebensjahr vollendet hat, einen Stuhltest zukommen lassen. Das Spital übernimmt dann die Auswertung.

Wie steht der BÖI zur aktuellen Gesundheitspolitik?

Müller-Ringl: Das Thema Selbstbehalt im niedergelassenen Bereich wurde in den letzten Monaten heiß diskutiert. Hier ist jedenfalls zu fordern, dass dieser nicht pauschaliert, sondern leistungsbezogen errechnet wird. Weiters verwehren wir uns gegen ein Inkasso in der Ordination. Ein möglicher Lösungsansatz wäre die Anbindung der Abrechnung an die Chipkarte.
Im Zuge der Einführung neuer Selbstbehalte sollten wir uns auch um eine österreichweite Tarifvereinheitlichung bemühen. Dabei sollte der Tarifsatz nicht nach unten nivelliert, sondern an die Honorare der kleinen Kassen angelehnt werden. Standespolitisch sollte auch das Bild des Arztes in der Öffentlichkeit "behandelt" werden. Der Stellenwert der Kompetenz, des Einsatzes und des Engagements einer Ärztin oder eines Arztes muss adäquat dargestellt werden.
Zum Thema Gruppenpraxen ist zu sagen, dass es nun schon geraume Zeit gesetzlich geschaffene Rahmenbedingungen, jedoch nach wie vor keine kassenrechtlichen Regelungen gibt. Maßgeblich dabei ist, dass durch die Zusammenlegung von Praxen keine schlechteren Verträge als bei Einzelpraxen ausgehandelt werden. Ein weiteres Problem ist vielerorts das Fehlen überzähliger Verträge bzw. Planstellen, so dass Gruppenpraxen nur durch das Zusammenlegen von Verträgen gebildet werden können. Die Folge davon sind Tarifkürzungen.

Qualitätssicherung lag den Internisten schon immer am Herzen. Was gibt es Neues?

Müller-Ringl: Bemerkenswert ist die Arbeit des BÖI im Bereich der Fortbildung. Hier wird jährlich ein abwechslungsreiches und praxisbezogenes Programm geboten. Neu sind nun auch Seminare, die nicht auf das Erlernen einer apparativen Diagnostik abzielen, sondern Krankheitsbilder im klinischen Zusammenhang darstellen.

Dr. Sabine Schneider, Ärzte Woche 32/2003

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