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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Gruppenpraxen: Vom Modell zur Praxis

In Oberösterreich gibt es zehn neue Vertragsgruppenpraxen, die auf den von der oberösterreichischen Ärztekammer ausverhandelten und von anderen Ländern teils kritisierten vier Modellen basieren. Am häufigsten umgesetzt wird derzeit das Modell der Übergabepraxis.

Die ÄRZTE WOCHE befragte einige Ärzte der neuen Gruppenpraxen nach den Gründen, warum sie sich für diese Form der Kooperation entschieden haben, nach ihren ersten Erfahrungen und nach Tipps für Ärzte, die ähnliches vorhaben. Dabei zeigt sich, dass der Weg vom Modell auf dem Papier in die Praxis teilweise unterschiedlich aussieht bzw. auf die individuelle Situation abgestimmt werden muss.

Übergabepraxis Urologie

Die Praxisgemeinschaft Dr. Mohammed Akkad & Dr. Rudolf Mayr OEG ist eine Facharztgruppenpraxis für Urologie und als Modell der "Übergabepraxis" zu verstehen. Dr. Rudolf Mayr war als Urologe zunächst am Krankenhaus in Ried im Innkreis tätig und wechselte dann an die Privatklinik in Wels. "Bei Kongressen und Fortbildungen habe ich MR Dr. Mohammed Akkad kennen und schätzen gelernt", berichtet Mayr. Akkad hat ihn dann auf die neue Möglichkeit der Gruppenpraxis, in diesem Fall die Übergabepraxis, aufmerksam gemacht und sein Interesse bekundet.
"Bei uns ist das Ganze von Anfang an sehr gut gelaufen", sagt Mayr. "Aber prinzipiell stelle ich mir die Umsetzung einer Gemeinschaftspraxis nicht so einfach vor, weil Ärzten ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit sehr wichtig ist und sie am liebsten alleine Entscheidungen treffen." Die Bestimmungen für Gruppenpraxen seien zunächst "nur ein Stück Papier", das auf die individuelle Situation herunter gebrochen werden müsse.
Zu berücksichtigen wären die individuellen Vorstellungen der jeweiligen Partner. Diese abzustimmen, sei am besten in ausführlichen vorangehenden Gesprächen möglich. "Wenn ich mit jemand zusammenarbeiten soll, noch dazu langfristig, muss ich ihn sehr genau kennen", meint der Urologe.
Vereinbart haben die beiden eine Nachfolgepraxis. Das bedeutet in diesem Fall konkret: die Arbeit wird für die nächsten Monate 50 zu 50 und das Einkommen 12 (Mayr) zu 88 (Akkad) geteilt. "Dr. Akkad ist aber auch dann in der Ordination anwesend, wenn er es eigentlich nicht müsste", erklärt Mayr. "Er stellt mich den Patienten vor, unterstützt mich bei Anamnese, Diagnose und Behandlung, führt mich gründlich in die Praxis-EDV und alle Abläufe ein." Gerade diese Einstiegssituation erlebt Mayr als sehr bereichernd: "Ich bin sicher, wir werden auch Kontakt halten, wenn Dr. Akkad in Pension geht."
Aus Mayrs Sicht liegt der Vorteil dieser Kooperationsform darin, dass eine gut gehende Praxis mit einem fixen Patientenstamm übernommen werden kann: "Ich weiß von anderen Kollegen, die den ‚normalen’ Einstieg in die freie Praxis gewählt haben, dass es eher mühsam ist, neue Patienten zu gewinnen, lange dauert und eine große finanzielle Belastungsprobe darstellt." Übernommen werden können auch die gesamte Einrichtung, das mit der Praxis vertraute Personal sowie die bei den Patienten bekannten Öffnungs- bzw. Urlaubszeiten.

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