zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 30. August 2006

Die neuen Heim-Helfer der Hausärzte

Die Ärzteschaft begrüßt grundsätzlich die in der Vorwoche beschlossene neue Regelung im Ärztegesetz, die eine Übertragung einzelner ärztlicher Tätigkeiten an Patienten "nahe stehende Personen" ermöglicht. Es gibt aber auch kritische Stimmen.

"Die Übernahme der Tätigkeiten bürdet den betrauten Personen eine zu hohe Durchführungsverantwortung auf", kritisiert Christine Ecker, Präsidentin des Österreichischen Krankenpflegeverbandes. Tauchen bei der Durchführung Probleme auf, könnten auch Regressansprüche drohen.
"Medizinische oder pflegerische Tätigkeiten sind mit gutem Grund Ärzten, diplomiertem Pflegepersonal oder Pflegehelfern vorbehalten", betont Ecker. "Diese verfügen über die notwendige umfassende Aus- und Fortbildung, auf die Nachbarin von nebenan trifft dies mit Sicherheit nicht zu." Der neue Passus würde allen Beteuerungen und Bestrebungen nach mehr Qualität im Gesundheitswesen und besonders in der Pflege krass widersprechen. "Gefährdet ist auch die Kooperation zwischen Ärzten und diplomiertem Pflegepersonal", meint Ecker.

Skandal für chronisch Kranke

Noch krasser formuliert es der Vorsitzende der Gewerkschaft der Gesundheits- und Sozialberufe, Johann Hable. Für ihn ist diese Regelung ein "Skandal gegenüber der älteren Generation und chronisch Kranken". Diese Sicht kann Dr. Reiner Brettenthaler, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, nicht teilen: "Letztlich wird es hier um einige wenige Einzelfälle gehen." Natürlich wäre bei der Übertragung medizinischer oder pflegerischer Tätigkeiten ein entsprechendes Augenmaß wichtig. "Die Frage der Zumutbarkeit muss in jedem Einzelfall genau angeschaut werden", so Brettenthaler, "und ich bin mir auch sicher, dass die Ärzte bei der Einweisung gründlich vorgehen werden." Natürlich müsse die gewählte Person auch die Möglichkeit haben, eine bestimmte Aufgabe ablehnen oder bei auftretenden Schwierigkeiten jederzeit wieder abgeben zu können.
Dazu kommt aus Brettenthalers Sicht, dass der kontinuierliche Kontakt zum Patienten durch den Arzt bzw. mobiles pflegerisches Personal ja weiter gegeben bleibt und sich der Arzt nicht einfach aus seiner Verantwortung stehlen möchte. "Der Ärzteschaft ist gerade im Bereich der Hauskrankenpflege die intensive Kooperation mit dem diplomierten Pflegepersonal sehr wichtig. Diese wird durch die neue Regelung sicher nicht gefährdet", unterstreicht der ÖÄK-Präsident.
Einfache pflegerische Tätigkeiten oder auch Maßnahmen wie Infusionen anhängen bzw. die Gabe bestimmter Medikamente auch in Spritzenform wären unter entsprechender Anleitung und kontinuierlicher Begleitung durchaus dem in der Novelle genannten Personenkreis zuzutrauen. "Wir werden die Praxis der Umsetzung der Novelle in den nächsten Monaten genau analysieren", verspricht Brettenthaler.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben