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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Ausbildungsengpass in Tirol

An der Universitätsklinik Innsbruck wurden innerhalb kurzer Zeit mehrere Ausbildungsstellen für Turnusärzte gestrichen. 1997 waren es noch 102 Stellen, heuer nur noch 44. "Da viele Spitäler keine Möglichkeit haben, Ärzte in Sonder- und Additivfächern auszubilden, waren diese Stellen bislang eine gute Möglichkeit, die Ausbildung zum Allgemeinmediziner rasch zu beenden", berichtet Dr. Klaus Keller, Obmann der Kurie der angestellten Ärzte in Tirol. Nun entstehen aber lange Wartezeiten oder eine Unterbrechung der Ausbildungszeit von bis zu einem Jahr. "Das bringt auch unzumutbare soziale Härten", kritisiert Keller.

Lösungsvorschlag liegt vor

Aus seiner Sicht ließe sich das Problem einfach lösen: An der Uniklinik müssten als erster und wichtigster Schritt vier zusätzliche Ausbildungsstellen für Ärzte aus peripheren Spitälern wie in Kitzbühel, Hall oder Reutte geschaffen werden. Gleichzeitig müssten diese Häuser nicht nur motiviert, sondern durch ein akkordiertes Vorgehen unterstützt werden, ihre Ausbildungsmöglichkeiten auszubauen. Von Seiten der Ärztekammer wird unter anderem angeregt, dazu Konsiliarfachärzte einzubeziehen.
Momentan wird aber die Verantwortung für diese Schritte zwischen Land, Tilak und anderen Spitalsträgern hin- und hergeschoben. "Die politisch Verantwortlichen scheinen zu vergessen, dass es unzweifelhaft zu den Aufgaben des Landes zählt, die ausreichende ärztliche Versorgung der Tiroler Bevölkerung durch gut ausgebildete Allgemeinmediziner langfristig sicherzustellen", betont Keller. Die Ärztekammer hat sich nun mit einem Memorandum an alle zuständigen Landes- und Kommunalpolitiker gewandt; gefordert werden umgehend gemeinsame Verhandlungen.
Dem Sparstift zum Opfer gefallen sind auch Ausbildungsstellen für Gegenfächer wie Neurochirurgie, Pathologie und Anatomie für die Ausbildung zum Facharzt. Die Tilak empfiehlt derzeit, diese Fächer in anderen Bundesländern zu absolvieren - angesichts langer Wartelisten in vielen heimischen Häusern wohl ein schwieriges Unterfangen. Auch hier müsste die Universitätsklinik wieder entsprechende Möglichkeiten vor Ort anbieten.

Auch Qualität wird geprüft

Bei den anstehenden Gesprächen über fehlende Stellen soll auch unbedingt das Thema Ausbildungsqualität behandelt werden. "Die Ärztekammer wird die neue Möglichkeit nutzen, als Ausbildungsbehörde die Qualität sowie den tatsächlichen Ausbildungsverlauf gründlich zu prüfen und die Beseitigung von Mankos vehement einfordern", kündigt Keller an. Den Spitälern kann dabei als Rute auch die Aberkennung des Ausbildungsstatus ins Fenster gestellt werden, was vor allem starke finanzielle Konsequenzen hätte. 

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