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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Was gibt’s denn Neues bei den Gruppenpraxen?

Seit knapp zwei Jahren ist das Gruppenpraxengesetz in Kraft. Ein Blick in die Ärztelandschaft zeigt jedoch, dass diese Kooperationsformen nach wie vor wie die Stecknadel im Heuhaufen zu suchen sind. Offenbar scheint es alleine an der Umsetzung in den einzelnen Bundesländern zu scheitern.

Seit Ende 2002 gibt es die neue Reihungskriterien-Verordnung, nach der bis spätestens Ende 2005 sämtliche Bundesländer ihre Reihungskriterien für die Vergabe von Kassenverträgen vereinheitlichen müssen. Die Reihungsrichtlinien sind auch eines der zentralen Elemente für die Umsetzung von Gruppenpraxen. Die ÄRZTE WOCHE hat aktuell in allen Bundesländern den Verhandlungsstand dieser beiden Themen erfragt, wobei besonders darauf Wert gelegt wurde, eventuell vorhandene Knackpunkte herauszufinden.

Steiermark

In der Steiermark ist die Gruppenpraxis in beiden Kurien ausverhandelt. Der Entwurf kam von den niedergelassenen Ärzten und wurde mit den angestellten Ärzten verhandelt. Die Verhandlungen mit der Kasse stehen kurz bevor. Laut Wahlärztereferent Dr. Martin Millauer ist das Reihungssystem noch nicht an die gesetzliche Änderung angepasst. Die Kurien haben noch nicht miteinander diskutiert, im Herbst wird ein Vorschlag bei der Kasse sein.

Kärnten

In Kärnten wurde laut Vizepräsident Dr. Robert Schmidhofer bereits ein Vorschlag für die Adaptierung der Reihungsrichtlinien an die Gebietskrankenkasse weitergeleitet. Bezüglich Gruppenpraxen ist man sich allerdings ärztekammerintern noch nicht einig. Die Strukturen im Bundesland lassen derzeit scheinbar kein faires Modell zu. Eine Umsetzung ist daher noch weit entfernt.

Salzburg

Der Vorstand der Ärztekammer für Salzburg hat laut Dr. Johannes Barth, Stellvertretender Kammeramtsdirektor, eine paritätisch aus den Kurienvertretern der angestellten und niedergelassenen Ärzte besetzte Arbeitsgruppe eingesetzt. Diese hat die Aufgabe, die derzeit gültigen Reihungsrichtlinien an die neue Verordnung des Ministeriums anzupassen. Die ersten Arbeitssitzungen haben bereits stattgefunden, ein Vorschlag soll in den nächsten Wochen den Kurien der angestellten und niedergelassenen Ärzte, dem Vorstand und schließlich der Vollversammlung zur Entscheidung vorgelegt werden. Sobald die neuen Reihungsrichtlinien von den Gremien beschlossen sind, sollten Gespräche mit der Gebietskrankenkasse folgen, um die Möglichkeiten einer von der Ärztekammer angestrebten gesamtvertraglichen Vereinbarung zu diskutieren. Das Thema Gruppenpraxen ist noch nicht in Verhandlung.

Oberösterreich

In Oberösterreich sind Gruppenpraxismodelle bereits umgesetzt, Reihungsrichtlinien intern in Diskussion, auch mit der Krankenkasse hat es diesbezüglich schon Gespräche gegeben. Laut Kammeramtsdirektor Dr. Felix Wallner wird Mitte dieses Jahres alles fertig sein und zu Beginn bis Mitte nächsten Jahres die Umsetzung erfolgen.

Tirol

Laut Dr. Arthur Wechselberger, Präsident der Tiroler Ärztekammer, ist man sich bei Gruppenpraxen kammerintern einig, die Gebietskrankenkasse reagiert allerdings nicht. Für die neue Reihung liegt ein fertiger "Büroentwurf" vor, der intern diskutiert wird. Man will allerdings eine aktive Mitgestaltung durch die Gebietskrankenkasse, damit nicht bei Verhandlungsbeginn alles wieder umgeworfen werden muss.
Dir. Heinz Öhler von der Tiroler Gebietskrankenkasse sieht seitens der Ärztekammer jedoch keine Bemühungen, die Kasse sei aber auch nicht offensiv. Im November hatte man sich geeinigt, dass diese Themen im Rahmen der Honorarverhandlungen 2003 behandelt werden. Aufgrund der Ärztekammerwahlen wurde bisher aber noch nicht verhandelt.

Vorarlberg

In Vorarlberg spricht man sowohl in Sachen Reihung als auch Gruppenpraxen mit der Gebietskrankenkasse auf "Büroebene". Laut Daniel Kinzel vom Kammeramt der Vorarlberger Ärztekammer sei aber schwer zu sagen, wann die Vorschläge umgesetzt werden können.

Wien

In Wien sind die Reihungsrichtlinien fertig und bestimmen bereits die Vertragsvergaben. Laut Dr. Thomas Holzgruber, Leiter der Rechtsabteilung der Wiener Ärztekammer, werden die Gruppenpraxen derzeit mit der Gebietskrankenkasse verhandelt. In einigen Details gebe es aber offenbar größere Hürden. So sind die Modalitäten des Ein- und Ausstiegs sowie die geforderten Degressionen für die Kammer nicht akzeptabel. Derzeit könne ein Zeitpunkt für ein konkretes Ergebnis noch nicht benannt werden. Die Job-Sharing-Praxis ist in Wien - abseits vom Gruppenpraxenvertrag - dagegen schon umgesetzt.

Niederösterreich

Die Musterverträge für Gruppenpraxen in Niederösterreich entsprechen laut Vizepräsident Dr. Christoph Reisner nicht den Vorstellungen der Ärztekammer. Insbesondere die geplanten Honorarabschläge und die Limitierung der Patientenzahlen werden als inakzeptabel empfunden.
Geplant sind vier Pilotprojekte für die Dauer von drei Jahren, vorgesehener Starttermin ist der Jänner 2004. Auf der Liste stehen bisher folgende Standorte: Melk (Innere Medizin), Krems (Orthopädie), St. Pölten (Radiologie) und eine allgemeinmedizinische Gruppenpraxis (Ort noch nicht bekannt). Danach sollen die Erfahrungen evaluiert und daraus die Anforderungen für die geplanten Verträge festgelegt werden.
Die Niederlassungsrichtlinien in Niederösterreich entsprechen derzeit noch nicht den bundesweiten. Der zuständige Ausschuss hat bereits einmal getagt, wird aber nun - nach den Kammerwahlen - neu besetzt. Geplant ist ein Inkrafttreten der neuen Richtlinien mit Sommer 2004.

Burgenland

Laut Kammeramtsdirektor Dr. Gerhart Grafl von der Ärztekammer Burgenland ist man in Sachen Reihung und Gruppenpraxis noch nicht sehr weit. In der Kammer Standesvertretung hat es bereits Gespräche gegeben, diese wurden allerdings aufgrund interner Differenzen eingestellt. Die beiden Themen stehen allerdings an vorderster Stelle im Arbeitsprogramm nach den Neuwahlen.

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