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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Honorarrabatt kommt Ärzten zugute

Wir haben Ihre sehr objektive Berichterstattung über standespolitisch aktuelle Themen in der ÄRZTE WOCHE in der Vergangenheit sehr zu schätzen gelernt. Wir waren daher ein bisschen überrascht, dass der Artikel über Gruppenpraxen in der ÄRZTE WOCHE vom 4. Juni (Nr. 21, 2003) unseren Honorarabschlag unvollständig darstellt.

Wir sind in dieser Frage deshalb besonders sensibel, weil in der Vergangenheit der Honorarrabatt mehrfach in durchaus nicht wohlmeinender Absicht verkürzt und damit verzerrt dargestellt worden ist. Tatsächlich gibt es in Oberösterreich verschiedene Modelle von Gruppenpraxen. Es gibt Modelle, bei denen zwei Planstellen zusammengelegt werden, und es gibt Gruppenpraxen, bei denen zwei Ärzte gemeinsam eine Planstelle bekleiden (entweder im Rahmen eines Job-Sharing oder im Rahmen einer übergangsweisen Nachfolgepraxis).
Bei den Modellen, bei denen die Gruppenpraxis nur eine Planstelle in Anspruch nimmt (also beim Job-Sharing und bei der Nachfolgepraxis), gibt es selbstverständlich keinen Honorarabschlag. Einen Honorarabschlag gibt es nur bei jenem Gruppenpraxismodell, bei dem mehrere Planstellen zusammengelegt und damit das Umsatzvolumen der Ordination entsprechend erhöht werden kann. Für dieses Modell haben wir ein Gutachten eines Betriebsberaters eingeholt, der die durchschnittliche Ersparnis durch die gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten und Personal errechnet hat.
Besonders wichtig ist uns aber - und das bleibt immer wieder unerwähnt -, dass dieser Honorarrabatt zur Gänze wieder an die Vertragsärzte zurückfließt und kein Cent davon bei der Kasse verbleibt. Dieser Honorarrabatt dient ausschließlich zur Anhebung bestehender zuwendungsorientierter Vertragsleistungen. Hintergrund dieser Regelung war, dass wir Einzel- und Gruppenpraxen gleichberechtigt behandeln müssen und Gruppenpraxen gegenüber Einzelpraxen keinen ökonomischen Vorteil haben sollen. Der durch Gruppenpraxen erzielbare ökonomische Vorteil soll daher nicht den Gruppenpraxisbetreibern alleine, sondern allen Vertragsärzten insgesamt zugute kommen.
Es ist daher nach allen uns vorliegenden Informationen auch keineswegs richtig, dass die anderen Sozialversicherungsträger auf unsere Lösung bestehen. Im Gegenteil: Die anderen Sozialversicherungsträger wollen an den ökonomischen Vorteilen der Gruppenpraxen mitpartizipieren und sich zumindest einen Teil der Honorarrabatte behalten. Genau das konnten wir aber in Oberösterreich verhindern und sicherstellen, dass die Gebietskrankenkasse sich durch Gruppenpraxen absolut nichts erspart, sondern die ökonomischen Vorteile ausschließlich den Vertragsärzten zugute kommen.
Aus Sicht der einzelnen Gruppenpraxis mag dies unbefriedigender sein als eine Lösung, bei der der ökonomische Vorteil in der Gruppenpraxis verbleibt. Aus Sicht der Gesamtärzteschaft erscheint uns diese Lösung aber die mit Abstand gerechteste.

Dr. Otto Pjeta, Präsident,
Dr. Oskar Schweninger, Kurienobmann
und Dr. Thomas Fiedler, Kurienobmannstellvertreter der Ärztekammer für Oberösterreich

Anmerkung der Redaktion

In der angesprochenen Ausgabe der ÄRZTE WOCHE vom 4.6.2003 wurden jene Stellungnahmen abgedruckt, die wir zum Stand der Verhandlungen in Sachen Gruppenpraxis in sämtlichen Landesärztekammern erfragt haben. Dabei war überall zu hören, dass man aufgrund des von den Gebietskrankenkassen geforderten Honorarabschlages eine sehr schwierige Verhandlungsbasis habe.
Insofern können die im Beitrag gebotenen Informationen durchaus als objektiv gelten. Meine persönliche Meinung zu diesem Thema habe ich in meiner Kolumne dargelegt, allerdings mit lobenden Worten über den oberösterreichischen Vorstoß bei Übergabe-, Jobsharing- und Bruchstellenpraxis. Über die ausverhandelten Details aller Lösungen hat die ÄRZTE WOCHE dieses Jahr ohnehin schon mehrfach berichtet.
Möglicherweise beruht Ihre "Klarstellung" auf einem Missverständnis: Wenn von klassischen Gruppenpraxen die Rede ist, meint jeder die Variante eines Zusammenschlusses von mehreren vollen Planstellen. Es mag zwar ein sehr guter Verhandlungserfolg sein, die Einsparungen für die Verbesserung oder Erweiterung von Leistungen zu verwenden, für die Partner einer Gruppenpraxis ist dies aber nicht von Bedeutung. Und es bringt auch wenig, wenn sich mangels Attraktivität ohnehin kaum jemand für eine Gruppenpraxis entscheidet.
Für den Arzt zählt seine eigene betriebswirtschaftliche Situation. Die ÄRZTE WOCHE hat deshalb von zehn erfahrenen Ärzteberatern aus ganz Österreich bezüglich des Einsparpotenzials bei Gruppenpraxen eine Stellungnahme eingeholt. Diese Berater betreuen betriebswirtschaftlich in Summe einen Kundenstock von mehr als 10.000 niedergelassenen Ärzten in Österreich und haben auch zahlreiche Kooperationsmodelle in Beobachtung, die dem Wesen nach einer Gruppenpraxis entsprechen.

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 25/2003

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