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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Rauer Wind in der Internistenwelt

Fortbildungsaktivitäten bilden einen Schwerpunkt des Berufsverbandes Österreichischer Internisten (BÖI). Darüber hinaus will er für seine Mitglieder auch fachgruppenspezifische Vorteile für die Arbeit in der Praxis erarbeiten. Alljährlich beim Internisten-Kongress wird der neue Präsident gewählt. So auch heuer.

Letzten Freitag übergab Dr. Maximilian Rosivatz aus Braunau am Inn bei der Jahrestagung der Internisten 2003 in Graz das Amt an seine Nachfolgerin Dr. Heidemarie Müller-Ringl (siehe Beitrag unten).
Im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE zieht er ein äußerst kritisches Resumee seiner Amtszeit. "Ich hatte dieses Ehrenamt mit wenig Illusion angetreten", erklärt Rosivatz. Sein Pessimismus war offensichtlich berechtigt. "Mein oberstes Ziel, mehr Interesse für die Standespolitik vor allem bei jüngeren KollegInnen zu wecken, habe ich leider nicht realisieren können."
Im Jahr 2002 fand eine gemeinsame Veranstaltung von BÖI, ÖGIM und Ärztekammer für Wien zum Problem Öko-Tool und Folgekostenservicebrief (FOKO) der GKK statt. Die Diskussionsresultate wurden dem Hauptverband in einem Protestschreiben übermittelt.
Rosivatz: "Wir müssen davon ausgehen, dass bei einem voraussichtlichen Defizit der Sozialversicherungen von 280 Millionen Euro Öko-Tool und FOKO noch restriktiver gehandhabt werden. Nur eine geeinte Ärzteschaft, die glaubhaft machen kann, dass dieses System nur durch Ärzte aufrecht erhalten werden konnte, die nicht mehr kostendeckende Sozialversicherungshonorare akzeptieren, kann letztlich verhindern, dass Politiker mit Kassenvertragsentzug drohen, wenn der Medikamentenaufwand eines einzelnen Arztes über dem Durchschnitt liegt.”

Eigenmächtige Honorarkürzung

Die Antwort einer vereinten Ärzteschaft könnte nur die gemeinsame österreichweite Kündigung von Sozialversicherungsverträgen sein. Auch die schon seit Jahren von BVA wie auch SVA der Gewerblichen Wirtschaft immer wieder durchgeführten Honorarabzüge sind laut Rosivatz gesetzeswidrig. Früher war das bei der SVA der Gewerblichen Wirtschaft bei Endoskopien der Fall, bei der BVA bei Sonographien, und in jüngster Zeit war es die Streichung der Ordinationspositionen E3 und E11, die sich aus notwendigen Zusatzuntersuchungen bei der Vorsorgeuntersuchung ergeben hatten. "All das erfolgte ohne Rücksprache mit den Ärzten", ärgert sich der scheidende Präsident. Der BÖI habe deshalb die Rechtsabteilung der Österreichischen Ärztekammer eingeschaltet. Auch der Umbau der derzeitigen Sozialversicherungsstruktur von einem Einzelleistungssystem in der Honorierung auf ein Pauschalsystem begünstige zwangsläufig eine Verschlechterung der ärztlichen Behandlungsmöglichkeiten.
"Unsere Gesellschaft ist geprägt durch einen Hang zur Vermassung - soziale Kälte dominiert unseren Alltag", beklagt Rosivatz und meint selbstkritisch: "Doch trifft die Schuld nicht auch uns Ärzte? Wir zeigen viel zu wenig Missstände auf, die wir beeinflussen könnten."

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