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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Gesundheitsförderung: Ein Markt für Ärzte?

Für Gesundheitsförderung kann nicht genug getan werden.
Deshalb legen sich "Public Health"-Experten jetzt stärker ins Zeug, aber auch den Krankenkassen wären gesunde Menschen am liebsten.

Prof. Dr. Horst Noack ist Leiter des Instituts für Sozialmedizin der Universität Graz und einer der maßgeblichen heimischen Forscher im Bereich "Public Health". "Der neue Ansatz dazu verbindet wissenschaftliche, organisatorische und politische Anstrengungen mit dem Ziel, die Gesundheit von Populationen zu fördern und die Gesundheitssysteme bedarfsgerechter und wirtschaftlicher zu gestalten", fasst Noack zusammen.

Symposien und Tagungen

Die Österreichische Gesellschaft für Gesundheitswissenschaften und Public Health (ÖGGW&PH, Homepage: www.oeph.at) organisiert und initiiert unter anderem Symposien oder Tagungen. Im März stand in Linz das Thema "Unter-, Über- und Fehlversorgung - Vermeidung und Management von Fehlern im Gesundheitswesen" zur Diskussion, am 17. und 18. Juni findet in Graz das "Werkstatt-Gespräch" der Sozialversicherungs-Kooperationsplattform "Forschung & Lehre" statt.
"Weiters gibt es eine gesundheitswissenschaftliche Schriftenreihe, in der schon 23 Bände erschienen sind", berichtet Werner Bencic von der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, die Mitglied der Gesellschaft ist. Der neueste Band wird sich mit der Versorgung von Antidepressiva beschäftigen.

Impulse für die Politik

Die ÖGGW&PH hofft, dass auf Grundlage ihrer wissenschaftlichen Arbeit konkrete Maßnahmen in der tagesaktuellen Gesundheitspolitik zustande kommen. "Unser Gesundheitssystem ist viel zu stark kurativ ausgerichtet und zu wenig auf aktive Gesundheitsvorsorge", betont Bencic einmal mehr. Er wünscht sich vor allem mehr Aktivitäten von niedergelassenen Ärzten, insbesondere Hausärzten. Betätigungsfelder seien Gesundheitsinformation der regionalen Bevölkerung, aber auch spezielle Gruppenangebote zu Themen wie Bewegung, Umgang mit Stress bis hin zu Partnerschaft.

Gesund für viele Arbeitsjahre

"Schon heute ist absehbar, dass um das Jahr 2010 Arbeitskräfte knapp werden", so Bencic. "Die Menschen werden länger arbeiten, wofür ein entsprechend guter
Gesundheitsstatus unverzichtbare Grundlage ist." Das kurative System werde dazu nicht ausreichend beitragen können. Bencic liegt vor allem die Gesundheitsförderung im betrieblichen Bereich am Herzen: "Das ist ein boomender Markt, den derzeit etwa Psychologen stark erobern, bei Ärzten nehme ich noch kein so starkes Engagement wahr."
In Oberösterreich führt das "Institut für Gesundheitsplanung" (www.gesundheitsplanung.at) derzeit eine Umfrage zur Lebenssituation von Hochdruckpatienten, Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen oder psychischen Problemen und Diabetikern durch. Darauf aufbauend soll die Betreuung und Beratung noch stärker zielgruppenorientiert ausgerichtet werden. Bencic: "Neben politischen Anstrengungen der Ärzteschaft wäre auch auf Seiten der Versicherer ein Umdenken an der Zeit. Ziel sollte ein System sein, in dem prophylaktische Maßnahmen und Projekte gezielt langfristig gefördert werden." Die nächsten Schwerpunkte der GKK in ÖO werden Frauengesundheit und kinderorthopädische Betreuung sein.

Literaturtipp:
F. W. Schartz (Hrsg.): Das Public Health Buch. Verlag Urban & Schwarzenberg.

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