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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Grünes Licht für "Stillkommission"

In vielen europäischen Ländern wie Deutschland oder der Schweiz wurde der WHO-Beschluss von 1990, dass es in jedem Land eine "Stillkommission" geben soll, längst umgesetzt. Jetzt hat das Gesundheitsministerium auch für Österreich grünes Licht gegeben.

"Ich habe den Auftrag, diese wichtige Institution endlich auch in Österreich aufzubauen", freut sich Prof. Dr. Karl Zwiauer, Vorstand der Abt. für Kinder- und Jugendheilkunde im KH St. Pölten. Die erste Sitzung soll im Umfeld der "Internationalen Woche für das Stillen" (siehe Kasten) stattfinden.
"Die Stillkommission berät die Gesundheitspolitiker", so Zwiauer. "Sie soll das Stillen fördern und Stillhindernisse abbauen." Neben Empfehlungen zum Thema soll es auch Stillbroschüren in verschiedenen Sprachen geben, die in allen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesens zum Einsatz kommen. In der Stillkommission werden unter anderen Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen, Vertreter der Stillverbände und aus der Forschung zusammen arbeiten.
Ein Vorbild und eine "Keimzelle" für die Stillkommission ist aus Zwiauers Sicht das seit einigen Jahren in Niederösterreich tätige "Netzwerk Stillen". Regelmäßig werden alle Geburtenabteilungen besucht. Dieses interdisziplinäre Forum bietet zudem Fortbildung sowohl im Spital als auch im niedergelassenen Bereich an. "Hausärzte können viel für die Stillförderung tun", betont Zwiauer. Dies müsste bereits in der Geburtsvorbereitung ansetzen. Er bedauert, dass Stillberatung für Ärzte nicht abrechenbar ist und "daher die Motivation dafür nicht gefördert wird". Ein Handikap sei außerdem das Informationsmanko in der Ausbildung.
"Mütter wissen viel über die Vorteile des Stillens, schwierig wird es allerdings, wenn Stillprobleme auftreten", so Zwiauer. Er beobachtet immer wieder, dass die Empfehlung zum Abstillen oder Zufüttern zu schnell gegeben wird - ohne fundierte Stillberatung. "Eine Aufgabe der Stillkommission ist auch die Kontrolle der Umsetzung des WHO-Kodex, der die Werbung für Ersatzprodukte für Muttermilch regelt", berichtet Zwiauer. Mütter sollten aus seiner Sicht nicht zu früh in der Stillbeziehung auf diese Produkte hingewiesen werden. Es gibt aber auch Frauen, die nicht stillen können oder wollen. Für diese wiederum wäre eine objektive Information über die verschiedenen Produkte wichtig. "Übertretungen des WHO-Kodex nehmen in Österreich ab", so Zwiauer.

Handlungsrichtlinien für medizinische Berufe

Die Empfehlungen der Stillkommission sollen Handlungsrichtlinien für die verschiedenen medizinischen Berufe und auch die Mütter sein. "Die Kommission wird auch öffentliche Kampagnen für das Stillen anregen", blickt Zwiauer voraus. Australien oder die skandinavischen Länder seien Vorbilder dafür. Anne-Marie Kern, Präsidentin des Verbandes der Still- und LaktationsberaterInnen Österreich IBCLC (www.stillen.at) erwartet von dem Gremium als Grundlage für solche Kampagnen eine kontinuierliche Erhebung der Daten, wie viele und wie lange Mütter in Österreich stillen. Die letzten verfügbaren Zahlen sind älter als fünf Jahre.
"In den von Österreich 1990 mitbeschlossenen Vorgaben der WHO ist auch die Umsetzung von zehn Schritten zur Stillförderung in allen Entbindungsstationen enthalten", betont Kern.
Für die Umsetzung seien fördernde Maßnahmen notwendig, die in einem verbindlichen Stufenplan festgehalten sein sollten. Die Verbandspräsidentin erwartet sich auch eine Förderung für Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen, die sich zum Thema Stillen fortbilden möchten. In Südtirol werden die Kosten für die international anerkannte Zusatzqualifikation zur geprüfte StillberaterIn IBCLC voll refundiert. "Letztlich muss der Zugang zu kompetenter Stillberatung gesichert sein", betont Kern.

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